Es ist eine Binsenweisheit, dass Kriege und Konflikte auch über die Medien ausgetragen werden. Medien seien ein kollektives Medium, in dem man operieren müsse, schreibt der britische General Rupert Smith, sie seien wie das Wetter. Alle Konfliktparteien müssten damit leben.

Durch Fernsehen und Internet werden Kriege und Konflikte in die Wohnungen der Welt gebracht. Politiker wie Völker schauen zu. Politische Entscheidungsträger werden von dem, was sie sehen und wie es dargeboten wird, genauso beeinflusst wie von den Stimmungen, die ihnen aus dem Volke übermittelt werden. Das Publikum im Fernsehsessel, teilweise uninformiert und parteiisch, nimmt meist nur das wahr, worauf sich die TV-Kameras richten: Es handelt sich fast immer um Orte und Szenen, die Aktion, Lärm und Emotion bieten.

Genau das also, wonach die Medien verlangen. Sensationalisierung, Simplifizierung, Emotionalisierung sind nicht zufällig die dominierenden Prinzipien der globalen Industrie geworden. Zwangsläufig leiden darunter Kontext und Differenzierung. Es sollte ebenfalls kaum noch der Erwähnung bedürfen, dass demokratische Staaten in diesem Propagandakrieg die schlechteren Karten besitzen, als totalitäre Gesellschaften ohne freie Medien.

Der Streit um die Erzählungen der 15 britischen Seeleute lieferte aufschlussreichen Anschauungsunterricht. Das Verteidigungsministerium hatte den Soldaten ursprünglich grünes Licht gegeben für die Vermarktung ihrer Geschichten über die iranische Gefangenschaft. Als ein Sturm der Entrüstung losbrach, in dem sich ernsthafte Einwände mit einem gerüttelt Maß an Heuchelei mischten, wurde diese Entscheidung wieder rückgängig gemacht.

Der ursprüngliche Entschluss der Marine, die Vermarktung zu erlauben, war in gewisser Hinsicht konsequent und folgerichtig. Er trug den Gesetzmäßigkeiten Rechnung, nach denen die Medienindustrie funktioniert. Die Nachfrage war groß. Die Geschichten der Entführten wurden verlangt. Die Lawine ließ sich ohnehin nicht aufhalten – über Familienangehörige und Freunde der Soldaten, allesamt miteinander durch Handy und Internet vernetzt, würden andernfalls die Storys nach außen gelangen, aus zweiter Hand, womöglich verdreht und aufgebauscht; dann doch besser die Betroffenen selbst erzählen lassen.

Was denn auch geschah. Zwei der Seeleute konnten Honorare einstreichen, die vielleicht die Höhe ihres Jahresgehalts überstiegen. Als einzige Frau war Faye Turney besonders gefragt. Ihre Erlebnisse in der Haft der Revolutionären Garden erzählte sie exklusiv dem Massenblatt Sun und dem Fernsehsender ITV. Sie erhielt dafür ein Honorar von rund 80.000 Pfund.