Internet Vorsicht NetzpiratenSeite 2/2

Doch nicht immer sind die Domain-Spekulanten einfach zu finden. Der Domainhändler Sedo , laut eigenen Angaben Marktführer im legalen Geschäft mit Domainadressen, recherchiert im Auftrag von betroffenen Kunden Domainpiraten hinterher. Oft ist es gar nicht so einfach, den Inhaber einer Internetadresse zu ermitteln: Zwar sind die Inhaber von Internetadressen in so genannten Whois-Datenbanken erfasst, die Angaben sind aber oft unvollständig oder irreführend. „Am Ende landet man häufig bei einer Briefkastenfirma auf den Cayman Islands“, erklärt Unternehmenssprecherin Semra Yilmaz. Lässt sich der Domaininhaber nicht ermitteln, bleibt den Kunden nur die Zahlung an den unbekannten Domainbesitzer –oder der Gang vor eine Schiedsstelle.

Da Vermittlungs- und Gerichtsverfahren oft Monate dauern und viel Geld kosten, scheuen die Unternehmen den offiziellen Beschwerdeweg. „Allein die Einleitung des Verfahrens kostet bei manchen Schiedsstellen 2000 US-Dollar“, erklärt Yilmaz. Manche Domainspekulanten machen sich das zunutze und verlangen gerade so viel, wie eine Klage kosten würde. Wie oft Unternehmen die Forderungen von windigen Domainhändlern bezahlen, ist unbekannt.

Experten sehen schon Grundpfeiler des Internets gefährdet. Statt die Nutzer schnell zum Ziel zu bringen, werden Internetadressen nur noch als Einnahmequelle benutzt.

„Domain-Namen waren einmal das erste Erkennungsmerkmal für Geschäfte und Internet-Nutzer. Heute sind sie nur wenig mehr als eine Ware für Spekulanten“, erklärte kürzlich Francis Gurry, Vize-Generaldirektor der UNO-Organisation für geistiges Eigentum WIPO. Gremien wie die Internetverwaltung ICANN überlegen nun neue Regeln, die dem Treiben der Domainspekulanten Einhalt gebieten können.

Der US-Konzern Microsoft indes hat eine juristische Offensive gegen Domainhändler eingeleitet, zu oft werden Markennamen von Microsoft-Produkten von Domainhändlern in Beschlag genommen. Da der Konzern auch selbst ins Domain-Geschäft einsteigen will, um seinen Kunden Dienstleistungen samt Internetadresse zu verkaufen, sind die blockierten und irreführenden Domains für Microsoft ein doppeltes Ärgernis. In Großbritannien und den USA hat das Unternehmen mehrere Domainhändler verklagt, weil diese Internetadressen blockieren und von fremden Namen profitierten. Besonders im Visier von Microsofts Anwälten ist der Domainhändler Maltuzi LLC, der laut dem schwedischen Statistik-Dienstleister Ipwalk über zwei Millionen Domains registriert hat. Das Unternehmen will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Auch gegen mehrere unbekannte Domainspekulanten hat der Computerriese Microsoft vor kurzem Klage eingereicht. Der Konzern gibt sich kämpferisch: "„Wir werden Seiten, auf denen entgegen dem Markenrecht mit Domainnamen gehandelt wird, systematisch stilllegen“", verspricht ein Microsoft-Sprecher.

Das „Domain Defense Programm“ hat schon erste Erfolge. So erstritt der US-Konzern in Großbritannien von einem Unternehmen die Zahlung von 24.000 Pfund, weil der Domainhändler sich systematisch falsche Schreibweisen von Microsoft-Marken gesichert hatte. Immerhin zeugte der Firmennamen von Selbstironie: Das vor fünf Jahren gegründete Unternehmen heißt „Dyslexic Domains Company“, also – die Domain-Company für Legastheniker.

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