Nach dem blutigen Amoklauf an der Hochschule im US-Bundesstaat Virginia herrscht noch immer Fassungslosigkeit und Trauer. Im gesamten Land wehen die Fahnen auf Halbmast. 30.000 Studenten und Lehrkräfte gedachten am Dienstag auf einer bewegenden Trauerfeier der Opfer des bislang blutigsten Amoklaufes in der Geschichte der USA . An dem Gedenkgottesdienst auf dem Campus nahmen auch US-Präsident George W. Bush und seine Frau Laura teil. Bush sprach vom bislang schlimmsten Tag im Leben vieler Studenten. "Es ist ein Tag der Trauer für die Virginia Tech, und es ist ein Tag der Traurigkeit für das ganze Land", sagte der Präsident. "Ich hoffe, in dieser Zeit der Qual wissen Sie, dass Menschen im ganzen Land an Sie denken." Ratlosigkeit und Entsetzen: Präsident Bush bei der Trauerfeier auf dem Campus in Blacksburg

Das Fernsehen zeigte Bilder von weinenden Angehörigen und Freunden der Getöteten, die sich gegenseitig Trost spendeten. Viele Studenten trugen orangefarbene T-Shirts der Universität. Mit brennenden Kerzen hielten am Abend Tausende Menschen eine Gedenkwache vor der Norris Hall, wo der Amokläufer 32 Studenten und Dozenten erschossen hatte, bevor er sich selbst umbrachte.

Unklar ist immer noch das Motiv des Todesschützen. Virginias Gouverneur Tim Kaine kündigte eine Untersuchung an, ob es tatsächlich Warnsignale und Hinweise von Lehrkräften auf ein auffälliges Verhalten des Täters gab, wie es in verschiedenen Berichten hieß, und ob sie nicht ernst genommen wurden.

Zwar hat die Polizei den 23 Jahre alten Cho Seung-Hui als Täter identifiziert. Über die Gründe, die ihn zu dem Massaker trieben, gibt es jedoch weiter nur Spekulationen. Mit acht Jahren war der südkoreanische Staatsbürger Cho Seung-Hui in die USA gekommen, hatte eine Greencard, studierte Englisch an der Universität. Mitstudenten gaben an, dass er gewaltverherrlichende Computerspiele liebte.
Cho Seung-Hui, der aus Südkorea stammende Todesschütze von Blacksburg

Ersten Erkenntnissen zufolge handelte es sich nicht um eine Kurzschlusstat. Am vergangenen Freitag habe sich Cho die Neun-Millimeter-Pistole gekauft, die er bei dem Amoklauf einsetzte, berichtete der Fernsehsender ABC. Wenig später habe er sich eine 22-Millimeter-Waffe zugelegt. Angeblich hatte Cho am Montagmorgen zunächst in seinem Wohnheim im Streit eine Mitstudentin und einen Kommilitonen erschossen, der ihr zu Hilfe kommen wollte. Dann soll er in sein Zimmer zurückgekehrt sein, wo er sich neu bewaffnete und Medienberichten zufolge ein Schreiben zurückließ, in dem er Hass auf seine Kommilitonen äußerte. Danach sei er in das Unterrichtsgebäude auf dem Campus gegangen und habe dort das Blutbad angerichtet.

Auch mehren sich Hinweise, dass es vor der Bluttat viele Warnsignale gab. Die Englisch-Dozentin Lucinda Roy war nach eigenen Worten so beunruhigt über ihren Studenten, dass sie die Uni-Leitung informierte und den Südkoreaner ein Semester lang allein unterrichtete. Grund war ein Theaterstück, das Seung-Hui im Herbst vergangenen Jahres geschrieben hatte. Das bei AOL News veröffentlichte Stück wird in US-Medien als makaber, pervers und voller Gewalt beschrieben.