CSU Landrätin in Latex
Gabriele Paulis Auftritt als Fotomodell stößt bei der CSU auf schroffe Kritik. Sie selbst wundert sich über die „Männer-Fantasien“ in ihrer Partei.
Die Elite der CSU war sich in ihrem Urteil schnell einig. Pauli betreibe eine "Selbstdarstellung zu Lasten der gesamten Partei", sagte CSU-Chef Edmund Stoiber. Der designierte Ministerpräsident Günther Beckstein versicherte, dass in seinem künftigen Kabinett kein Platz für die Fürther Landrätin sein werde. Auch Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber übte scharfe Kritik: "Frau Pauli ist nicht mehr ernst zu nehmen."
Laszive Fotos in der Personality-Zeitschrift
Park Avenue
hatten die Aufregung provoziert. Unter der Überschrift "Sankt Pauli" zeigen die Bilder die Landrätin in einem für Politiker eher ungewöhnlichen Aufzug: posierend mit einer schwarzen Gesichtsmaske oder mit Latex-Handschuhen.
Mit diesen Fotos hat Pauli vermutlich ihre letzte Chancen auf eine weitere Parteikarriere verspielt. Viele CSU-Funktionäre, denen die Stoiber-Kritikerin ohnehin ein Ärgernis war, nutzen die Bilder nun bereitwillig als Anlass zur Diffamierung: Wenn Pauli überhaupt noch für ein höheres Amt tragbar sei, dann "vielleicht als Chefredakteurin vom Playboy ", witzelt etwa der Landtagsabgeordnete Günter Gabsteiger.
Aber auch diejenigen, die Paulis rebellischen Grundton gegen Edmund Stoiber durchaus goutiert hatten, sind nun enttäuscht. "Mit solchen Aktionen lenkt sie von ihrer hervorragenden Sacharbeit ab", sagt Petra Guttenberger, stellvertretende Vorsitzende der bayerischen Frauen Union. Zwar seien die Bilder "kein todeswürdiges Verbrechen" und auch kein Grund für einen Parteiausschluss, den manche CSU-Mitglieder bereits für Pauli fordern. Um aber politische Ansprüche zu stellen, sei der von Pauli gewählte Weg mit Sicherheit der falsche.
Selbst in Paulis Heimat Fürth sind die Parteimitglieder inzwischen von der Landrätin abgerückt. "Mit Ästhetik habe ich persönlich kein Problem, wohl aber mit diesem Domina-Outfit", sagt Thorsten Fiedel, der ortsansässige JU-Bezirksvorsitzende. Wie viele Fürther fällt Fiedel ein vernichtendes Urteil über seine Landrätin: "Die Dame ist nur noch mediengeil." Erst habe sie Stoiber abgesägt – schön und gut. Und jetzt, da keiner mehr etwas von ihr wissen will, greife sie zur Kostümierung.
Auch Daniela Raab, eine junge, aufgeschlossene Vertreterin der bayerischen Frauen-Union kann Pauli nicht mehr als Botschafterin ihrer Partei ernst nehmen: "Nur wer ins Showgeschäft will, geht zu Park Avenue ."
- Datum 04.04.2007 - 13:43 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa
- Kommentare 7
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Wo sind eigentlich die anstoessigen Fotos? Bei allem Bemuehen ist es mir nur gelungen ein paar eher harmlose Bilder zu finden. Handschuhe reichen wohl nicht fuer 'in Latex'.
wer wem in den (äh) a**** gekrochen ist und die jungs da wieder rausholen will, braucht's eben ein paar lange latexhandschuhe, oder?
'Journalisten, lasst euch nicht von den Hüften dieser Dame zu sehr beeindrucken, das Hirn ist für jeden Politiker der entscheidende Körperteil.'
Schade nur, dass bei den meisten Männern weder Hüfte noch
Hirn beeindrucken ...
Bezeichnend bei dem ganzen Wirbel ist die schnelle Einigkeit der Herrenriege in der CSU, dass diese Art der Selbstdarstellung von Frau Pauli verwerflich bis lächerlich sei. Dass das Fotoshooting Spaß gemacht hat glaube ich gerne, die Kombination der Herausgeber mit Text und Überschriften spekulierte natürlich genau auf jenes in den Köpfen gut etablierte Muster, dass bei Männern Domina Assoziationen auslöst und die weibliche Sexualität diffamiert, jedenfalls wenn sie sich zeigt. Natürlich hat Frau Pauli das unterschätzt und damit einen Fehler gemacht. Das wird sie inzwichen selber wissen.
Diese Lächerlich bis Niedermache ist aber völlig unangemessen und wirft ein recht eindeutiges Licht auf ein altes Muster in der Weiblichkeit nur asexuell gesellschaftlich akzeptiert wird. Das muss Frau Pauli sich wirklich nicht gefallen lassen.
Alexandra Schwarz-Schilling
Da sieht man mal wieder, wie verklemmt die Menschen sind, die in der CSU Politik machen. Da werden ein paar harmlose Fotos, auf denen nicht Fleisch zu sehen ist, sondern nur ein paar Handschuhe und eine Maske, als unanständig dargelegt.
Da sieht man mal, wie die Männer in der CSU gedanklich gepolt sind. Jede Frau, die Lederhandschuhe trägt, läuft Gefahr CSU-Politiker maßlos zu erregen. Da hoffen wir mal, dass auf dem nächsten Maskenball im bayrischen Raum die Mitglieder der CSU unkontrollierte Ergüsse von sich lassen.
Pauli und kein Ende! Der Dame wird es recht sein. Erst öffentliches Mobbing eines Ministerpräsidenten mit Beifallsovationen der gesamten Republik unter tatkräftiger Beteiligung der Medien. Dann eine Fotobreitseite zum Durchklicken in allen Online Ausgaben und für alle Gemütslagen. Danach die von ihr virtuos gespielte provinzielle Unschuld. Dann aber der Lapsus bei der Christiansen: eine politische Dünnbrettbohrerin mit angelesenen Statements aus Lokalblättern. Journalisten, lasst euch nicht von den Hüften dieser Dame zu sehr beeindrucken, das Hirn ist für jeden Politiker der entscheidende Körperteil.
Als Frau Pauli auf Herrn Stoiber losging fand ich, dass sie nicht ganz unrecht hatte. Mehr und mehr allerdings bekam man den Eindruck, dass sie sich selbst profilieren will. Jetzt wird für mich immer eindeutiger, dass sie an ausgeprägtem Cäsarenwahn leidet und nur noch eins will: Aufmerksamkeit erregen. Von Ideen keine Spur, nur Medienauftritte. Was ich allerdings für besonders verwunderlich halte ist, dass sie sich dabei von Tag zu Tag dümmer anstellt und mehr und mehr zu einem Elefanten auf der Suche nach Porzellanläden mutiert.
Ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass sie ein Problem mit sich selbst hat und stetig auf der Suche nach Gegenspielern ist, auf welche sie dieses Problem übertragen kann um sich anschließend auf dem Rücken des vermeintlichen Gegenspielers auszutoben und sich von sich selbst zu befreien. Und ich kann wirklich immer weniger verstehen wie man so jemanden als Politiker ernst nehmen soll.
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