Bremen ist für Nieselregen berühmt, am Vormittag des Ostersamstags aber strahlt die Frühlingssonne in der Hansestadt. Die Märkte der Innenstadt sind überfüllt, in den Straßencafés gibt es keine freien Plätze mehr. Familien, Touristen, Verliebte strömen durch die Fußgängerzonen und genießen die Ferientage. Es ist eine geschäftige, friedliche Atmosphäre. Nur noch auf Stoff farbig: Das Symbol der Bewegung BILD

Dann zerschneidet eine kreischende Frauenstimme das betuliche Idyll: Durch ein laut dröhnendes Mikrofon krächzt sie etwas von „ständig steigenden Rüstungsausgaben“, nennt Deutschland „imperialistisch“ und die Bundesregierung einen Kriegstreiber. Leicht irritiert, aber neugierig drehen sich die Leute um. Als sie erkennen, wer ihnen da entgegen schreit und schreitet, lächeln viele - ein freundliches, aber ungläubiges Lächeln. Gibt's das denn noch?

Der Bremer Ostermarsch ist unterwegs. An seiner Spitze rollt Margot Konetzka, 80 Jahre, Mitglied der DKP, in einem kleinen Auto. Seit Jahren führt sie das Megafon in Bremen. In kleinen Grüppchen folgen ihr 150 Mitstreiter, die meisten sind ebenfalls jenseits der 50. Die einen tragen Regenbogenfahnen und Luftballons, die mit weißen Friedenstauben bedruckt sind. Die anderen halten Transparente mit pazifistischen und sozialistischen Parolen.

„Nee, danke", sagt ein Mann mit Sonnenbrille und Handy, als ein Rentner ihm einen Flugzettel in die Hand drücken will. Der Rentner wirbt „für den Wiederaufbau der KPD“, er ist vom „Arbeiterbund, Ortsgruppe Bremen“. Der junge Mann möchte aber in Ruhe seine Latte Macchiato trinken. Vom „Ostermarsch“ hat er noch nie gehört.

Dann sammelt sich die Truppe der Marschierenden auf dem Rathausplatz. Die riesige Fläche füllt sie nur zu einem Bruchteil aus. Eine grauhaarige Sprecherin vom Bremer Friedensforum geißelt in einem Atemzug „Klimawandel“ und „Neoliberalismus“, während Ernst Busche, 75 Jahre alt, Spenden sammelt. Busche ist ein fröhlicher Mensch, aber die geringe Resonanz des Ostermarsches betrübt ihn. „Vor 25 Jahren sind wir hier zu Zehntausenden marschiert“, gegen die Nachrüstung, den NATO-Doppelbeschluss und gegen Ronald Reagan", erinnert sich Busche. Damals seien Ostermärsche noch Volksfeste mit großem Happening-Charakter gewesen.