Aufsehen erregte vergangene Woche die Entscheidung des Plattenlabels EMI, künftig Musikstücke ohne Kopierschutz im Internet zu verkaufen. Ob die Übereinkunft des britischen Traditionslabels mit dem Computerkonzern Apple und dessen iTunes Store den grundlegenden Wandel der Tonträgerindustrie beschleunigen wird? Das Ende der CD scheint längst beschlossene Sache. Im "Plattenladen 2.0" ( Die Welt ) gelten andere Gesetze als bisher. Das Recht auf die Privatkopie ist durch den Kopierschutz praktisch abschafft. "Es war (und ist), als hätte man ein Buch oder ein Bild erworben, nur für ein Regal oder ein Zimmer, und bei jedem Umzug wäre eine Neuanschaffung von Manns Zauberberg und Pollocks Klecksen fällig", argumentiert Michael Pilz in der Welt . Wenn nun dieser Schutz falle, sei das nur richtig.

Tobias Rapp in der taz beschwört die Tatsache, dass die EMI nun als erste der vier größten Plattenfirmen von der CD Abschied nimmt. Weiter schreibt er: "Mit der CD wird die Idee verschwinden, dass Musikaufnahmen an einen Tonträger gebunden seien, an eine CD mit einem Cover, die man im Laden erwirbt, mit nach Hause nimmt, in ein Gerät schiebt und anhört."

Sorgen anderer Art quälen die Bundeswehr: Ihr gehen die Militärmusiker aus! Seit die Wehrzeit verkürzt wurde, fehlt es an künstlerischem Nachwuchs. Die Welt vermeldet, die Musikkorps seien nur bedingt spielbereit. "Derzeit beschäftigt die Bundeswehr in 18 Klangkörpern vom Marinemusikkorps Ostsee in Kiel bis zum Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen rund 1400 Militärmusiker, es gibt eine Big Band und das Stabsmusikkorps für das große Protokoll in Berlin. Nicht einmal die 25 bis 30 neuen Leute, die jedes Jahr benötigt werden, um die 'natürliche Fluktuatio' auszugleichen, findet die Bundeswehr derzeit. Besonders dringend gesucht würden Oboisten und Fagottisten." Alles Werben sei vergebens. Weder ein "sehr, sehr sicherer Arbeitsplatz" noch gute Bezahlung noch ein bezahltes Musikstudium locken junge Musiker in die musikalische Einsatztruppe der Armee. Zivil musiziert es sich offenbar ungezwungener.

Wechselwirkungen zwischen Militär und Populärmusik finden sich anderswo. Die deutschen Rapper Fanta 4 zum Beispiel ließen sich zu ersten eigenen Stücken von amerikanischem GIs inspirieren. Mitte der achtziger Jahre entdeckten sie in den Clubs amerikanischer Militärquartiere in der Nähe Stuttgarts den HipHop. Mehr als 20 Jahre danach sind die Fantastischen Vier immer noch im Geschäft: Deutsche HipHop-Senioren, die eben wieder ein neues Album veröffentlicht haben, das allerorten bejubelt wird.

Zunächst einmal gelte es einzusehen, dass manche Bands so lange zusammen sind, dass man sich an sie gewöhnen müsse, schreibt Eric Pfeil in der FAZ . "Hat man dann U2 einmal als größte Popband der Welt akzeptiert, kann man ihr in aller Ruhe ihre Gruseligkeit nachweisen. Akzeptiert man wiederum die Fantastischen Vier als das, was sie sind – Deutschlands leistungsstärkstes Konsens-Popsystem mit Arena-Strahlkraft –, kann man viel Freude an ihnen haben." Das neue Album Fornika gehe nach vorne. Es sei "hochmodern, dabei nie wirklich innovativ, immer jedoch eigen, vor allem aber hoch unterhaltsam" – was nicht zuletzt an den Texten liege.

Als "grandios" bezeichnet Michael Pilz in der Welt das Album. Zwar werde Fornica den Pop nicht noch einmal neu erfinden, aber seine "Ideen, seine angedeuteten Geschichten, seine Reime, seine Ironie, vor allem seine zauberhaft kaputte elektronische oder gesampelte Musik" seien großartig.