Es sei "inhuman und gegen die Würde der Frau", zu erwarten, dass Mütter bereits ein Jahr nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiteten, sagte Bischof Mixa am Dienstagabend in der ARD und bekräftigte damit seine Kritik an den Plänen von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Kinder sollten in den ersten Lebensjahren "zuallererst in der Familie, soweit das möglich ist", betreut werden. Zuvor hatte Mixa die Pläne als "zutiefst unsozial und familienfeindlich" bezeichnet. Die Betreuung von Kindern unter zwei Jahren außerhalb der Familie bedeute die "Wiederkehr der DDR-Verhältnisse".
Wohin mit den Babys? Die katholische Kirche streitet

Trotz der harschen Worte Mixas glaubt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, an einen schnellen Konsens innerhalb der katholischen Kirche. Zu Beginn der Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe sagte Lehmann gestern im baden-württembergischen Bad Waldsee: "Die Differenzen sind nicht so groß. Ich habe keine Sorge, dass wir zu einem vernünftigen Konsens kommen". Die Meinung Mixas sei nur "eine Stimme unter den 27 (Diözesen)".

Entscheidend sei, dass die Finanzen für die Kinderkrippen nicht gekürzt und die Elternrechte gewahrt würden. Die beiden großen Kirchen seien Träger von insgesamt zwei Dritteln aller Kindergärten in Deutschland, erinnerte Lehmann.

Auch der Vorsitzende der Familienkommission der Bischofskonferenz, Kardinal Georg Sterzinsky, zeigte sich zuversichtlich, dass eine Einigung beim Thema Kleinkinderbetreuung erreicht wird. "In der Sache sind wir eigentlich einig, die Akzentsetzungen sind vielleicht unterschiedlich", sagte der Erzbischof von Berlin am Rande des Treffens.

Inzwischen hat sich auch die evangelische Kirche in den Streit eingemischt: Margot Käßmann, die protestantische Landesbischöfin von Hannover, hatte die Äußerungen Mixas am Dienstag als "ignorant und beleidigend" zurückgewiesen. Dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte sie: "Bei dieser Debatte geht es doch ganz offensichtlich gar nicht mehr um das Wohl der Kinder, sondern um das Festhalten alter Rollenbilder."

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