Internet Vorsicht Netzpiraten

Wie Domain-Spekulanten im Internet lukrative Geschäfte mit dem Namen anderer machen.

Wer kennt das nicht? Man vertippt sich bei einer Internetadresse und landet auf einer Portalseite, die „nützliche Links“ verspricht und in Wahrheit nur voller Werbung ist. Ein gutes Geschäft: Professionelle Domainhändler unterhalten Millionen solcher Werbeseiten. Den Firmen, deren Adressen so indirekt geklaut werden, bleibt oft nichts anderes übrig, als an die Netz-Piraten zu zahlen. Oder zu klagen.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Der „Cybersquatter“ (ein Squatter ist ein Hausbesetzer) sichert sich Internetadressen, die so ähnlich klingen wie bekannte Markennamen, –zum Beispiel amazn.de statt amazon.de. Auf diesen Seiten wird dann Werbung untergebracht. Selbst wenn sich der einzelne Internetsurfer nur selten vertippt und auf die Seiten der Domainpiraten verirrt - die Masse macht’s.

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Spezialisierte Firmen “registrieren”, also besetzen, täglich hunderte, potenziell gewinnträchtige Internetadressen und platzieren hier die immer gleichen Werbeseiten mit Links zu Porno-Seiten, Versicherungs-Vermittlern oder auch zu Ebay-Auktionen. Solche Domainspekulanten, die neben der Werbung auch aus dem Verkauf der Internetadressen Gewinn ziehen, ärgern besonders Internetfirmen, die kein Interesse daran haben, potenzielle Kunden an die lästigen Werbeseiten zu verlieren. Beschweren sie sich, bieten die Domainhändler die Internetadressen zum Kauf an. Nicht selten für viel Geld.

Das Geschäft der Domainspekulanten wird begünstigt durch eine Fünf-Tage-Frist bei der Registrierung neuer Internetadressen. Wer die Internetadresse vor Ablauf der Frist wieder als frei meldet, muss nichts für die Registrierung zahlen. Ursprünglich war diese Frist dafür gedacht, etwaige Fehler im Anmeldeprozess zu korrigieren. Die Cybersquatter nutzen sie aber weidlich aus. Sie registrieren die Internetadressen kurzfristig und geben sie vor Ablauf der Rücknahmefrist zurück, um sie kurz darauf wieder zu registrieren.

Diese Praxis hat enorme Ausmaße angenommen: So ermittelte der US-Dienstleister Name Intelligence, dass im Dezember 2006 täglich im Schnitt 1,2 Millionen Internetadressen auf diese Weise registriert wurden, zwei Jahre zuvor waren es nur wenige Tausend. Die größten Domainspekulanten unterhalten ein Portfolio mit mehreren Millionen Domains. Da sie die Registrierung nichts kostet, hält sie nichts davon ab, immer mehr Domain-Namen zu registrieren.

Bei der Suche nach lukrativen Domain-Namen sind die digitalen Raubritter erfinderisch. Die größten Firmen setzen spezielle Programme ein, die nach begehrten Suchbegriffen fahnden und registrieren die entsprechenden Domains automatisch. Eine andere Methode ist es, Domains zu registrieren, die vom Besitzer aufgegeben oder aus Versehen freigegeben wurden. So wundert sich dann die Feuerwehr Hintertupfingen, dass ihre Domain plötzlich in das Reich der Porno-Clips führt – weil jemand vergessen hatte, die Jahresgebühr zu bezahlen.

Unrühmlich bekannt wurde ein Münchner Internetdienstleister, der sich auf die Registrierung von solchen aufgegebenen Domains spezialisiert hatte. Auf den Seiten wurde dann unter anderem Werbung für Porno-Seiten und Dialer-Programme deponiert. Obwohl der Händler angab, die Domains kostenlos an die alten Eigentümer zu überschreiben, erteilte das Landgericht München im April 2006 dem Unternehmer eine Absage und erklärte das Geschäftsmodell für sittenwidrig.

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