Die außergerichtliche Einigung hat weit über die Justiz hinaus historisch wie politisch eine außerordentliche Dimension. Die in der Nachkriegsgeschichte beispiellose und jahrelang von beiden Seiten mit äußerster Konsequenz betriebene Auseinandersetzung um millionenteure Häuser und Filet-Grundstücksmitten im neuen Herz der deutschen Hauptstadt war auch weit außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland kritisch verfolgt worden. Erleichterung allenthalben

Auch mit dem Ziel, die internationalen Debatten und Vorwürfe aus der Welt zu schaffen, dass sich deutsche Institutionen auf jüdischem Grund unrechtmäßig breitmachten, hatte sich die Bundesregierung 2005 mit den Erben über eine Entschädigung von 17,3 Millionen Euro für die Rechte am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Bundestags auf früherem Wertheim-Grund geeinigt.

Mit seiner Unterschrift unter die nun erzielte Vereinbarung setzte Konzernchef Thomas Middelhoff den in dieser Form kaum noch erwarteten Schlussstrich im Streit um das Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz. Dort stehen heute das Beisheim-Center und die Luxushotels Ritz-Carlton und Marriott. Das Gelände hatte der Berliner Senat nach der Wende übernommen und für eine DM dem Warenhaus Hertie überlassen. Nach der Hertie-Übernahme verleibte sich Karstadt das Gelände ein und machte damit eines der wahrscheinlich ertragreichsten Geschäfte aller Zeiten.

Immer wieder hatte sich der teilweise ins Persönliche gehende Konflikt zugespitzt. Im September 2006 stellte sich die 73-jährige Erben-Sprecherin der Wertheim-Familie, Barbara Principe aus New Jersey, vor dem Ritz-Carlton-Hotel vor eine gut fünf Meter hohe Karstadt-Werbetüte, mit der der Konzern die Berliner zur Feier seines 125. Geburtstags einlud. Im üblichen Touristengewimmel wirkte die Szene ganz normal, doch sie hatte etwas Bizarres und verstärkte noch den Ärger und Abwehr in der Karstadt-Chefetage.

«Meine Familie wird niemals ruhen. In meinem Herzen weiß ich, dass meine Familie gewinnt», sagte die kleine Frau damals. In all den Jahren trat sie bei Berlin-Besuchen als stets überaus entschlossene Tochter eines Mannes auf, der 1939 von den Nazis als reicher Kaufmann enteignet und aus Berlin vertrieben wurde und als kleiner Hühnerfarmer nahe New Yorks neu anfangen musste.