Iran/Großbritannien Hoch gepokert

Die im Iran festgehaltenen britischen Soldaten kommen frei. In der Führung des Landes scheint sich die Auffassung durchgesetzt zu haben, Iran habe durch eine Fortsetzung der Geiselaffäre nichts mehr zu gewinnen.

Glücklich über ihre neugewonnene Freiheit: Die britischen Soldaten

Glücklich über ihre neugewonnene Freiheit: Die britischen Soldaten

Die Erleichterung in London war mit Händen zu greifen, auch wenn es 10 Downing Street bei einer knappen Stellungnahme beließ, in der der iranische Schritt begrüßt wurde. Man will die 15 Briten erst heil und unversehrt zu Hause wissen und nichts sagen, was ihre Freilassung verzögern oder doch noch gefährden könnte.

Der Ablauf der Ereignisse lässt allerdings kaum eine andere Erklärung zu, als dass Präsident Ahmadineschad und die Hardliner hoch gepokert und am Ende den Kürzeren gezogen haben. Die Pressekonferenz, ursprünglich für Dienstag vorgesehen und dann auf Mittwoch verschoben, entpuppte sich als Übung, die Schlappe im internen Machtkampf zwischen Pragmatikern und Hardlinern propagandistisch zu verbrämen. Eine geschlagene Stunde sprach der iranische Präsident über alle möglichen Themen, um dann Orden an einige Kommandeure der Einheit zu verleihen, die für das Kidnapping der Briten verantwortlich waren.

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Dann folgte mit theatralischer Geste die überraschende Ankündigung, die 15 Soldaten würden in Freiheit entlassen, als „ein Geschenk an die britische Nation“. Obwohl, wie der Präsident betonte, Iran das Recht habe, den Seeleuten wegen des Eindringens in iranisches Hoheitsgebiet den Prozess zu machen.

Zu guter Letzt forderte er Tony Blair auf, die 15 Seeleute wegen ihrer Schuldgeständnisse nicht vor Gericht zu bringen. Er verband dies mit der Forderung, Großbritannien möge von der „Besetzung anderer Staaten“ absehen und in Zukunft die Verletzung iranischen Territoriums unterlassen.

Mehr nicht. Reduziert man die Aussagen Ahmadineschads auf ihren Kern und ruft sich den Verlauf der letzten Tage in Erinnerung, wird klar, dass der Präsident zurückstecken musste. Nicht mehr die Rede war von der ursprünglichen Forderung aus Teheran, London habe sich zu einer offiziellen Entschuldigung zu bequemen.

Es handelte sich um einen nicht sonderlich geschickten Versuch, von unangenehmen Fakten abzulenken. Schließlich beendet Iran die Geiselaffäre ohne, wie ursprünglich beabsichtigt, auf einer formellen Entschuldigung Großbritanniens zu beharren. Der Präsident Ahmadineschad scheint geschwächt aus dem Gerangel zwischen den verschiedenen Machtzentren des Landes hervorgegangen zu sein.

Leser-Kommentare
  1. ... Prostitution auf Schriftbasis. Man schreibt das wofür bezahlt wird. Wenn morgen der Islam in Deutschland an der Macht ist werden die gleichen Leute das Gegenteil behaupten. Ich habe schon einen Umsturz mitgemacht und kenne mich da aus.
    Wenn deutsche Zeitungen immer Lehr Leser verlieren liegt es nicht nur am Medium Internet, sondern an der inzwischen ostzonalen Gleichschaltung der Medien. Wozu brauchen wir noch so viele Zeitungen wenn in allen das Gleiche steht. Welche Verschwendung!

  2. Haben Sie das wirklich nicht mitbekommen? Davor war noch von einem Gerichtsverfahren gegen die Briten die Rede. J.S.

    • Anonym
    • 05.04.2007 um 15:38 Uhr
    3. Yes

    Richtig.
    Westen kritisieren, weil dies keine Folgen hat.

    Wenn einer für den Faschoiran so begeistert ist, kann dorthin jederzeit auswandern und sich dort nacht Lust und Laune austoben.
    Wieso tut dies keiner?
    Wieso z.B. die Flüchtlingsströme nicht in den Iram umgeleitet werden, wenn dort alles so toll ist?
    Sondern alle kommen zu dem bösen Westen.

  3. Die iranischen Geiselgangster haben sich nicht mal getraut, das Blairs 48 Stunden Ultimatum voll auszuschöpfen. Das ist also die Sprache die in Teheran noch verstanden wird. J.S.

    • Anonym
    • 05.04.2007 um 15:39 Uhr

    des klerikal reaktionären, ultrafaschisten von Mikrohitler (auch als iranischer Präsidialidiot gekannt) ist vollkommen.
    Keine Gnade mit den postxerxischen Großenwahnsinnigen.
    Es lebe Britannica Magna!

  4. Deine Denke ist nicht akzeptabel!

    Dennoch möchte ich auch auf diese Sendung eingehen. Denn mir ist die Aussage eines Militärs in Erinnerung geblieben, die mich sehr erschreckt hat. Er sagte: Du darfst (wenn du Bomben werfen müsstest) nie zurückblicken und auf keinen Fall darfst du daran denken, dass du nicht mehr zurückkehren könntest; - frei zitiert nach meinen Notizen.

    Erschreckt hat mich diese Auffassung, weil diese mich sehr erinnert an das, was Selbstmordattentäter genauso zu denken scheinen.

    Und ich wäre sehr froh, wenn es hier jemanden gäbe - J.D. vielleicht? - der mir den Unterschied erklären könnte zwischen der Auffassung des israelischen Militärs und den Selbstmordattentätern. Klar: der eine will retten und noch größere Gefahr abwenden, während der andere in einen Fantasiehimmel eingehen will.
    Aber die seelische Verfassung, dass gewissermaßen das menschliche Gewissen zu überwinden ist, um höchste Gewaltanwendung zu praktizieren, haftet doch beiden Arten des 'Kriegführens' an. Oder?

  5. Nur mal so ein Beispiel für die Schieflage in unseren Medien. Im Teheraner Evin Gefängnis werden seit Jahrzehnten Menschen zu Tode gefoltert. Dort sind sicherlich tausende ermordet worden!
    Aber worüber spricht man in Deutschland? Guntanamo! Dabei ist Gauntanamo geradezu ein Erholungsheim verglichen mit dem Terrorknast Evin.
    Der Unterschied ist nur, wenn man es in Deutschland wagen würde das Evin Gefängnis auch nur halb so sehr anzuprangern wie Guantanamo, sind die Mullahs beleidigt und zu allem fähig! Das 'gute' Geschäft mit dem Iran könnten unsere Profiteure dann vergessen und wir müssten eventuell sogar mit Terroranschlägen und Geiselnahmen rechnen. Pressefreiheit gibt es in Deutschland beim Thema Iran nur in der Theorie, praktisch traut sich kaum ein Journalist den Mund auf zu machen. J.S.

  6. mein lieber JS sollten sie nicht vergessen den Schah und seine Savac zu erwähnen, und die Absetzung des damaligen demokratisch gewähltem Motasseq, was wollen sie uns hier vorspielen, doch bitte nicht die Unschuld vom Lande, bitte nicht.
    Nach Abu Ghraib ist es ja mal eher so dass die USA docjh lieber de Mund nicht allzu gross aufmachen sollten, das was salon.com zeigte reichte mir den Ekel einzuflössen.
    Hier auf dieser Welt gibt es nur das abgestufte Böse, und sie kämpfen noch immer als ob sie das Gute darstellen würden.
    Nun hat ihr Treiben schon seine Früchte getragen die DDR wird wieder bei uns eingeführt, es fängt ja mal mit dem Pass an endigt bei der Akteneinsammlung, und mit der Aussortierung der Gemeingefährlichen linken Agitatoren...denen sie eigentlich ihre Freizeit und ihren Urlaub zu verdanken haben.

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