Online-Werbung Googles Meister-Klick

Google kauft den Internet-Werbevermarkter Doubleclick. Microsoft fürchtet Wettbewerbsnachteile. Doch die Pläne des Konkurrenten gehen noch wesentlich weiter: Bald schon könnte Google den Werbemarkt grundsätzlich umkrempeln.

Google ist ein ganz besonders Kunststück gelungen: Der Internetkonzern hat ausgerechnet den Rivalen Microsoft dazu gebracht, sich an die Kartellbehörden der USA zu wenden - mit dem Vorwurf, Googles Kauf des Online-Werbevermarkters Doubleclick schränke den Wettbewerb ein.

Nun kann Microsoft nicht unbedingt als ideales Beispiel gelten, wenn es um die Frage geht, ob ein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Eines allerdings lässt sich an dem neuen Google-Geschäft ablesen: Der Suchmaschinenbetreiber ist dabei, sich nicht nur zu einer technologischen, sondern auch zu einer ökonomischen Größe zu entwickeln, die dem Software-Fastmonopolisten offenbar ernsthaft Sorge bereitet. Der Kauf von Doubleclick ist dabei nur ein Schritt. Google hat es sich offenbar zum Ziel gesetzt, den Werbemarkt grundsätzlich zu verändern.

3,1 Milliarden Dollar soll die Übernahme von Doubleclick kosten. Voraus ging ein Bieterwettbwerb, an dem sich auch Microsoft, Yahoo und AOL beteiligt hatten. Microsoft, so war zu hören, stieg aus, als die Gebote zwei Milliarden Dollar überschritten. Der Zukauf werde wohl bis zum Jahresende abgeschlossen sein, teilte Google am Wochenende mit.

Der Internet-Konzern verdient sein Geld bislang vor allem durch Textanzeigen. Mit Doubleclick stößt das Unternehmen nun weiter in den Markt für grafische Werbung auf Websites vor, welche die Hälfte des gesamten Werbemarkts im Internet ausmacht. Bislang ist Yahoo in diesem Segment führend. Doubleclick ist seit seiner Gründung 1996 ein Pionier der Online-Werbung. Hier wurden die ersten so genannten werblichen Popups und Popunders (Werbefenster, die sich selbstständig über oder unter den eigentlichen Text legen) erfunden. Die überwiegende Zahl der Doubleclick-Kunden - 1500 sollen es sein - sitzt in den Vereinigten Staaten.

Obwohl die Online-Werbung hohe Wachstumsraten vorzuweisen hat, investieren viele Werbetreibende immer noch viel Geld in Reklame in klassischen Medien, obwohl hier oft wesentlich weniger Menschen als im Internet erreicht werden. Weshalb der Kauf statt des großen Wurfes auch nur ein weiterer Zwischenstep einer Strategie sein könnte, mit der der Werbemarkt in seinen Grundstrukturen verändern werden soll.

Denn was Google noch immer fehlt, ist der direkte Zugang zu den Werbeetats vieler großer Konsumgüter-Konzerne, von Henkel bis Nestle, von Gucci bis Adidas. Dazu reicht es nicht aus, gute Vertriebswege und Techniken bereit zu stellen. Vielmehr braucht Google eigentlich noch eine der großen internationalen Werbe- oder Mediaagenturen, die ihren Kunden die neuen Möglichkeiten der Reklame im Netz schmackhaft machen. Vielleicht also folgt auf die Doubleclick-Übernahme ein noch wirkungsvollerer Schritt. Geld hat Google jedenfalls dafür mehr als genug. Die jetzt fälligen 3,1 Milliarden Dollar will der Konzern jedenfalls bar bezahlen, so wie vor einiger Zeit den Kauf von YouTube. Und auch danach bleibt noch genügend über. Die Konkurrenz ist gewarnt.

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Leser-Kommentare
  1. 1.

    Microsoft ist witzig. Erst mitbieten und dann im Kartellamt beschweren.

    Google bietet Dienstleistungen im austausch zu Werbung an, im Gegensatz zu Microsoft deren Produkte dauernd über den 2-stelligen Bereich sind. Wenn Google so weiterhin nur Werbung macht interessierts mich nicht, wie weit die Marktanteile denen gehören ober ob sie das Monopol besitzen.
    Google könnte sich höchstens daran gewöhnen, die Dinge nicht solange im Beta-Status zu lassen.

  2. Was leider aus den News zu dieser Transaktion oft stark verfälscht hervorgeht:

    DoubleClick ist KEIN Vermarkter von Werbeflächen oder -mitteln und bietet auch keine selbigen an (im Gegensatz zu Google)!

    DoubleClick ist reiner technischer Dienstleister für die Schaltung von Werbung. Also eher wie eine freie Druckerei, die lediglich im Auftrag arbeitet.

    Bei dieser Diskussion hatlte ich diese Richtigstellung für sehr relevant.

    • MacT
    • 16.04.2007 um 14:11 Uhr

    Die Werbung auf zeit.de wird doch offensichtlich über Doubleclick abgewickelt. Warum taucht diese Information im Text nicht auf, obwohl sie von elementarer Bedeutung für die Bewertung der Unabhängigkeit des Textes nötig ist?

    In der Printausgabe wird bei jeder kleinsten Erwähnung von Holtzbrink darauf verwiesen, dass die Zeit zu dessen Verlagsgruppe gehört. Dies sollte sich die Zeit.de zum Vorbild nehmen.

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