Der SPD Vorsitzende Kurt Beck hat vorgeschlagen, eine Afghanistan-Friedenskonferenz unter Einschluss der Taliban einzurichten. Dafür wird er von allen Seiten heftig kritisiert. Zu Recht — und doch nicht ganz. Da man die Taliban militärisch nicht besiegen kann, und das sagen selbst die Nato-Generäle, wird man früher oder später mit ihnen reden müssen. Die Frage aber ist: Wann und mit wem? Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck in Kundus, Januar 2007 BILD

Beck hat einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt für seinen Vorschlag gewählt. Die Nato-Militäroperation „Achilles“ im Süden des Landes ist noch in vollem Gange. Es ist die größte Offensive seit 2001. Eines der Ziele ist dabei, die Taliban zu schwächen. Und noch lässt sich nichts sagen über den Erfolg oder Misserfolg von „Achilles“.

Man kann daher durchaus Eindruck gewinnen, der Vorsitzende der SPD falle den kämpfenden Soldaten in den Rücken. Das ist alles andere als hilfreich, weder für das Bündnis, noch für die Regierung in Kabul. Tatsächlich versucht die Regierung Karzai schon seit geraumer Zeit, Taliban-Anhänger zu integrieren. Allerdings will die Regierung nicht mit den Taliban als Gruppe reden, sondern mit Individuen, das heißt, mit Einzelnen, die „verführt und instrumentalisiert“ worden sind. Es gibt also offensichtlich dialogwürdige Taliban.

Taliban ist inzwischen zu einem ziemlich unscharfen Begriff geworden. Dabei ist klar, dass es sich nicht um eine einheitliche Gruppe handelt, weder sind sie ideologisch auf gleicher Linie, noch haben sie machtpolitisch immer dieselben Interessen. Auf dem einen Extrem sitzt Mullah Omar, der oberste Führer der Taliban. Ein Mann, mit dem man nicht reden kann. Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Leuten, die sich den Taliban aus Opportunitätsgründen angeschlossen haben.

Sie sind unter bestimmten Bedingungen bereit, den Kampf nicht weiterzuführen. Freilich sind sie nicht besonders sympathisch. Doch war Becks Äußerung, man müsse sich „mit Kriegsherren und Drogenbaronen, die sich Taliban nennen, aber keine sind, zusammensetzen“, unglücklich. Denn was kann man bloß solchen Leuten anbieten, damit sie mitmachen? Die Antwort wäre ihm sicher nicht leicht gefallen.