Korrekt sparen "Nur die Besten zählen"
Robert Haßler will die Welt verbessern. Unternehmen erhalten von ihm Noten für ihr umweltfreundliches und sozial verantwortungsvolles Handeln. Manche lassen sich gerne belehren.

Von Nachhaltigkeit hörte Robert Haßler zum ersten Mal vor fünfzehn Jahren, als in Rio de Janeiro die Regierungschefs, Umweltpolitiker und Nichtregierungsorganisationen der Welt zusammenkamen. Die Erwartungen waren groß: Umwelt- und Entwicklungspolitik wollte man verbinden, zugleich Klima und biologische Vielfalt schützen und für eine menschenwürdige Entwicklung sorgen. Viele Ziele wurden bis heute nicht erreicht. Dennoch gilt die Konferenz immer noch als wegweisend in der Umwelt- und Entwicklungspolitik. Sie etablierte die Einsicht, dass des Menschen Entwicklung nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische und soziale Fortschritte bringen müsse eben nachhaltig sein solle.
An Haßlers Arbeitsplatz sorgte Rio für Diskussionsstoff. Umweltschutz war das Metier des neu gegründeten Ökom Verlags, bei dem der Münchner als kaufmännischer Leiter arbeitete. Ökonomische Fragestellungen kamen gerade neu hinzu, denn geplant war eine Sparte namens Umwelt-Research. Sie sollte bewerten, wie umweltfreundlich Unternehmen wirtschafteten, und der studierte Betriebswirt sollte zu diesem Zweck ein Konzept entwickeln. Es gelang. Bis 1998 analysierten und benoteten Haßler und seine Mitarbeiter für Ökom 50 Unternehmen.
Mittlerweile arbeitet Haßler auf eigene Rechnung. Er ist Vorstandschef der Oekom Research AG in München, einer in Deutschland führenden Ratingagentur für Nachhaltigkeit. Die 17-Oekom-Analysten prüfen rund 2000 Unternehmen weltweit, sie bewerten, ob und inwieweit die Konzerne umweltbewusst und sozial verantwortungsvoll handeln . Die ökonomischen Daten lassen sie allerdings außen vor, im Gegensatz beispielsweise zur Schweizer Sustainable Asset Management Group (SAM) , welche einen weltweit führenden Nachhaltigkeitsindex entwickelte. Unser Know-how liegt dort, sagt Haßler. Unsere Kunden machen selbst Finanzresearch und filtern damit aus der von uns ermittelten Palette nachhaltig wirtschaftender Unternehmen die für sie finanziell interessanten Titel heraus. Die Analysen von Oekom Research fließen in fast 60 Fonds ein und beeinflussen so mehr als drei Milliarden Euro verwaltetes Vermögen.
Dies zu schaffen war mühsam, sagt der Nachhaltigkeitsexperte. Die erste Krise kam schon im Studium, nach einem Semester BWL. Die Studenten waren anders als ich, die wollten Karriere machen und viel Geld verdienen, erinnert sich Haßler. Er hingegen war mit einem totalen Naturmenschen als Vater aufgewachsen, mit gemeinsamen Berg- und Angeltouren und herbstlichen Ausflügen in die Wälder, auf der Suche nach Pilzen. Haßler fühlte sich als Idealist, wusste aber nicht, wohin mit seinem Drang zur Weltverbesserung. In seiner Orientierungslosigkeit reiste er nach Asien, und dort, am letzten Tag der Reise, im strömenden Regen an einem thailändischen Strand, kam ihm die rettende Eingebung, wie er es heute nennt. Von der Sekunde an habe ich mein Leben komplett auf Umweltschutz ausgerichtet.
Mit Umweltschutz hatte sein Studium nun gar nichts zu tun. Dennoch blieb Haßler der Betriebswirtschaftslehre treu er wollte als Betriebswirt etwas für die Umwelt tun. Gezwungenermaßen wurde er zum Autodidakten, legte eine eigene Fachbibliothek an und schrieb schließlich seine Diplomarbeit über Die Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft zur ökosozialen Marktwirtschaft. Dann, nach einigen Umwegen, gelangte er zum Ökom Verlag, wo er schließlich den Anstoß bekam, sich selbstständig zu machen.
- Datum 05.06.2009 - 15:29 Uhr
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- Serie Nachhaltigkeit
- Quelle ZEIT ONLINE, 19.4.2007 - 06:21 Uhr
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