Nachwachsende Rohstoffe Alles Bio oder was?
Der Anbau von Energiepflanzen boomt. Doch ökologisch ist das auch nicht unbedingt. Im Gegenteil. Jetzt schlägt der Bund für Umwelt und Naturschutz Alarm.
Damit in Malaysia Ölpalmen wachsen können, damit in Deutschland und anderswo Autos mit Biosprit fahren können, wird der Regenwald gerodet
Biomasse ist der große Renner. Die Gewinnung von Strom, Wärme und Kraftstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen ist für viele Politiker heutzutage ein bevorzugter Weg aus der Energiekrise. Energiepflanzen machen unabhängiger von Ölimporten, helfen Klimaschutzziele zu erreichen, da sie nur genauso viel CO2 an die Umwelt freigeben, wie sie bei ihrem Wachstum aufgenommen haben, und sie schaffen neue Arbeitsplätze in der Landwirtschaft.
Derzeit werden in Deutschland bereits auf mehr als einer Millionen Hektar Land Pflanzen zur Gewinnung von Treib- und Brennstoff angebaut. Laut einem nationalen Aktionsplan will die Bundesregierung diese Anbaufläche in den kommenden Jahren verdoppeln. Die EU hat sich das Ziel gesetzt, bis 2010 etwa zehn Prozent des Benzinverbrauchs in Europa aus Biosprit zu decken. Schon jetzt werden dem Benzin in Deutschland 4,4 Prozent Biosprit beigemengt, bis zum Jahr 2014 soll dieser Anteil auf 8 Prozent steigen. Für Bundesumweltminister Sigmar Gabriel spielt die Nutzung von Biomasse für den Klimaschutz und stabile Energiepreise „eine Schlüsselrolle“; der Rohstoff, der vor der Haustür wachse, sorge für mehr Versorgungssicherheit.
Doch eine Wunderwaffe im Kampf gegen Exportabhängigkeit, versiegende Erdölquellen und Klimawandel ist die nachwachsende Energie mitnichten. Wo Bio drauf steht, ist längst nicht in jedem Fall Bio drin. Im Gegenteil: Umweltschützer warnen vor den negativen ökologischen Folgen des Biomasse-Booms. Die Intensivierung der Landwirtschaft nimmt zu, der Flächenverbrauch steigt, kostbare Biotope verschwinden. Monokulturen von Mais und Raps fördern die Bodenerosion. Den Waldböden werden wichtige Nährstoffe entzogen, weil Reisig, Laub und Tannennadeln nicht mehr im Wald verrotten, sondern als Biomasse weiterverarbeitet werden. Hinzu kommt, dass Energielandwirte die Ökobauern verdrängen, weil sie die landwirtschaftlichen Flächen intensiver und ertragreicher nutzen. Auch könnte auf dem Umweg über den Anbau effizienter Energiepflanzen die Gentechnik in der deutschen Landwirtschaft etabliert werden.
Jetzt schlägt der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) Alarm und fordert eindeutige Ökostandards für den Anbau und den Import von Energiepflanzen. „Wo Bio draufsteht, muss auch Bio drin sein“, sagte der BUND-Agrarexperte Hubert Weiger am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin. Er plädiert deshalb dafür, das Energieeinspeisegesetz (EEG) entsprechend zu ändern. Das EEG garantiert den Erzeugern erneuerbarer Energien feste Abnahmepreise und ermöglicht so den wirtschaftlichen Betrieb solcher Anlagen. Für Strom aus Biomasse wird jede Kilowattstunde mit 8,70 bis 10,23 Cent vergütet. Die Mehrkosten zahlen die Verbraucher. Auch das EEG müsse Kriterien des Natur- und Umweltschutzes erfüllen, so Weiger, und dürfe nicht länger undifferenziert den Einsatz von Biomasse fördern. Vielmehr müssten vermehrt Reststoffe wie Abfälle, Altfette oder Bioreststoffe eingesetzt und deren Einsatz im EEG mit einem Bonus von einem Cent je KWh versehen werden. Auch dem Ökolandbau müsse ein solcher Bonus gewährt werden.
- Datum 11.04.2007 - 09:01 Uhr
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Für diese bahnbrechende Erkenntnis hat der saturierte BUND aber arg lange gebraucht.
In Südamerika wird seit langem Mais angebaut, um daraus Öko-Sprit zu gewinnen. Bush und Konsorten kaufen seit längerem diesen Öko-Sprit zum großen Teil auf, um ihre Umweltbilanz zu verbessern. Die Nachfrage steigt unaufhörlich - der Preis auch. Das führte schon vor Monaten dazu, dass in den betroffenen Ländern der Preis der meisten aus Mais hergestellten Grundnahrungsmittel plötzlich um mehr als 100 % anstieg. Das hatte zur Folge, dass sich die Ärmsten der Armen mittlerweile nicht einmal mehr die Grundnahrungsmittel leisten können, um sich satt zu essen, weil der Mais profitabler zu Öko-Sprit verarbeitet werden kann.
Auswüchse vermeintlich segensreicher Umweltpolitik, die vor dem Öko-Sprit-Boom kein verantwortlicher Umweltaktivist auch nur im entferntesten vorausgesehen hat.
Es ist schon merkwürdig, dass der BUND trotz dieser lang andauernden Hunger-Anklage Monate braucht, um seine ökologischen Bedenken zu formulieren.
Werden beim BUND keine Zeitungen gelesen oder sind die betreffenden Mitarbeiter einfach zu s a t t ?
Vielleicht in den USA. Europa hat zu wenig Wüste. Die Gebiete Nordafrikas sind politisch zu instabil. Die Photovoltaik ist zudem viel zu teuer. Bei Großanlagen würde man eher Thermosolare Kraftwerke bauen, aber auch das ist eher etwas für Spanien. Elektroautos sind eine gute Idee in Verbindung mit der Kernkraft. J.S.
Ein Liter Benzin wird gegenwärig mit 0,72 EUR besteuert. Ein Liter Olivenöl mit 1,3 EUR von der EU bezuschusst. Da lohnt sich der Kauf eines Bio-'Spasspanzers' mit gleichzeitigem Griff ins Speiseölregal des Lebensmittel-Discounters.
Es wird schon nicht so schlimm kommen. Ich halte das ganze Klimagelaber für eine der vielen Hysterien die durch die Politik und die Medien geistern, genauso wie die neue Hetzjagt auf die Raucher, die sich wohl bald mit den Kiffern zusammen in den Niederländischen Koffieshops treffen muß um zu ihrem Genuß zu gelangen. Es wird längst nicht mehr jede Sau geschlachtet die vorher durchs Dorf getrieben wird. Die Erfahrung mit unseren Regierung lehrt doch: langsam Anfangen und dann gaaanz stark nachlassen. :-)
Ethanol-Heinis klar, dass mann fuer 1 Liter Ethanol 4500 Liter Wasser braucht ?
Bei den heutigen Wasserreserven kann man sich ausrechnen, wann mit diesem Spuk Schluss ist. Bis dahin haben einige aber ganz schoen abgesahnt. Dem Klimaschutz hat es nicht geholfen.
... nicht so teuer wie angenommen, im Verkauf natürlich schon. Die Zeche zahlen Steuerzahler und Käufer von Anlagen.
Wer die Probleme der Welt eindimensional durch die CO2-Brille betrachtet, wird den Problemen wohl nicht gerecht.
Energiesparen, regenerative Energien, sehr gut.
Mit der unbewiesenen CO2-Katastrophe und der Hysterie darüber, wird das Gegenteil von ökologisch erreicht werden:
- statt Sprit zu sparen fährt man eben CO2-neutralen
- der Wasserhaushalt wird durch den Intensivanbau der Rohstoffe für CO2-neutralen Sprit aus den Fugen geraten
- ebenso wie die Böden verarmen werden
- die Lebensmittelpreise werden steigen
- in manchen Ländern wird das täglich Brot teuer oder nicht mehr bezahlbar, damit CO2-neutral getankt werden kann
- die Agrochemiekonzerne reiben sich die Hände mit 'Spezialzüchtungen' und schön Spritzmitteln
- die 'grüne' Gentechnik wittert ihre große Chance, und zur Rettung der Welt, werden knirschend alle CO2-Gläubigen zustimmen, ob nur 5% der Funktion der DNA bekannt sind oder nicht
- Gore, Soros und Co werden sich mit ihren Landkäufen und Beteiligungen die Taschen voll machen
Viel Spass noch Ihr CO2-Weltenretter, Ihr tragt ja schließlich Verantwortung für die Erde und eure Kinder, Ihr handelt verantwortungsvoll und lasst euch bestimmt nicht in die Tasche lügen...
Mit einem Bruchteil der Fläche kann mit Photovoltaik die gleiche Netto Energiemenge gewonnen werden. Verbunden mit Elektroautos ist das zumindest im Nahverkehr schon heute ein brauchbarer Ersatz, mit besseren Batterien bzw Brennstoffzellen in Zukunft auch auf grösseren Entfernungen. Für Photovoltaik kann man sonst ungenutzte Wüstenflächen nutzen, der Wasserverbrauch fällt nur bei der Herstellung einmalig an, Düngemittel und Pestizide braucht es keine.
Mir wäre lieber wenn die berechtigten Sorgen um Klimaerwärmung, Energiesicherheit und die weltweite politische Stabilität nicht zu Investitionen in Biokraftstoffen, sondern zu Investitionen in Batteriesystemen führen würde. Biokraftstoff ist zu kurz gedacht, die aufwändige Produktion setzt enge Grenzen.
Eine einfache Rechnung der Sonneneintrahlung zeigt, daß von Energieknappheit auf dem Planeten keine Rede sein kann, es gibt bei weitem mehr als genug. Die eigentlichen Herausforderungen sind Energiespeicherung und Transport. Ersteres taucht in den Schlagzeilen kaum, letzteres nur in Form von Ostseepipelines wegen des prominenten Mitarbeiters auf.
An der Stelle könnte 'Die Zeit' doch auch ansetzen und die Diskussion von der reinen Energieerzeugungsfrage zu Speicherung und Transport lenken. Das ist angesichts bereits existierender regenerativer aber unregelmässiger Energiequellen eigentlich das interessantere Thema.
FR
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