Wie die Börse funktioniert, wird ja oft sehr rational erklärt. Zuweilen erinnert sie dann an eine Maschine, die immer auf die gleiche Weise reagiert: Drückt ihr Benutzer auf den grünen Knopf, speist er also gute Neuigkeiten ins System ein, spuckt sie Geld aus. Muss er ihr aber über die rote Taste schlechte Nachrichten mitteilen, gibt's nur Stroh.

Selbstverständlich ist es nicht so einfach. Gerade in der jüngsten Zeit wurde die mechanistische Annahme, bestimmte neue Informationen hätten stets die gleichen Auswirkungen auf die Märkte , sehr oft widerlegt. Ein Beispiel war die unterschiedliche Reaktion der Anleger am Aktien- und am Rentenmarkt auf die jüngste Sitzung der US-Notenbank , auf die wir ja schon in der vergangenen Woche hingewiesen haben.

Wie kann die gleiche Information derart verschiedene Effekte auslösen? Der Grund: Die Börse ist keine Maschine, sondern ein lebendes Wesen. Sie setzt sich zusammen aus Menschen, die neue Informationen stets sehr subjektiv interpretieren. Sie sind immer auf der Suche nach einer Geschichte, mit der sie ihre Investitionsentscheidungen begründen können. Das können mal die Unternehmensgewinne sein, mal die Inflationskennziffern, mal die besonders guten oder schlechten Konjunkturaussichten. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos.

Das Thema, das die Anleger bewegt, braucht noch nicht einmal einen direkten Bezug zur Wirtschaft – die Investoren lassen sich gerne auch von der tollen Stimmung bei der Fußball-WM mitreißen, wenn sie aus ihr eine tolle Geschichte basteln können, die als Begründung für Käufe, Verkäufe oder sonstige Entscheidungen taugt.

Grundsätzlich ist dabei zu beachten, dass jedes Thema seinen eigenen Argumentationszyklus besitzt. Zunächst wird es nur von ganz wenigen Anlegern erkannt. Dann springen immer mehr auf den fahrenden Zug auf, schließlich wird es zum Allgemeingut eines jeden Investors. Spätestens dann ist der Gipfel aber meist überschritten. Wie ein Süchtiger braucht der Markt nun immer neue und immer aufregendere Informationen, damit die Kurse sich noch bewegen lassen. Kommt nichts Neues nach, verlieren die Investoren ihr Interesse. Viele Argumente verschwinden dann sang- und klanglos wieder in der Mottenkiste, etwas Neues taucht auf.

In den jüngsten Tagen bot alles, was mit Iran zu tun hatte, Stoff für eine marktbewegende Geschichte. Wer am Freitag die Kursbewegungen live mitverfolgte, konnte gar eine Mini-Panik an den Finanzmärkten miterleben. Das Gerücht, die USA hätten ihre Bürger aufgefordert, Bahrain zu verlassen, sorgte kurzzeitig für einen freien Fall der Aktien. Doch wie so häufig bei solchen Gerüchten – als die Meldung nicht bestätigt wurde, drehten die Kurse schnell wieder nach oben.