An Bord der FGS BREMEN, Golf von Aden
Während die Bodenkriege in Irak und Afghanistan unvermindert weitergehen, wird andernorts eine andere Art Konflikt – ein „stiller Krieg“ – zu See von Amerika und seinen Aliierten ausgetragen. Rund um die Arabische Halbinsel und das Horn von Afrika wird ein Krieg gegen Menschenhandel, Drogen- und Ölschmuggel, Piraterie, Waffentransporte und gegen das Eindringen von Dschihadisten nach Somalia und in den Jemen geführt. Deutsche Kräfte nehmen an diesem Kampf teil, wie zum Beispiel die Fregatte FGS Bremen, im Einsatz im Golf von Aden.

Die zentrale Militärkraft in dem Verantwortungsgebiet – die insgesamt 2,4 Millionen Quadratmeilen und 7,480 Meilen Küstenlinie umfasst – ist die „Combinded Task Force-150“, eine Armada bestehend aus Fregatten, Zerstörern und Versorgerschiffen aus zehn Ländern: Frankreich, Großbritannien, den Vereinigen Staaten, Pakistan, Singapur, Bahrain, Dänemark, den Niederlanden, Kanada und Deutschland. Dabei ist die Bremen eines der Schiffe, die den Seeverkehr in einem riesigen Seehandelsgebiet überwachen, durch das mehr als die Hälfte des weltweiten Rohöls und 95 Prozent des Frachthandels hindurch muss.

Mit der Kommandozentrale in Bahrain und der Zugehörigkeit zu der amerikanischen Fünften Flotte, ist CTF-150 ein Teil der Operation Enduring Freedom, die den Krieg in Afghanistan (aber nicht den im Irak, wie die Mannschaft der Bremen stets betont) umfasst. Tatsächlich fühlen sich die Seeleute der Einsatztruppe nicht im Krieg. Stattdessen verstehen sie sich als Beschützer der wichtigen See- und Versorgungsrouten zum Westen.

„Unser Job ist wie der von Polizisten auf Streife“, sagt der Sprecher der Einsatztruppe, Kapitänleutnant Brian „Grassy“ Meadows von der Royal Navy, die bis zur Übergabe an die Franzosen am 4. April das Oberkommando über die Truppe innehat. „Es ist nicht, als wäre man im Krieg“, betont Oberbootsmann des Bremens Beatrice Dongas. „Unsere Anwesenheit schreckt mögliche Terroristen ab. Es gibt keine Schießerei und wir führen keinen Krieg.“

Ein unterbesetzter Krieg

Genauso wie im Irak-Krieg, ist dieser furchtbar unterbesetzt. Zu jeder Zeit verfügt die Einsatztruppe lediglich über drei bis zehn Kriegsschiffe, um ein Gebiet von der Größe des amerikanischen Festlandes zu überwachen. Andere Schiffe, die an diesem Gebiet vorbeikommen, wie etwa die französische Flugzeugträgergruppe Charles de Gaulle die Anfang März in den Hafen eingelaufen ist, helfen aus, wenn sie gebraucht werden. Aber sie gehörten laut Meadows eben nicht zu der bestehenden Truppe. Die Kontrolle über ein derartig großes Gebiet mit so wenig Schiffen ist dabei schon eine schwierige Aufgabe, die allerdings durch die Instabilität der umliegenden Länder – besonders Somalia – noch weiter verkompliziert wird. Tausende kleiner Fisch- und Transportschiffe, so genannte Daus, passieren wöchentlich die Gewässer. Die Besatzung von 15 bis 20 Leuten besteht hauptsächlich aus pakistanischen Fischern, die bis zu 30 Tage auf dem offenen Meer verbringen.

„Es ist unmöglich einhundert Prozent des gesamten Seeverkehrs zu überwachen“, meint Kapitänleutnant Christian Scherrer, der Planungsleiter der Bremen und Dritter in der Befehlskette. Das Aufgebot an Satelliten und anderer technologischer Vorteile aber erlaubten ihnen, so fügt er hinzu, die bekannten Verkehrsmuster der Region zu überwachen. Wie Dongas sieht auch Scherrer die Rolle der Bremen als einen Abschreckungsfaktor. „Die Tatsache, dass wir hier nichts finden unterstreicht doch nur den Erfolg unsere Anwesenheit“, ist er überzeugt.