Innere Sicherheit Grundsatzkritik
Die Union will die Sicherheitsgesetze verschärfen - und schießt dabei über das Ziel hinaus. Das aktuelle Meinungsbild kommentiert
Wolfgang Schäuble
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble möchte die Sicherheitsgesetze verschärfen. Geht es nach den Vorstellungen des Ministers und seiner Unions-Innenpolitiker könnte es dabei geschehen, dass irgendwann alle Bundesbürger in einer Fingerabdruck-Kartei registriert sind. Dem BKA würden zudem heimliche Online-Durchsuchungen und die Rasterfahndung - also das Abgleichen von Datenbanken anhand vorher festgelegter Täterprofile - erlaubt werden. Und auch Daten aus der Lkw-Maut könnten zur Aufklärung schwerer Verbrechen herangezogen werden.
Es ist zweifellos sehr viel rechtsstaatlich relevanter Stoff, der hier aus den Kreisen der Unionspolitiker auf einen Schlag bekannt geworden ist. Entsprechend hat das Sicherheitspaket bei SPD, Opposition und Datenschützern sowie in den Kommentaren der Presse starke Bedenken hervorgerufen. Die Fingerabdrücke beispielsweise, die ab Herbst diesen Jahres in den Reisepässen gespeichert werden sollen, würden dann auch bei den Passbehörden hinterlegt werden. "Damit werden die bisherigen Prinzipien auf den Kopf gestellt, wonach die Polizei bisher nur bei Straftaten Verdächtige erkennungsdienstlich behandeln darf. Deutlicher können Politiker ihr Misstrauen gegen die eigene Bevölkerung nicht bekunden", kommentiert die Berliner Zeitung .
Auch die Terrorgefahr würde durch solch ein System nicht reduziert, denn von Mohammed Atta bis zu den Koblenzer "Kofferbombern" waren die schlimmsten Islamisten mit ungefälschten Pässen unterwegs. Am Ende müssen hier rechtsstaatliche Kompromissmöglichkeiten ausgelotet werden. Beispielsweise können in Terror- wie in anderen Kriminalfällen Richter über die Abfrage der Fingerabdrücke entscheiden, heißt es hierzu in der ZEIT vom Donnerstag.
Wäre die Union lediglich mit der Bundeskartei für digitalisierte Fingerabdrücke vorgeprescht - der Aufschrei wäre bereits groß gewesen. Mit dem aktuellen Sicherheitspaket jedoch wird die Kritik grundsätzlich. "Der Schäuble-Plan ist vielmehr ein Plan zum Umbau des Rechtsstaates in einen Präventions- und Sicherheitsstaat. Schäuble missachtet die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Er missbraucht ein von ihm propagiertes, ungeschriebenes "Grundrecht auf Sicherheit" zur Banalisierung aller anderen Grundrechte. Schäuble hat ein Puzzle der rechts- und innenpolitischen Maßlosigkeit vorgelegt", heißt es dazu in der Süddeutschen Zeitung .
Zudem seien viele der nach dem 11. September erlassenen Sicherheitsregelungen auf ihre Tauglichkeit noch gar nicht richtig geprüft worden. "Es hat doch keinen Sinn, das Netz an Sicherheitsbestimmungen immer enger zu knüpfen, bevor man überhaupt hinreichende Erfahrungen mit dem inzwischen bestehenden gemacht hat. Freiheit lässt sich auch zu Tode schützen. Und das wäre dann der Triumph des Terrors, bevor er überhaupt auf deutschem Boden Blut vergossen hätte", urteilt die Stuttgarter Zeitung .
Wohlgemerkt können beispielsweise geheime Online-Durchsuchungen digitaler Speichermedien in bestimmten Fällen unerlässlich sein. Das gilt nicht nur für die Terrorbekämpfung, sondern auch in Fällen wie der Kinderpornografie. Es ist nur nicht "jedes Instrument im Anti-Terror-Kampf (...) per se gut; es muss sensibel gehandhabt und klug kontrolliert werden", heißt es in der
Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung
. So ist es eine Illusion zu glauben, wir kämen bei der Verbrechensbekämpfung ohne moderne technische Mittel aus. Nur müssen diese im Interesse unserer Bürgerrechte scharf kontrolliert werden.
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- Datum 03.04.2007 - 06:59 Uhr
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 9
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wenn sich herr schäuble mit diesen vorschlägen durchsetzen sollte, dann verlieren alle.
dann hat sich nämlich unser demokratischer rechtsstaat endgültig selber abgeschgafft.
freiheit der intimsphäre - pustekuchen
informelle selbstbestimmung - vater staat weiss es besser!
menschenrechte - war da nicht mal was?
terror wird es dennoch geben - bzw. dann erst recht
deshalb kann es nur eines geben: solchen totalitären ansinnen kraftvoll entgegen treten.
Wuerde sogar sagen, dass auch die ADN -Daten gespeichert werden sollten. Die Angst vor einer Totalueberwachung vom Typ Big Brother ist uebertrieben. Wer ein gutes Gewissen hat, hat nichts zu befuerchten. Nur frage ich mich, ob die Sache verwaltungstechnisch nicht im Chaos endet.
sagte der freundliche Kommissar von der GeStaPo. Wer ein guter Kommunist ist, hat nichts zu befürchten, sagte der freundliche Offizier von der Stasi. Wer ein harmloser Bürger ist, hat nichts zu befürchten, sagte der freundliche Innenminister.
Es ist schon gut, dass das Bundesverfassungsgericht ein Geschichtsbewusstsein hat, das dieser 'harmlose Bürger' wohl nie entwickeln konnte.
Daher haben Schäubles Vorstösse in Karlsruhe nicht den Hauch einer Chance. Ich hoffe, das die Richter beim nächsten Urteil offiziell die verfassungsfeindliche Gesinnung dieses Innenministers feststellen. In den 70er Jahren hätten seine Vorschläge für ein Berufsverbot ausgereicht.
für Staatssicherheit jetzt Erich Schäuble oder Wolfgang Mielke?
Ich kann das in letzter Zeit nicht mehr so eindeutig auseinander halten.
Kann man Politiker, die, aus dem GG und den in ihn verankerten Grundrechten, hervorgehende Urteile nur dahingehend 'respektieren', dass sie möglichst schnell eine 'Rechtsgrundlage' zur weitestmöglichen Relativierung und Umgehung derselben wollen, als (zumindest latent) verfassungsfeindlich bezeichnen? Das GG und das dahinterstehende Staats- und Gesellschaftsbild sind kein Klotz am Fuss von Rechtspopulisten den es möglichst schnell abzuschütteln gilt - vielmehr sollte es ausser Frage stehen, dass ein Innenminister hier keine Hand anlegt. Es handelt sich um doch nicht um eine 'Solange es die Sicherheitsarchitektur zulässt freiheitlich-demokratische Grundordnung'. Mal abgesehen davon, dass viele der Vorschläge von ihrer praktischen Wirksamkeit, nicht viel hergeben und die massiven Probleme die damit einhergehen einfach totgeschwiegen und mit 'Argumenten' wie '99% sind nicht betroffen' ad acta gelegt werden - musste früher, ja früher, wenigstens noch der Reichstag brennen um sowas anzufangen. (Mir ist klar, dass die Intention eine andere sein mag... die Mittel sind die gleichen.)
Warum so schoen positiv umschreiben? Nennen wirs beim Namen: Totalitarismus!
Ist nur noch en Katzensprung entfernt und wuerde dann viel effektiver werden mit den zentralisierten Daten und der immensen Rechenpower die zur Verfuegung steht. Ein Anschluss an die 5-Sterne-Geheimgefaengnisse zur Informationsbeschaffung waere dann wohl der naechste Schritt, natuerlich auch nur zur Praevention und zum Wohle der Staatssicherheit. Und um ganz sicher zu gehen implantieren wir bestimmten Bevoelkerungsgruppen Identifikationschips - natuerlich auch nur zur Praevention. Weiter will ich nicht fantasieren - koennte heiss werden!
ganz genau dein typ ist irgendwann, aus welchen gründen, wie berechtigt auch immer, nicht mehr gefragt.
es ist das volk, das kontrolliert wird, jeder von uns. von einem staat, deren vertreter wir angeblich einmal selbst gewählt haben.
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