Der Weltsicherheitsrat befasst sich erstmals mit dem Vorschlag des UN-Kosovo-Sonderbeauftragten zur politischen Zukunft der abtrünnigen serbischen Provinz. Das höchste UN-Gremium wollte sich noch am Dienstag mit dem Plan von Martti Ahtisaari auseinandersetzen. Dieser sieht eine Unabhängigkeit der mehrheitlich von Albanern bewohnten Provinz unter internationaler Aufsicht vor. Ob die Beratungen hinter verschlossenen Türen oder in einer offenen Debatte stattfinden würde, stand zunächst noch nicht fest, wie ein Sprecher der britischen Ratspräsidentschaft sagte.

Offen war ebenfalls, ob der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica an der Runde teilnehmen würde. Kostunica hatte sich überraschend zum Besuch bei UN-Generalsekretär Ban Ki Moon angemeldet. Serbien lehnt eine Unabhängigkeit ab. Ban heißt Ahtisaaris Plan dagegen ausdrücklich gut. Auch die USA befürworten ein unabhängiges Kosovo, während in der EU und NATO bisher nicht alle Zweifel ausgeräumt sind.

Russland, eine der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat und traditionell ein Verbündeter Serbiens, hat die Wiederaufnahme der Kosovo-Verhandlungen in Wien unter einem anderen UN-Beauftragten verlangt. In diplomatischen Kreisen in New York wird erst in Wochen, möglicherweise sogar erst im Sommer mit einer Entscheidung des Rates gerechnet.

Die Europäische Union (EU) sieht für den Kosovoplan keine politische Alternative. Ahtisaaris Vorschlag zur Zukunft der serbischen Provinz sei ein Ergebnis von sehr langen Verhandlungen und kein Kompromiss zwischen Serben und Kosovo-Albanern, sagte am Dienstag Erhard Busek, EU-Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa, im Inforadio vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Die Standpunkte beider Seiten seien unversöhnlich, für weitere Verhandlungen gebe es keinen Spielraum.

Busek sagte, das Kosovo sei längst "total separat". Ginge die Provinz an Serbien zurück, wäre dies eine "ungeheure Belastung für Serbien", der die Regierung in Belgrad nicht gewachsen sei. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die serbische Führung auch mit einer Entscheidung gegen die eigene Interessenlage leben könne.

Das Kosovo steht seit 1999 unter Kontrolle der Vereinten Nationen. Die Nato hatte damals serbische Angriffe auf die albanische Mehrheit des Gebiets zurückgeschlagen. Bei den serbischen Angriffen waren rund 10.000 Albaner getötet und bis zu einer Million vertrieben worden.