Seit vier Jahren wird im Irak gekämpft, und zum ersten Mal steuert der amerikanische Kongress auf eine Machtprobe mit dem Präsidenten über den Krieg zu. Seit 66 Tagen liegt den Parlamentariern ein 100 Milliarden Dollar schwerer Antrag des Präsidenten vor, in dem es um die Kriegsfinanzierung geht. Beschlossen ist immer noch nichts. Denn die Demokraten, neuerdings in beiden Häusern in der Mehrheit, wollen den Krieg zu Ende bringen. Die Budget-Hoheit des Kongresses ist ihre Waffe. Bald, warnt Präsident George Bush, werde den Soldaten das Geld ausgehen.

Kommende Woche, wenn das Repräsentantenhaus seine Osterpause beendet hat, will Bush eine Abordnung des Kongresses im Weißen Haus empfangen, um die Differenzen auszuräumen. Vorsichtshalber hat er aber bereits angekündigt, einem Ausgaben-Gesetz, das ihm nicht gefalle, sein Veto entgegenschleudern zu wollen. Die Demokraten haben nämlich seinen Finanzierungsantrag verändert und eine Verpflichtung zum Truppenrückzug hineingeschrieben. Nach dem Gesetzentwurf, den der Senat verabschiedet hat, sollen die Truppen bis Ende März 2008 abgezogen sein. Der Entwurf des Repräsentantenhauses gibt dem Militär etwas mehr Zeit, bis Ende August 2008. Dafür muss der Rückzug schon 120 Tage nach der Verabschiedung des Gesetzes beginnen. Der Vermittlungsausschuss beider Kammern soll kommende Woche erstmals tagen. Präsident Bush will nur unterzeichnen, was er als "sauberes Gesetz" bezeichnet: also eine Finanzierungszusage ohne jede Abzugsverpflichtung. Alle anderen Gesetzentwürfe müssen mit einem präsidentiellen Veto rechnen.

George Bush baut darauf, dass sich dann im Kongress jene Zweidrittelmehrheit nicht finden wird, mit der sein Veto zu überwinden wäre. Das ahnen auch die Demokraten. Deshalb haben sie wankelmütigen Republikanern zuhauf Finanzierungszusagen für deren Lieblingsprojekte gemacht: genau jene schlüpfrige Methode der Mehrheitsbeschaffung, die sie in der vergangenen Legislaturperiode der damaligen republikanischen Mehrheit vorgehalten hatten. Es scheint also, als nähere sich der Kongress dem Showdown.

Für beide Parteien ist diese Strategie nicht ohne Risiko. Die Republikaner wissen, dass die Zeit für ihren Krieg ausläuft. "Wenn nicht ein größerer Teil der Bevölkerung und der Elite dahinter stehen", sagt Gary Bauer, ein ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Republikaner, könne man nicht einfach auf Jahre weitermachen. Irgendwann, so die Sorge, werde die parlamentarische Verteidigungsmauer zusammenbrechen.

Die Demokraten fürchten ihrerseits, vom Präsidenten ausmanövriert zu werden. Wie das geht, hat einer der ihren vorgeführt: Bill Clinton. 1995 blockierte die republikanische Kongress-Mehrheit sein Budget, was zur Schließung aller Büros der Bundesverwaltung führte. Clinton finassierte geschickt und brachte die Bevölkerung auf seine Seite. Am Ende ging er gestärkt aus dem Konflikt hervor. Die Ära des republikanischen Kongress-Führers Newt Gingrich strebte ihrem Ende zu. Heute fürchten die Demokraten eine Wiederholung mit umgekehrten Rollen. Wenn nämlich das Militär kein Geld zum Kämpfen erhält und Soldaten sterben, weil den Kriegern das Geld ausgeht, so könnte das die Demokraten die nächste Wahl kosten. Sie wollen den Krieg beenden und zugleich die Soldaten unterstützen – ein delikater Balanceakt.