Libyen ist ein Land voller Kontraste. Oder etwas blumiger ausgedrückt: Ein Land zwischen Wasser und Wüste , so der Titel dieses erstaunlichen Libyen-Bildbands von Lutz Jäkel und Florian Harms, der prall gefüllt ist mit Eindrücken, Hinweisen und Anekdoten. Libyen ist das Land zwischen Wasser und Wüste. Mehr Bilder »

Harms' Texten merkt man ebenso wie den Bildern von Jäkel deutlich die Sachkompetenz an. Beide sind studierte Islamwissenschaftler, beide bereisen die arabische Welt seit Jahren mit offenen Augen, ohne falsche Scheu und westliche Arroganz. Sie schildern Libyen lebensnah, ohne schwülstige Orientklischees von tausendundeiner Nacht, ohne Gruppenbild mit Kamel und Beduine. Dabei machen sie hemmungslos Werbung für das Land, das sich erst in den letzten Jahren langsam dem Tourismus öffnete, und sind dabei so begeistert, dass man fast schon skeptisch werden möchte.

Vier Kapitel des Buches widmen sich ausgiebig den Sehenswürdigkeiten Libyens. Tripolitanien, die Gegend um die Hauptstadt Tripolis an der westlichen Mittelmeerküste, ist vor allem wegen der hervorragend erhaltenen römischen Ruinen in Sabrata und Leptis Magna berühmt. Dem kleinen Ort Suwaara, westlich von Tripolis, sagt man dagegen nach, dort lebten die schönsten Mädchen Libyens. Und die fruchtbare Region Kyrenaika, benannt nach der altgriechischen Stadt Kyrene, ist seit jeher für die Aufsässigkeit ihrer Bewohner berüchtigt. Hier treffen die Autoren auf einen Mann, der inmitten des Markttreibens laut auf die Regierung schimpft, die seiner Meinung nach das Land verraten hat: "Libyen ist im Unheil! Diese Regierung und ihre Handlanger sind Hunde." Gleich danach verschwindet er in der Menge - Kritik an der Obrigkeit steht in Libyen unter Strafe.

Die Autoren wagen sich auch Hunderte von Kilometern in die Wüste hinein, in die Region Fesaan und ins Herz der Libyschen Wüste, um mit spektakulären Landschaftsaufnahmen von Gesteinsformationen, sanft geschwungenen Dünen, salzigen Seen und ungeheurer Weite zurückzukehren. Auch hier wieder die Suche nach Kontrasten: Sand ist nicht gleich Sand und präsentiert sich je nach Wind und Wetterlage in unzähligen Variationen.

Die begleitenden Texte, teils locker beredt, teils etwas theorielastig, bieten ausführliches Wissen zu der jeweiligen Region, ihrer Geschichte und ihren geografischen Besonderheiten. Hinzu kommen jeweils ein Kapitel über Wirtschaft und Tourismus, Politik, eine ausführliche Einleitung, die jede ansässige Ethnie beim Namen nennt, sowie zahlreiche Reisetipps und Exkurse: Libyens Müllproblem und seine scharfe Küche haben da genauso Platz wie Lebensgeschichten von Menschen, denen die beiden Reisenden zufällig begegnen.

Stück für Stück fügen sich Fotografien, Anekdoten und Buchwissen zu einem kompletten Bild Libyens, seiner Natur, seiner Geschichte und vor allem seiner Gegenwart und der Menschen, die darin leben. Und wie sind sie, die Libyer? Sie erzählen gern, haben Humor, sind resistent gegen Stress und kompromisslos gastfreundlich, wie es den orientalischen Völkern häufig - und zu Recht - nachgesagt wird. Dafür mögen sie nicht feilschen und verlangen nicht nach "Bakschisch", Trinkgeld. Außerdem lieben Libyer Fußball - ihren Chef, Revolutionsführer Muammar al-Gadhafi, dafür oft nicht so sehr, wie dieser es gern hätte.

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