Moderne Mythen Aber heute ist doch...

Warum wiederholt sich das Gewese um Freitag, den 13. so hartnäckig? Forscher wissen längst, dass nichts als lupenreiner Aberglaube dahintersteckt. Und der ist sogar noch erstaunlich jung.

Ui, ui, ui! Wenn der Kalender dieses Datum zeigt, kriegen es viele Menschen mit der Angst zu tun

Ui, ui, ui! Wenn der Kalender dieses Datum zeigt, kriegen es viele Menschen mit der Angst zu tun

An diesem Freitag werden die Geschichten wieder die Vermischten-Seiten füllen: Dass in unserer ach so rationalen Zeit der Aberglaube nicht auszurotten ist. Dass die Leute immer noch an uralte Märchen glauben - wie die, dass Freitag, der 13. ein Unglückstag ist. Dass unzählige Menschen entweder an Triskaidekaphobie leiden - der Angst vor der Zahl 13 - oder gar an Paraskavedekatriaphobie, der krankhaften Angst vor Freitag, dem 13. als solchen. Und dass, wenn sich die von diesen Phobien geplagten Menschen am vermeintlichen Unglückstag aus dem Haus wagen, ihnen tatsächlich allerlei Ungemach zustößt – nicht, weil Freitag, der 13. Pech brächte. Sondern weil aus bösen Vorahnungen natürlich Self-fulfilling Prophecies werden.

An diesen pseudo-aufklärerischen Feuilletongeschichten ist so gut wie nichts richtig. Es ist mitnichten seit Urzeiten die Rede davon, Freitag, der 13. sei ein Unglückstag. In Deutschland kam die Sache erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf, importiert aus Amerika. Die genannten Phobien mit den lustigen Namen wiederum tauchen zwar tatsächlich in medizinischen Listen auf – die Zahl der Fälle aber wird nirgends genannt, vermutlich gibt es ähnlich viele Betroffene wie bei der Chionophobie (der Angst vor Schnee) und die Siderodromophobie (der Angst, mit der Bahn zu reisen). Und was die selbsterfüllenden Prophezeiungen angeht: In den Unfallstatistiken sucht man vergeblich nach Indizien. Freitag, der 13. ist nicht unfallträchtiger als Freitag, der 6. oder Freitag, der 20.

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Das jedenfalls haben mehrere statistische Arbeiten gezeigt, zuletzt jene von Edgar Wunder in der Zeitschrift für Anomalistik aus dem Jahr 2003. Der Soziologe listet darin nicht nur die nackten Fakten auf, er hat auch seine eigene Meinung zum Charakter dieses modernen Aberglaubens. Er sei eben kein Relikt aus vorwissenschaftlicher Zeit, im Gegenteil: Das "Zeitalter der Wissenschaft" bringe solche Phänomene erst hervor, meint Wunder, und zwar "mit zunehmendem Erfolg“.

Ähnlich sieht das auch der Volkskundler Gunther Hirschfelder von der Universität Bonn, der in der Neuen Zürcher Zeitung schrieb: "Schließlich braucht auch die Postmoderne Markierungspunkte, die Leben und Jahr einteilen." Wo traditionelle Eckpunkte wegfielen und Kirchenjahr oder Erntebeginn an Bedeutung einbüßten, da erfinde der Mensch neue Termine, "weil unsere biologischen und kulturellen Uhren einen Taktgeber brauchen."

Hirschfelder stellt Freitag, den 13. in eine Reihe mit anderen neuen „Kunst-Terminen“ wie Halloween oder den Muttertag, die hauptsächlich von den Medien vermittelt werden. Mit dem Unterschied, dass sich zum Freitag, den 13. noch keine Bräuche und Rituale gebildet haben.

Wir ziehen an diesem Tag nicht durch die Straßen oder kleiden uns in lustige Kostüme. Wir sind allein mit unserer Tageszeitung - und können uns am Freitagmorgen darüber freuen, dass wir nicht an Paraskavedekatriaphobie leiden. Wieder eine Sorge weniger.

Zum Thema
Häufige Unglückszahl - Stimmt es, dass der 13. eines Monats öfter auf einen Freitag fällt als auf jeden anderen Wochentag? »

Mehr zum Thema im Internet:
Die Studie von Edgar Wunder: Die Folgen von „Freitag, dem 13.“ auf das Unfallgeschehen in Deutschland

Gunther Hirschfelder: Freitag, der 13. – ein Unglückstag?

 
Leser-Kommentare
  1. Die Angst vor Bahnfahrten muß nicht unbedingt eine Krankheit sein. Bei dem miesen Managment von Mehdorn & Co. - den Einsparungen bei der Sicherheit zugunsten der Gewinne und des Kapitals - meide ich Bahnfahrten grundsätzlich. Was hat das mit Krankheit oder Phobie zu tun? Ich halte es eher für gesunde Vorsicht.

  2. Pteronophobia = Angst, mit Federn gekitzelt zu werden
    Bolschephobia = Furcht vor Bolschewisten
    Geniophobia = Angst vor dem Doppelkinn
    Octophobia = Furcht vor der Acht
    Limonophobia = Angst vor Bindfäden
    Arachibutyrophobia = Furcht vor am Rachen klebender Erdnussbutter

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