Lehrer Französische Klagen

Herr Garber unterrichtet Deutsch an einem französischen Gymnasium. Die Probleme ähneln den deutschen. Die Einstellung des Lehrers nicht

Stéphane Garber unterrichtet am Gymnasium André Malraux in Remiremont, einer Stadt im Nordosten Frankreichs. Gleichzeitig lehrt er an einer Grundschule, um Kindern frühzeitig sein Fach Deutsch schmackhaft zu machen.

Deutsch sei immer weniger beliebt, meint er. Auf meine Frage, warum, trompetet Herr Garber durch die zusammengepressten Lippen. „Viele Franzosen haben ein pathologisches Verhältnis zur deutschen Sprache. Ich will nicht mehr hören, Deutsch sei nur gut, um seinem Hund Befehle zu geben. Wenn ich mit ‚Blödmann’ antworte, heißt es, ‚ach, du hast keinen Humor’. So kann man Freunde verlieren. Bestimmt haben einige schlechte Erfahrungen gemacht wie ich im Fach Physik und geben das an ihre Kinder weiter. Man glaubt, Franzosen hätten für Fremdsprachen keine Begabung. Ich gebe allerdings zu bedenken: Die Schüler haben nur zwei Stunden Deutsch in der Woche. Der Schwerpunkt liegt auf den naturwissenschaftlichen Fächern.“

Wie ist der Status eines Lehrers in Frankreich? „In meiner Kindheit waren Lehrer die VIPs im Dorf. Das finde ich nicht erstrebenswert. Aber wir gelten heute als die Allerletzten! Mit steigender Arbeitslosigkeit brauchen die Menschen einen Sündenbock, um ihren Ärger auszudrücken. Sie wenden sich nicht gegen die Politik unserer Regierung, sondern gegen Leute, die sie für privilegiert halten. Sie werfen Lehrern vor, nicht gekündigt werden zu können und wie Gott in Frankreich zu leben. Verschärft hat sich die Situation, seit ein Minister gesagt hat, ein Lehrer würde am Ende seiner Karriere 4100 Euro verdienen. Das gab einen Aufschrei. Ich verdiene nach acht Jahren 1800 Euro netto, die Sommerferien sind unbezahlt und ich peppe mein Gehalt als Redakteur bei einer lokalen Zeitung auf. Vor der Rente werde ich es auf maximal 3000 Euro schaffen. Eltern schimpfen, wir Privilegierten seien faul und ständig abwesend. Das sind Klischees, die sich von selbst vermehren.“

Laut damaligem Bildungsminister François Fillon können 80.000 Grundschüler, die im Jahr aufs Collège überwechseln, nicht wirklich lesen, schreiben oder rechnen. Wie erklären Sie sich das? Herr Garber trompetet wieder, schweigt eine Weile. „Man vergisst, dass Schule nicht zum Erziehen, sondern zur Vermittlung von Wissen da ist. Ich kümmere mich nach der Arbeit um meine Kinder, bis sie schlafen. Erst danach korrigiere ich und bereite den Unterricht vor. Die Nacht ist kurz, aber das ist meine Wahl. Meine Tochter konnte in der ersten Klasse schon lesen. Ein Buch ist für sie kein fremder Gegenstand. In vielen Familien gibt es keine Bücher, Hauptsache die Eltern sitzen pünktlich mit einem Bierchen in der Hand vor der Fußballsendung. Die Kinder lernen zu Hause nicht, sich konzentriert mit etwas zu befassen.“

Die Schüler besuchen nach der Abschlussprüfung im Collège, das unserer Gesamtschule ähnlich ist, drei Jahre das Gymnasium eines allgemeinbildenden oder beruflichen Zweigs. Das Abitur wird in 12 Fächern abgelegt. Die 15- bis 17-Jährigen haben außer mittwochs und samstags bis 17 oder 18 Uhr Schule. Für Herrn Garber ist es selbstverständlich, dass die Schüler zu Hause nach langer Unterrichtszeit noch an den Hausaufgaben sitzen. So hat er es selbst erlebt. „Es gibt immer einige Schüler, die mitarbeiten, und solche, die beharrlich aus Schüchternheit oder fehlendem Interesse schweigen. Ich warne mit der mündliche Note: ‚Wenn ihr den Mund nicht aufmacht, wird die Gesamtnote schlechter sein.’ Bei der Zeugnisausgabe kommt das große Oh! Im nächsten Trimester geht es plötzlich.“

Herr Garber versucht, Abstand zu seinen Schülern zu waren, sich nicht zu stark zu engagieren. Er hat dennoch erfahren, dass es die Jugendlichen beruhigt, wenn er sich von seiner menschlichen Seite zeigt.

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