Manchmal geht alles ganz schnell im Popgeschäft: Ein paar verpatzte Konzerte, ein mittelprächtiges Album, und abwärts geht’s in die Bedeutungslosigkeit. Das gilt für die ganz Jungen wie für die ganz Alten. Vor einigen Jahren scheiterte Kim Frank mit seiner Schülerband Echt. Heute – mit Mitte 20 – versucht er ein jämmerliches Comeback. Ob Tokio Hotel in ein paar Jahren Ähnliches widerfahren wird? Der deutsche Tourneebeginn im Allgäu jedenfalls ging in die Hose: Von den rund 8000 Karten seien nicht einmal die Hälfte verkauft worden, schreibt Spiegel Online . Von 3000 bis 5000 Besuchern ist die Rede.

Mal ehrlich, für die erfolgsverwöhnten Jungs aus Magdeburg ist das doch fast, als spielten sie ein Konzert im Wohnzimmer. "Ist der Hype schon vorbei?", fragt der Spiegel . Wenn man den Hass, den Tokio Hotel bei einigen Heavy-Metal-Fans hervorrufen, zum Maßstab nimmt, sicher nicht. Denn das Pop-Quartett muss sich neuerdings sogar um die Sicherheit ihrer Fans sorgen. Näheres erfährt man in der Welt , die sich ihrerseits auf die Bild -Zeitung stützt. "Wie Bild berichtete, forderten Gegner der Band, deren Fans vor allem Mädchen zwischen zehn und 15 Jahren sind, auf Propaganda-Plakaten: ’Kramt eure Streitäxte, eure Morgensterne und eure Breitschwerter raus. Wir rufen zur Schlacht gegen Tokio Hotel! Der Feind ist stark. Wir sind stärker.’ Die Absender dieses Aufrufes geben sich als Metal-Fans aus." Gibt es also wieder eine Geschmackspolizei im Segment der harten Gitarrenriffs?

Angefangen habe der Fan-Krieg schon viel früher, schreibt die Welt weiter. Die Band musste die Schule verlassen und lernt mittlerweile über das Internet. "Denn am Gymnasium sollen sie mit Anfeindungen wie ’Kinderband’, ’Schwuchteln’ oder ’Spinner’ beleidigt worden sein. Mitschüler trugen T-Shirts mit der Aufschrift Kill Bill . Der Sänger und Frontmann ist besonders oft das Opfer intoleranter Tokio-Hotel-Gegner, sei es wegen der Schminke, der langen Haare oder einfach nur, weil er der besondere Liebling der Fans ist."

Grundlegende Gedanken über das DJing in Zeiten seiner technischen Reproduzierbarkeit macht sich Paul-Philipp Hanske in der SZ . Die Umstrukturierung der Tonträger-Branche treffe auch die DJs. Der Übergang von physisch-analogen zu immateriell-digitalen Medien habe weitreichende Konsequenzen für den DJ als Popstar, heißt es in der SZ . "Zwei Eigenschaften sind es, die einen DJ auszeichnen: die Perfektion seiner Mischung und die Exklusivität seiner Platten. Beide Prinzipien aber werden durch die digitalen Möglichkeiten ad absurdum geführt." Exklusivität sei im Netz für jeden zu haben und mit Ableton Live stehe ein Computerprogramm zur Verfügung, dass Musikdateien akustisch ineinander schiebe. "Schon heute entstehen die meisten Mix-CDs, mit denen sich Discjockey profilieren, nicht am Plattenspieler, sondern am Rechner." Das Hantieren am Plattenspieler diene allenfalls der Show. Der Pop liebe seine Posen. Ohne diese könne der DJ kein Popstar sein. Denn "Laptop-DJing" sei im Vergleich dazu "nicht sehr sexy. Die DJs wirken bei ihrer Arbeit, als läsen sie gerade eine E-Mail auf dem Schirm vor sich." Und wer möchte dabei schon zusehen?

Posen sind das halbe Geschäft, auch im HipHop. Das Bild des Gangsta-Rappers ist ein griffiges Marketing-Werkzeug. Nach mehrjähriger Verspätung ist es in Deutschland angekommen. Mit den wirklichen Kriminalfällen, die seit jeher nicht wenige Stars der amerikanischen HipHop-Szene begleiten, hat das Großmaulheldentum des Berliners Bushido allerdings wenig gemein. Und auch eine eigens eingerichtete Abteilung der Polizei, die sich ausschließlich mit Kriminalfällen im Rap-Milieu beschäftigt, ist hierzulande schwer vorstellbar.

Derrick Parker leitete jahrelang eine solche Spezialeinheit der New Yorker Polizei. Heute steht er einer Sicherheitsfirma vor und hat seine Erfahrungen in einem Buch ( Notorious C.O.P. ) verarbeitet. Für das SZ-Magazin unterhielt sich Kerstin Greiner mit dem Fachmann der HipHop-Bandenkriege. Für keine andere Musikrichtung gebe es beim NYPD eine solche Einheit. Fachkenntnisse habe sich der Ermittler erst aneignen müssen. "Ich musste herausfinden, wer mit welcher Gang sympathisiert, wer sich in Songtexten gegenseitig schlechtmacht, wer mit wem im Streit liegt – in der Szene heißt das: mit jemandem einen Beef haben." Ob er dafür jeden Tag einen neuen Schwung Platten kaufen müsse? "Ein Budget für Platten stellt das NYPD leider nicht. Aber ich habe gute Kontakte in die Szene, weil ich viele Jungs noch aus meiner Zeit als Drogencop kenne. Die arbeiten jetzt als Manager für Rapper oder als Bodyguards." Der Kampf zwischen Ost- und Westküste – ein Mythos im amerikanischen HipHop – verschaffte ihm reichlich Arbeit. Puff Daddy hatte er mehrmals im Visier. Aber: "Puffy kommt immer aus seinen Fällen heraus. Ich habe so oft gegen ihn ermittelt, dass er irgendwann zu mir sagte: Hey, du kannst mich Puff nennen. Unter Polizisten hatte er den Spitznamen Teflon Don , weil an ihm alles abperlt wie an Teflon."