Eines steht wohl fest: Zu keiner Jahreszeit steht das Ei so sehr im Mittelpunkt, wie zu Ostern. Lustig bemalt baumelt es an Sträuchern, bunt gefärbt liegt es auf dem Teller, die Schokovarianten werden im Garten versteckt - manchmal so gut, dass sie erst im nächsten Jahr wiederauftauchen -, und die Kinder flitzen über den Rasen und suchen wie Spürhunde nach süßen Nestern.

Zur Spielwiese wird zu Ostern auch die südliche Grünfläche am Weißen Haus in Washington D.C. Hier ist seinerseits ein Ei das Objekt der Begierde - allerdings wird es weder gesucht noch gegessen: Seit 1878 findet auf der Wiese hinter dem Amtssitz des US-Präsidenten an jedem Ostermontag der Easter Egg Roll statt. Im vergangenen Jahr blies George W. Bush kräftig in die Trillerpfeife und gab den Start frei für die Kinder, die mit Löffeln bewaffnet Ostereier über den Rasen rollen müssen. Für die Teilnahme gibt es zwar keinen Schokoladenhasen von der First Lady, aber immerhin ein vom Präsidenten handsigniertes Holzei.   

Gar keinen Eierspaß haben die Kleinsten dagegen in den christlichen Ländern des Fernen Ostens: Auf den Phillipinen wird mit dem ersten Läuten der Osterglocken vielmehr an das körperliche Wachstum ihrer Kleinsten gedacht. Nach Möglichkeit sanft werden die Kinder am Kopf in die Höhe gehoben. Davon versprechen sich philippinische Eltern das gesunde Gedeihen ihrer Sprösslinge.   

Zurück nach Europa: Auch wenn das Osterlamm in Irland eine sehr starke traditionelle Stellung hat, auf den Teller kommt es erst am Ostersonntag - und auch erst dann, wenn der Hering zu Grabe getragen wurde. Der mickrige kleine Fisch war während der Fastenzeit 40 Tage lang das Hauptnahrungsmittel der Katholiken, zu Ostern darf das verleidete Viech dann endlich unter die Erde, Fleisch und Wurst kehren zurück auf den Speiseplan. Nicht selten werden die Bestattungen von ortsansässigen Metzgern organisiert.   

Weiter nördlich schleichen junge Frauen heimlich durch die Osternacht, um Wasser zu holen: Schwedinnen vertrauen auf die Kraft des österlichen Nassen um ihren Geliebten zu erobern. Während der Prozedur dürfen die Frauen weder ein Wort noch einen Tropfen des geschöpften Wassers verlieren. Wenn es ihnen zusätzlich noch gelingt, den Angebeteten mit dem Osterwasser zu beträufeln, ohne seinen Schlaf zu stören, ist das Zukunftsglück gesichert.   

Das benachbarte Finnland interessiert sich dagegen weniger für die Zukunft als für die Vergangenheit. Als sei Ostern das Fest von Knecht Ruprecht, schlagen sich Freunde und Verwandte hier gegenseitig mit der Rute: In Gedenken an den Einzug Jesu nach Jerusalem, wo er mit Palmwedeln empfangen wurde, lassen die Finnen die Birkenzweige sausen. Liebevoll allerdings. Und auch nur auf den Rücken!