Bahn Schlechter Service, mehr Gewinn
Die Deutsche Bahn kümmert sich zu wenig um ihre Kunden, monieren Kritiker. Dennoch erzielte das Unternehmen 2006 erneut einen Rekordgewinn
Stolz auf Rekordgewinne: Hartmut Mehdorn (Mitte), Chef der Deutschen Bahn
Fahren Sie häufig Bahn? Falls Ihre Antwort negativ ausfällt, sind Sie nicht allein:
Jeder zweite Bürger ist überhaupt noch nie Zug gefahren, sagt der Verkehrswissenschaftler und Deutsche-Bahn-Kritiker Heiner Monheim.
Der Durchschnittsdeutsche nutzt die Bahn nur selten, denn ihr Angebot entspricht nicht dem, was er braucht - und was es gibt, ist oft nur kompliziert zu bekommen. Letzteres bestätigten gerade die Testkäufer der Stiftung Warentest: Wer bei der Bahn - egal, ob am Schalter, per Telefon, am Automaten oder im Internet - ein Ticket kauft, muss sich auskennen im Labyrinth der Ticketpreise, schreiben sie. Der einfache Fahrgast aber zahlt oft drauf.
Harsche Kritik. Doch ihre Kundenferne scheint der so gescholtenen Deutschen Bahn nicht zu schaden. Am Donnerstag verkündete ihr Chef Hartmut Mehdorn wieder einmal, der Konzern habe im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erzielt: Fast 2,5 Milliarden Euro, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Zwar müssen davon eigentlich noch Sondereffekte abgezogen werden, also Einnahmen, die nicht aus der normalen Geschäftstätigkeit resultieren. Doch danach bleibt immer noch ein Gewinn von 2,1 Milliarden. Der Umsatz lag bei 30 Milliarden Euro. Mehdorn sprach vom "bisher besten Jahr in der Geschichte der Deutschen Bahn AG."
Am profitabelsten waren 2006, wie schon in vorigen Jahren, der Regionalverkehr und die Bahn-Tochter und internationale Spedition Schenker. Auch die lange kriselnde Güterbahn Railion erhöhte ihren Gewinn kräftig, wird aber wohl 2007 weniger profitabel sein. Der ebenfalls lange schwächelnde Fernverkehr machte ein Plus von 126 Millionen Euro und will diesen Gewinn weiter steigern, auch dank weiterer Sonderangebote.
Seit die alte Bundesbahn zur Bahn AG wurde, das war 1994, habe das Unternehmen innerhalb eines Jahres nicht so viele Menschen und Güter transportiert, sagte Mehdorn. Die Zahl der Bahnpassagiere wuchs um vier Prozent auf 1,85 Milliarden. Ein Teil des Anstiegs geht jedoch auf die vielen Reisenden zurück, die während der Fußball-WM per Bahn von Spielstätte zu Spielstätte fuhren.
Im Jahr 2007 wird der Konzern wohl nicht ganz so stark wachsen. Man strebt ein Umsatzwachstum von drei Prozent an. Der Gewinn soll zwischen 2,1 und 2,5 Milliarden Euro liegen, also ungefähr gleich bleiben. Mehdorn ist optimistisch, diese Ziele zu erreichen. "2007 ist nahtlos gut angelaufen. Wir haben unseren Plan eingehalten und das Vorjahr übertroffen", sagte er.
Für das künftige Wachstum sei ein Börsengang mit seinen Milliarden-Erlösen allerdings unerlässlich, betonte er. "Wir sind auf diese Eigenkapitalzufuhr angewiesen. Sie ist geradezu lebensnotwendig." Er appellierte an die Politik, das Unternehmen seinen Weg gehen zu lassen und einen europäischen Champion daraus zu machen. "Aus unternehmerischer Sicht können sich private Kapitalanleger 2008 an der DB beteiligen." Derzeit ist ein Gesetzentwurf zur Privatisierung in der Ressortabstimmung. Das Unternehmen soll bis 2009 privatisiert werden.
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- Datum 29.03.2007 - 04:49 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Natürlich ist Gewinnmaximierung eine kapitalistische Logik für sich - aber vielleicht möge mir jemand aus sozialer Sicht erklären, warum die Bahn wiederholt Rekordgewinne einfährt und ich trotzdem andauernd mehr und mehr für mein Ticket zahlen muss?
Ich bin bisher mit der Bahn sehr gut gefahren und kann micht wirklich nicht beschweren. Wenn ich ein Ticket benötige, rufe ich bei meinem DB-Reisebüro an und lasse mir von der freundlichen Angestellten eine Bahnverbindung raussuchen und buchen. Bisher habe ich noch keine Nachteile daraus gezogen.
Für mich ist die Bahn keine Alternative zum Auto. Zu teuer, zu spät und zu lange Fahrtzeiten. Statt 20 Minuten würde ich 1,5 Stunden für eine Fahrt benötigen, wenn ich keine Anschlussverbindung verpasse. Rechne ich diese Fahrt- und Wartezeit in Bezug auf meinen Stundenlohn auf den Ticketpreis auf, so ist das Auto die günstigere Alternative.
Wobei ich so auch immer einen Sitzplatz finde, rauchen kann, wenn ich möchte und nicht vom blechernem Geplärre aus Handies oder lautstarkem Geblöke gelgestylter Kulturbereicherer belästigt werde.
Die Bahn, bzw. öffentliche Verkehrsmittel müssten um einiges günstiger und attraktiver werden um mit dem Auto konkurieren zu können.
Um den Service der Bahn kann es ja wohl so schlecht nicht bestellt sein, wenn ihre Dienstleistungen in derart steigendem Umfang in Anspruch genommen werden.
Jedes betriebswirtschaftlich geführtes Unternehmen ist gezwungen seine Kunden zufrieden zu stellen, denn sonst wandern die Kunden ab. Diese Tatsache allein, ist schon Grund genug für eine Privatisierung.
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