Der 23. November 1996 war ein ungemütlicher Herbsttag, in der Nacht zuvor hatte es geschneit. Am Morgen jenes Samstags klagte Bundeskanzler Helmut Kohl darüber, es gebe zu wenig Kinder in Deutschland. Der SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine forderte niedrigere Steuern. Am Abend erklang in der Münchner Olympiahalle für Henry Maske die Verliererhymne Time to say Goodbye . Fußball wurde auch gespielt. Schalke schlug München, es waren allerdings die 60er. Für die Bayern liefen Thomas Strunz, Christian Ziege und Jürgen Klinsmann 90 Minuten lang lustlos über den Platz, Lothar Matthäus war gesperrt. Trotzdem schickte der Tabellenführer die Ostseekicker von Hansa Rostock mit 2:1 nach Hause. Zwei mal stand der lauffaule Marion Basler goldrichtig.

Alle wieder da, zumindest fast alle. Nur Nachwuchs gibt immer noch nicht genug in Deutschland. Helmut Kohl ist für den Friedensnobelpreis nominiert, Oskar Lafontaine gibt noch einmal den Arbeiterführer, allerdings in einer anderen Mannschaft. Und Thomas Strunz gibt als Vater von vier Kindern mit drei Frauen jetzt im Fernsehen den Scheidungsexperten.

Absoluter Star unter allen Comebacklern ist allerdings Henry Maske. Er hat nach zehn Jahren eine Schmach ausgewetzt und Virgil Hill endlich ordentlich verdroschen. Auch Super Mario ist wieder da, nur hat er die Seiten gewechselt. Als Hospitant von Schalkes Trainer Mirko Slomka lässt er sich derzeit an der Seitenlinie in die intimsten Geheimnisse des Coachens einweisen. Doch selbst Basler konnte nicht verhindern, dass die Meisterschaft wieder spannender geworden ist. 2:0 siegten die Bayern. Erst Roy Makaay nach drei Minuten mit einem Blitztor, dann Hassan Salihamidzic in der zweiten Halbzeit mit einem strammen Rechtsschuss. Kann oder will der FC Schalke 04 nicht Meister werden? Pomadig, ideenlos und ohne Kampfgeist spielten die Knappen. Oliver Kahn hatte so wenig zu tun, dass er sich im Duell mit Schalkes Stürmer Sören Larsen schon mal auf den Ring-Kampf am Abend einstimmte.

Comebacks scheinen derzeit angesagt zu sein, vor allem auf der Bank: Hitzfeld, Doll, Middendorp. Aber vielleicht schnürt Mario Basler ja sogar noch einmal seine Fußballschuhe, um den Schalkern zur Meisterschaft zu verhelfen. Er ist sogar noch vier Jahre jünger als Henry Maske, und mit dem FC Bayern hat er noch eine Rechnung offen. Schließlich musste Basler vor siebeneinhalb Jahren in München gehen, weil er nachts um drei in einer Pizzeria das gemacht haben soll, was Oliver Kahn am Samstag kurz vor fünf vor seinem Tor auf dem Rasen vollführte. Catch as catch can .

In der Politik ist das Freistilringen ja noch nicht so verbreitet, da wird mehr unter dem Tisch getreten. Aber zur vollendeten Fußball-Show gehören gelegentliche öffentliche Ausraster dazu, bei Oliver Kahn gehören sie zum Image. Gut fürs Geschäft ist es außerdem, und das Geschäft Fußball beschert den Vereinen derzeit Rekordeinnahmen. Die Fans strömen ins Stadion wie noch nie.

Nicht nur unterhaltsamer als die Politik ist die Bundesliga, sondern auch spannender. Dafür sorgten auch die Cottbusser. Mit elf Verteidigern ermauerten sie sich ein 0:0 gegen Werder Bremen. Nichts wurde es mit der Tabellenführung, trotz Münchener Schützenhilfe, weil Miroslav Klose weiter Ladenhemmungen hat und Per Mertesacker nur die Latte traf. Alles also wieder offen in der Liga. Oben wie untern, beim Kampf um die Meisterschaft genauso wie beim Kampf gegen den Abstieg. Noch sechs Punkte trennen die Bayern von Platz eins, zumindest der Ringer im Bayern-Tor glaubt wieder an die Meisterschaft.