Korrekt sparen Noten für Nachhaltigkeit

Oekom Research ist nicht die einzige Agentur, die ökologisches und soziales Handeln von Unternehmen bewertet. Wir sagen, wie sich die Konzepte unterscheiden.

Die Analysten von Oekom Research berücksichtigen sozio-kulturelle und ökologische Aspekte jeweils ungefähr zur Hälfte, wenn sie ihre Gesamtnote vergeben. Der Anteil kann aber je nach Branche variieren. Ein Beispiel: Da im Öl- und Gasgeschäft dem Umweltschutz eine sehr große Bedeutung zukommt, fällt er hier mit 60 Prozent ins Gewicht.

Im Gegensatz zur Schweizer Sustainable Asset Management Group (SAM) , die den Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability entwickelt hat, bewertet Oekom Research keine ökonomischen Aspekte. Doch wie SAM nutzt auch Oekom die „Best-in-class“-Methode. Ihre Analysten prüfen die Unternehmen per Fragebogen und im persönlichen Gespräch auf 200 Kriterien und filtern so aus jeder Branche die verantwortlichsten Unternehmen heraus. Auch Zeitungsberichte, Datenbanken, Informationen aus dem Internet, wissenschaftliche Studien und Einschätzungen von Umwelt-, Menschenrechts- und anderen Interessengruppen fließen in die Bewertung mit ein. Nicht nur Aktien werden so beurteilt, sondern auch Staaten und Rentenpapiere.

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Wichtig bei der Bewertung „ist die sogenannte externe Validität“, sagt Robert Haßler, Gründer und Chef von Oekom Research . „Das bedeutet, dass ein und derselbe Sachverhalt von unterschiedlichen Analysten gleich beurteilt werden muss.“ Verschiedene Kontrollverfahren sollen das gewährleisten, unter anderem ein externes Audit.

Andere Agenturen vergleichen Unternehmen auch über Branchengrenzen hinweg, etwa die Frankfurter Scoris GmbH. Sie gehört zur Siri Company, einem weltweiten Netz von Nachhaltigkeitsagenturen. „Man kann Nachhaltigkeitsleistungen eines Automobilherstellers denen einer Bank gegenüberstellen – und man sollte es tun, weil nachhaltiges Wirtschaften eine Art ist, sein Geschäft zu betreiben“, erläutert Scoris-Geschäftsführer Axel Wilhelm. Seine Agentur vergleicht also die Art des Managements, nicht aber die Produkte der Unternehmen. Oekom Research reicht das nicht. Weil aber die Nachhaltigkeit von Produkten nur innerhalb der gleichen Branche verglichen werden kann, bleibt man innerhalb dieser Grenzen.

Auch den Begriff der „Nachhaltigkeit“ sieht jede Agentur anders. „Unser Rating zeigt, was Unternehmen anpacken müssen, um nachhaltig zu wirtschaften. Andere Agenturen fragen dagegen, welche Business-Chancen Nachhaltigkeit bietet“, erklärt Oekom-Research-Chef Haßler. Die Münchner kreiden es beispielsweise Energieversorgern an, wenn sie Menschenrechte verletzen. Die Konkurrenz von Innovest tue das nur, wenn ein Reputationsrisiko drohe und damit ein finanzielles Risiko, kritisiert Haßler. Er wendet sich heftig gegen die moderne, auch von SAM vertretene „Materiality“-Methode. Sie berücksichtigt nur jene Kriterien, die direkte Auswirkungen auf ökonomische Kennziffern haben. „CSR ist ein viel breiterer Ansatz“, sagt Haßler.

Die unterschiedlichen Methoden erklären, warum die Agenturen sich in ihren Urteilen manchmal so uneins sind. Während Toyota bei SAM auf Rang zwei steht, erreichen die Japaner bei Oekom nur Platz sechs und bei Scoris nur Rang neun.

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