Afghanistan "Taliban sind gesprächsunfähig"Seite 3/3
ZEIT online: Mit wem sollte man reden?
Ruttig: Mit lokalen Aufständischen kann man reden, auch mit örtlichen Taliban-Führern. Viele sind pragmatisch, ihnen geht es häufig nur um eine Verbesserung der Lebensbedingungen in ihren Regionen. Da kann man anknüpfen und das Denkmuster einer militärischen Konfliktlösung durchbrechen. Militärisch lässt sich das Land nicht befrieden. Die Taliban sind eine Guerilla-Bewegung, die sich mit Flächenbombardements nicht vertreiben lässt. Gegen Anschläge muss man sich wehren, aber die Bevölkerung muss das Gefühl bekommen, dass die afghanische Regierung und die internationale Staatengemeinschaft für sie mehr bewirken kann, als die andere Seite.
ZEIT online: Das heißt, es muss mehr Geld in die Hand genommen werden?
Ruttig: Sowohl als auch. Es braucht politische Reformen und mehr Entwicklung. Das Land braucht mehr Rechtsstaatlichkeit und eine Regierung, die das ganze Land repräsentiert. Der Einfluss der alten Warlords, der bis in die Regierung reicht, muss zurückgedrängt werden. Vertrauen ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit, das heißt, es müssen auch solche Drogenhändler zur Verantwortung gezogen werden, die in Regierungspositionen sitzen. Und dann braucht es natürlich auch mehr Geld und mehr Entwicklungsprojekte, vor allem in den Regionen, die vom der Ausweitung des Aufstandes bedroht sind.
ZEIT online: Aber das Land braucht keine Friedenskonferenz mit Beteiligung der Taliban?
Ruttig: Nein. Die Taliban-Führer setzen auf Terror und sind gesprächsunfähig.
ZEIT online: Ist der Krieg denn noch zu gewinnen oder drohen in Afghanistan irakische Verhältnisse?
Ruttig: Ein Jahrzehnte alter Konflikt lässt sich nicht in ein paar Jahren lösen. Jeder braucht hier einen langen Atem. Ein Großteil der afghanischen Bevölkerung befürwortet weiterhin das internationale Engagement, zivil wie militärisch. Es gibt anders als im Irak keinen Bürgerkrieg zwischen zwei großen ethnischen oder religiösen Gruppen. Der Konflikt ist im Kern viel mehr eine Auseinandersetzung zwischen einer fundamentalistischen Bewegung und einem Reformprogramm zum Wiederaufbau des Landes.
Thomas Ruttig (49) lebte viele Jahre in Afghanistan, arbeitete in Kabul unter anderem für die UN, die EU und die deutsche Botschaft. Derzeit ist er Gastwissenschaftler der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, hält sich aber zurzeit zu einem Studienaufenthalt in Afghanistan auf.
Das Gespräch führte Christoph Seils.
- Datum 14.04.2007 - 03:33 Uhr
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Ich hab die Afgahnen als sehr freundlich oder mindestens höflich gegen Fremde kennengelernt. Trotzdem haben sie sich immer von Fremdbeherschung freigekämpft, auch von den Briten.
Ruttigüber als Moderator der Besatzung wird bestimmt von keinem Afghanen eine deutliche Kritik zu hören bekommen, sondern eher unverbindliches, das durch Wunschdenken dann als Zustimmung gewertet wird. Auch die Taliban hätten längt Abstriche machen müssen bei dem harten REgime das sie geführt haben. Die Taliban waren ungefähr solange an der Macht wie die 'demokratische' gekaufte Regierung nördlicher Warlords denen man ganze Regionen als Lehen gegeben hat, damit sie den Menschen auch sagen wo die Kreuze auf den Wahlzetteln hingehören. Ansonsten herscht totale Willkühr was noch schlimmer ist als eine harte Ordnung, Die Taliban haben nach dem Bürgerkrieg im Vergleich zu den Besatzern und ihren Günstlingen beachtliche Aufbauleistung bewerkstelligt, und mehr Sicherheit den Bürgern gewährleistet. Insofern ist die Besatzung keine Alternative zu den Taliban, sondern die Alternative ist wie auch in Iran , dass je mehr sozialer und wirtschaftlicher Aufbau stattfindet , die harte Ordnung sich internationalen Standards annähern wird. Unter den Bedingungen von gewaltsamer Missionierung ,Besatzung, Sanktionen Bedrohung und Technologieverboten ist das nicht möglich.
@Fritzfernando:
Die Taliban waren nie wirklich bereit, ihre barbarische Frauen-, Minderheiten- und Kulturpolitik zu zivilisieren, und zwar nicht, weil seinerzeit (1995-2001) der Krieg gegen die Nordallianz alle Kräfte gebunden hätte, sondern weil ihnen vor dem Hintergrund ihres dogmatisch-erstarrten, weltfremden Islamverständnisses, das ihnen in pakistanischen Madrassahs wie der berühmt-berüchtigen Haqqania bei Peshawar eingetrichtert worden war, jeder Gedanke an das irdische Wohlergehen der Bevölkerung fremd war - ein Taliban-Vertreter antwortete einmal einem westlichen Reporter: 'Ihr liebt das Leben - wir lieben den Tod!'. Das solche Jenseitsfanatiker keinen Gedanken an wirtschaftlichen und sozialen Aufbau verschwenden, liegt auf der Hand - Hauptsache, die Bärte haben korrekte Länge, die Kriegswitwen verhungern mit ihren Kindern gottergeben hinter Lehmmauern und Burkas, dann klappt es schon mit dem Paradies! Das einzige, was unter der Taliban-Herrschaft tatsächlich (aber auch nur rudimentär) aufgebaut wurde, waren gelegentliche Instandsetzungen des Herat-Kandahar-Highways und die Anfänge eines Mobilfunknetzes in der Region Kandahar - was jedoch in erster Linie der pakistanisch-afghanischen Schmugglermafia und ihren Handelsbeziehungen nach Zentralasien zugute kam, Ahmad Normalafghane hatte da kaum etwas von.
Und wen meinst du mit den Besatzern und ihren Günstlingen? Selbst die Sowjets haben für die afghanische Infrastruktur mehr getan als die Taliban, und deren kümmerliche Errungenschaften höher zu bewerten als die Aufbauleistung unter der Regierung Karzai seit 2002 kann nur jemandem in den Sinn kommen, der sich noch nie ernsthaft mit dem heutigen Afghanistan beschäftigt hat.
Der letzte Satz zeigt dann von völligem Realitätsverlust - wer bitte will die Afghanen gewaltsam (zum Christentum??) missionieren, wer enthält ihnen moderene Technologien vor??
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