Belletristik Der Kehlmann-Kanal
Ganz Deutschland liest Daniel Kehlmanns Bestseller "Die Vermessung der Welt" und ist begeistert. Nur einer, der das Buch auch gelesen hat, ist nicht begeistert: Wolfgang Griep, Literaturwissenschaftler und renommierter Kenner der europäischen Reiseliteratur. Er schätzt das Fabuliertalent Kehlmanns, doch er warnt davor, die Geschichte um Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß als historischen Roman zu lesen. Denn dafür, so meint er, sei sie ganz einfach zu schlecht recherchiert. Wir stellen Grieps Zwischenruf zur Diskussion
Das Buch scheint das Buch des Jahrzehnts zu werden, in schwankend hohen Stapeln liegt es in allen Buchhandlungen, eine kleine Ewigkeit lang führt es jetzt schon die Bestsellerlisten an. Einen solchen Erfolg hat ein deutscher Roman seit Patrick Süskinds »Parfüm« nicht mehr gehabt.
Und wie Süskinds »Parfüm« ist auch Daniel Kehlmannns »Die Vermessung der Welt« ein historischer Roman – allerdings mehr Roman als historisch. Denn wer glaubt, hier etwas über Alexander von Humboldt, den berühmten Südamerika-Reisenden, und Carl Friedrich Gauß, den großen Mathematiker, zu erfahren, der sollte sich in Acht nehmen.
Sprechen wir nicht vom angenehm leichten Stil des Buches, nicht vom literarischen Gehalt, auch nicht von den »fabelhaften Dialogen«, die Marcel Reich-Ranicki so sehr begeistert haben. Sprechen wir von der Basis eines historischen Romans: Wie steht’s um die Fakten? Wie hat der Autor den Schauplatz »einer schon entrückten Vergangenheit« gestaltet? Ist das auch so fabelhaft? Kurz gesagt: leider ja.
Das beginnt mit ärgerlichen Winzigkeiten. Über Gauß‘ Kritik an der »neumodischen Lederfederung« der Kutschen wäre die preußische Postverwaltung äußerst erstaunt gewesen, war sie doch gerade bemüht, die Passagiere auf modernen englischen Stahlfedern dahinschweben zu lassen. Und hätte Gauß tatsächlich gegen alle Tatsachen behauptet, daß »reiche Leute für die Reise doppelt so lange brauchen wie arme«, hätte sie den Mathematiker kurzerhand für verrückt erklärt.
Zu den kleineren Verstößen gegen die Geschichte mag man auch rechnen, dass der berühmte Pariser Lichtbildner Louis Jacques Daguerre weder in Berlin war noch Humboldt und Gauß fotografieren konnte: dazu hätte die Geschichte gut zehn Jahre später spielen müssen. Und natürlich ist auch die Episode mit dem Luftfahrtpionier Pilâtre de Rozier, einem Superstar seiner Zeit, und dem jungen Gauß nur der Fabulierfreude Kehlmanns entsprungen: Pilâtre de Rozier war 1785 bei dem Versuch, den Ärmelkanal zu überfliegen, ums Leben gekommen. Der nicht minder populäre Ballonfahrer François Jean Pierre Blanchard dagegen wäre für Kehlmanns Zwecke geeigneter gewesen, denn der ist wenigstens 1788 in Braunschweig aufgestiegen – Adolph Freiherr Knigge, der Autor des Klassikers “Vom Umgang mit Menschen«, hat einen herrlichen Roman darüber geschrieben.
Schweigen wir von der fiktiven Reise des Mathematikers nach Königsberg, um den alten Immanuel Kant zu besuchen, schweigen wir auch von der Charakterisierung des Philosophen, die nur die bekannten Klischees ins Groteske steigert, schweigen wir ebenso von der merkwürdigen Idee im Roman, mal eben von Bremen nach Weimar ins Theater zu fahren, aber streifen wir wenigstens kurz die berühmte Reise Humboldts auf den amerikanischen Kontinent. Im Roman folgt sie nur oberflächlich und mit eigentümlichen Entstellungen der tatsächlichen Reiseroute, unbekümmert um Fakten und Fabeln.
Der heroische Selbstversuch Humboldts im Roman etwa, das Pfeilgift Curare zu schlucken, liest sich in der alten Beschreibung wie eine Gegengeschichte: die Indios wussten ebenso wie der Forscher, dass Curare, als Medizin getrunken, ohne weitere Nachwirkungen gegen Magen- und Darmbeschwerden half. Bei der Herstellung musste überdies mehrmals mit der Zunge die Konsistenz und Güte des Giftes geprüft werden. Warum also das dumme Selbstexperiment im Roman?
Aber es kommt noch phantastischer: Den Kanal, den der Forscher schließlich als Verbindungsstück zwischen Orinoko und Amazonas befährt, könnte man nach seinem Erfinder vielleicht Kehlmann-Kanal benennen und den Sagen über die Amazonen und den Goldenen Mann an die Seite stellen. In Wirklichkeit hat es diesen Wasserweg nicht gegeben, dagegen war die Existenz eines natürlichen Flussverbindungssystems schon lange vor Humboldts Reise bekannt (nur nicht dessen genaue Lage). Und schließlich: was hat sich der Autor wohl bei der Begegnung mit dem schnurrbärtigen Sachsen Brombacher mitten im Urwald gedacht – die »wunderlichste« Begegnung, die Alexander von Humboldt angeblich auf seiner ganzen Reise zu verzeichnen hatte, die aber nirgends verzeichnet ist?
Ja, die dichterische Freiheit, die dichterische Freiheit! Dies alles und noch viel mehr noch könnte man unter der viel strapazierten dichterischen Freiheit abhaken, die einem historischen Roman indes auch schon mal die historische Basis entziehen kann. Allerdings ist der Schriftsteller Daniel Kehlmann gewiss kein Autor, der zu den großen Geschichtezertrümmerern und Figurenwerfern in der Nachfolge Heiner Müllers gehört, sondern eher ein Stilist, der das Air des jungen Gelehrten pflegt und historische Kennerschaft suggeriert.
Umso rätselhafter bleibt da, warum er seine Protagonisten bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Weder war Alexander von Humboldt der ständig vorwärtsstürmende messende, ordnende, arbeitsblinde Großforscher, noch war Carl Friedrich Gauß der undiplomatische, weltfremde, besserwisserische und cholerische Stubenhocker. Länger als Humboldt in Südamerika war Gauß im Königreich Hannover unterwegs gewesen, messend, ordnend, zeichnend. Der Mathematiker hat diese fünfjährige praktische Tätigkeit als Geodät keineswegs als lästige Unterbrechung seiner theoretischen Arbeiten gesehen, sondern als »herrliche große Unternehmung«, »die über die Gestalt der Erde schöne Aufschlüsse geben wird« (wie er 1816 in einem Brief schreibt).
Und Humboldt wiederum hat in Südamerika wesentlich weniger gemessen, als Kehlmann annimmt. Länger als Gauß hat Humboldt seine Zeit in Bibliotheken, Archiven und Sammlungen verbracht, exzerpieren, schreibend, vergleichend, um in seinem Kopf die Welt zu ordnen. Der Forscher war überdies – die »Ansichten der Natur« zeigen dies auf Schönste – ein Ästhet, ein Naturschwärmer, ein Genussmensch mit klassischen Idealen im Kopf, die durch kein Meßergebnis ins Wanken zu bringen waren.
Um aber seine Protagonisten antagonistisch charakterisieren zu können – der eine mit dem Kopf in der Welt, der andere mit der Welt im Kopf –, musste Kehlmann aus den historischen Persönlichkeiten Wachsfiguren machen, die er nach Belieben modellieren konnte. Unterfüttert durch verstörend-fiktive biographische Details und unbekümmert um die historische Realität hat er sich so zwei phantastische Figuren zurechtgeschnitten, die seiner These vom Welterfinden und Weltvermessen ausgezeichnet entsprechen, dummerweise aber kaum noch den historischen Personen. Aber warum hat Kehlmann ihnen denn überhaupt historische Namen gegeben? Wäre nicht auch hier eine kleine Realitätsverschiebung viel sprechender gewesen – zu Alexander von Humbug vielleicht und Carl Friedrich Graus?
- Datum 31.12.1899 - 01:00 Uhr
- Serie -
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 17
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Ich habe ja ebenfalls bereits angedeutet, dass es sich bei 'Die Vermessung der Welt' wohl um kein Kunstwerk in der Liga epochemachender literarischer Werke handelt (das war wohl auch nie Kehlmanns Intention), aber dass es deswegen nicht verdient, sich zu verkaufen, halte ich doch fuer etwas gewagt. Die Top 10 der Bestsellerliste sind wahrscheinlich sowieso nicht die Nr.1-Quelle fuer hochkomplexe Literatur, und angesichts der sprachlichen Qualitaet des Buches wie auch des ungewoehnlichen Sujets (endlich mal keine Mittdreissigerinnen kurz vor dem praemenopausalen Nervenzusammenbruch oder irgendwelche Zauberlehrlinge) goenne ich Kehlmann seinen Erfolg sehr. Das Buch hat mir sehr viel Vergnuegen bereitet, fuer eine Herausforderung habe ich zuhause 'Mein Name sei Gantenbein' liegen.
Ihre Ausfuehrungen, ElCriticon, zu Kehlmanns Umgang mit den historischen Personen verdienen aber meines Erachtens nun doch eine naehere Betrachtung. Wer etwas Grosses leistet, der muss damit leben, irgendwann nach seinem Ableben in den Bereich der 'public domain' verschoben zu werden (dies spiegelt sich ja auch im geltenden Urheberrecht wider). Wer hat Mozart gefragt, ob er sein Bildnis auf Schokoladenerzeugnisse gedruckt haben will? Wollte Gauss auf den 10 DM-Schein? Kehlmann hat nichts anderes gemacht als zwei historische Personen in einem literarischen Werk zu - jawohl - verwenden, und zur Literatur gehoert nunmal die Ueberzeichnung wie der Herd zum Kochen. Hier davon zu sprechen, dass man die beiden Personen nicht 'lieben' (!) duerfe, um das resultierende Werk zu moegen, scheint mir einen romantischen Geniekult widerzuspiegeln, der doch eigentlich nach dem Abschluss dieser Epoche passe sein sollte und, nach der folgenden etwas enervierenden Dekonstruktion, mittlerweile Platz gemacht haben sollte fuer eine differenzierte Verehrung, die weiss, zwischen dem Werk eines Genies und der Person an sich zu unterscheiden. Mit anderen Worten: die demuetige, bedeutungsschwangere Haltung gegenueber dem Genie sollte doch eigentlich inzwischen einer gesunden, respektvollen Verehrung gewichen sein, die eben nicht mehr verklaert und stilisiert, wohl aber inspiriert.
Daher finde ich nichts Verwerfliches an dem, was Kehlmann getan hat. Wer das Buch dann kauft und vor welchem Hintergrund liest, ob diese Personen in der Lage sind, seine bewussten Brechungen und Uebertreibungen, sein Spiel mit dem historischen Stoff auch als ein solches zu verstehen, oder aber als 'Geschichte light' missbrauchen, das liegt nun wahrlich nicht in seiner Verantwortung. Soll man etwa Goethes 'Faust' vom Markt nehmen, weil einige Leute ihn als Zitatensammlung zweckentfremden? Ich darf mal uebersetzen: da ein Buch wie 'Die Vermessung der Welt' von Kleinbuergern fuer bare Muenze genommen oder gar fuer groesste Kunst gehalten werden koennte, darf man historischen Stoff nur noch entweder als Bericht verfassen oder aber literarisch so kompliziert, dass Otto Normalverbraucher das entsprechende Buch nicht mal mit der Kneifzange anfassen duerfte. Das finde ich dann doch ein wenig - ahem - vermessen.
Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe nicht eine Sekunde daran geglaubt, mit 'Die Vermessung der Welt' ein historisch akkurates Werk in der Hand zu halten. Ich war sogar zunaechst davon ausgegangen, dass es nie ein Treffen zwischen Humboldt und Gauss gegeben hatte, und selbst dies eine Erfindung Kehlmanns sei.
Der Grund fuer diese Annahme ist sehr einfach: das Wort 'Roman' auf dem Buchumschlag. Jawohl, da steht nicht 'Bericht' oder 'Historie einer Begegnung' oder sonstwas, sondern 'Roman'. Damit muss doch nun wirklich klar sein, dass es sich um ein Produkt dichterischer Kreativitaet handelt. Ich schau ja auch nicht das 'Traumschiff' im Fernsehen und beschwere mich dann, dass ich dadurch nichts ueber Nautik und Navigation lerne.
Es sind legitime Mittel des Dichters, Charaktere (auch historische!) zu ueberzeichnen, Dinge zu verfremden oder gar hinzuzuerfinden - solange er oder sie das resultierende literarische Erzeugnis als ein Werk der Fiktion kennzeichnet. Das hat Kehlmann getan.
Vielleicht hat Herr Griep keinen Sinn fuer den eigentlichen Inhalt des Romans, vielleicht verbietet es ihm sein Hang zur Genauigkeit (alternativ: Pedanterie), dieses Werk sinnlich zu erfahren. 'Die Vermessung der Welt' ist meines Erachtens nicht nur wegen Kehlmanns elegantem Stil und seinem feinen Sinn fuer Humor so brilliant, sondern vor allem auch, weil dieser Roman zwei Ebenen vereint: die Auseinandersetzung mit dem Wesen des Genies, demonstriert an zwei sehr gegensaetzlichen Personen, aber auch die Darstellung des Lebensgefuehls einer ganzen Epoche, gekennzeichnet von Geistesbluete und Aufbruchstimmung, inspiriert durch die Tradition, aber trotzdem durch die Aufklaerung zur Schaffung des Neuen befaehigt. Sicher, es ist nicht Literatur in der Liga von Fontane oder Kafka oder auch Frisch, vielleicht kein epochemachendes Kunstwerk, aber doch immerhin ein inspirierendes, kurzweiliges Lesevergnuegen, das beweist, dass von meiner Generation (geboren in den 1970ern) geschaffene Literatur auch jenseits des Latte-Macchiato-schluerfende-WG-Bewohnerinnen-Beziehungs-Pop-Quatschkrams existieren kann.
Solange dies von Herrn Griep uebergangen wird und durch eine erbsenzaehlerische Detailauflistung ersetzt wird, handelt es sich bei diesem Artikel um nichts anderes als eine ueble, klebrige Beckmesserei.
Lieber Herr Griep,
in seinen Göttinger Portikvorlesungen »Diese sehr ernsten Scheze« hat sich Kehlmann vor kurzem geäußert. Bitte nehmen Sie sich diese Sätze an ihre allzu preußische Brust:
»In meinen Romanen ging es mir immer um das Spiel mit Wirklichkeit, das Brechen von Wirklichkeit. Und, ich sage das jetzt ganz offenm es gehört zu meinen bedrückendsten Erlebnissen als Schriftsteller, daß so etwas in Deutschland einfach nicht verstanden wird. (...) In der Vermessung der Welt herrscht ein gebrochener Realismus der Gattung. Das Buch gibt sich als ernsthaftes Geschichtswerk und ist das Gegenteil davon. Das ist nicht bloß die Ironie des Tons, sondern eine der Haltung. Und außerdem gibt es darin magischen Realismus in Überfülle: Humboldt ist umgeben von Gespenstern und Monstern, die er nach Kräften ignoriert. Zweimal erscheint ihm der Geist seiner Mutter. Einmal trifft er ein veritables Seeungeheuer. Und in einer fiebrigen Passage sehen er und Bonpland ind er Nachmittagshitze über dem Orionko ein Ufo. Außerdem findet zwischen Humboldt und Gauß städig eine Gedankenübertragung statt, von der sie beide nichts wissen, die nur der Leser bemerkt. Zwischen ihrer beider Leben läuft wie auf einem Webstuhl das Schiffchen mit den Motivfäden hin und her.«
Herzlich, lieber Herr Griep.
@UltraDonHH & Querdenken,
Wenn Daniel Kehlmann schon die Namen schillernder Persönlichkeiten verwendet (was sicher nicht unerheblich für den Erfolg seines Buches ist), kann doch nichts daran falsch sein, von anderer Seite auf die verfälschten Charakterisierungen und Tatsachen hinzuweisen.
Es geht hier nicht um die Definition eines Romans oder Postkutschenfederung. Letzteres ist wohl eher eine rhetorische Überspitzung von Wolfgang Griep.
Wie schon in der Kritik, ebenfalls überspitzt, geschrieben steht, wäre es doch unverfänglicher gewesen, wenn Daniel Kehlmann gleich auch andere Namen verwendet hätte.
@HobNob
Wo liegt das Problem an dieser Kritik. Die Hinweise von Herrn Griep sind doch gerechtfertigt, wie schon einige Kommentare hier beweisen. Wer hätte sich darüber hinaus sonst noch diese Arbeit gemacht? Und vor allem, wer hätte nicht alles geglaubt, was Daniel Kehlmann geschrieben hat?
Wenn ich das richtig sehe, ist der Autor verärgert darüber, daß ein historischer Roman gerade ein historischer _Roman_ ist, und das Vermitteln von skrupulös genauen historischen Informationen eben nicht immer an erste Stelle stellt. Aber mal ganz ehrlich: jemand der verläßliche Informationen zur Federung preußischer Kutschen oder ähnlichem sucht, wird doch hoffentlich soviel gesunden Menschenverstand aufbringen, sich nicht auf die Lektüre historischer Romane zu verlassen. Egal wie gut sie recherchiert sein mögen. Also wo genau liegt dann bitte das Problem?
Ein schöner Artikel!
Man sollte sich beim Lügen nicht erwischen lassen.
Für jeden Schriftsteller gilt, daß er bei überprüfbaren Details besonders pingelig sein sollte, sonst findet sich immer ein Leser, der ihm beweist, wo er gemogelt bzw. die Unwahrheit gesagt oder einfach geschludert hat.
Lieber Herr Wolfgang Griep,
bleiben Sie zukünftig doch bitte bei Reise- und Historienschinken; mag ja sein, daß Sie von denen auch wirklich Ahnung haben, das vermag ich nicht zu beurteilen. Nur unterlassen Sie doch bitte Kommentare zu Texten, deren Inhalt sich Ihnen ganz offensichtlich in keinster Weise erschlossen hat.
Falls es Ihnen wirklich noch niemand gesagt haben sollte: In dem Buch geht es von der ersten bis zur letzten Seite um die Psychologie höchstbegabter und schwer verletzter, weil ungeliebter Kinderseelen und den aus dieser Konstellation resultierenden möglichen Folgen und Spätfolgen, um sonst gar nichts. Der Rest ist Form, und nur scheinbar Inhalt.
Ob historisch oder nicht, ich habe dem Werk im Allgemeinen nichts in dem Maße abgewonnen, wie es seine Verkaufszahlen verheißen und wie es von der Kritik überschwänglich aufgenommen. Ich finde es ein durchweg mittelmäßiges Buch, dessen vielgepriesene Komik und Ironie sich mir einfach nicht erschließen will. Es besteht in meinen Augen niemals den Vergleich mit Süßkinds Bestseller, der ein echter 'Pageturner' ist.
Es fehlt ihm an Doppelbödigkeit, mit seinen kurz und bündigen Satzbauten an Rhythmik und sprachlicher Eloquenz; zuletzt aber vor allem an Aktualität!
Nun ja, dies ist natürlich mein ganz persönlicher Geschmack. Aber die Zeit wird´s zeigen, nicht wahr!?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren