Interview Die neue Front von al-Qaida
Die Attentate von Algier beweisen, dass die Terrororganisation auch im Maghreb Fuß fasst. Ein Gespräch mit Isabelle Werenfels, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Naher Osten und Afrika der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik
23 Tote und 160 Verletzte: Die Bilanz der Attentate in der algerischen Hauptstadt Algier
ZEIT Online: Zu den Anschlägen in Algier am Mittwoch hat sich die al-Qaida des Islamischen Maghrebs bekannt. Wer steckt hinter dieser Gruppe?
Isabelle Werenfels:
Entstanden ist sie aus der Bewegung GSPC (Groupe Salafiste pour la Prédication et le Combat), die sich 1996 während des algerischen Bürgerkrieges von der GIA (Groupes Islamistes Armés) abgespalten hat. Ursprünglich ging es der GSPC um den Sturz des algerischen Regimes, daher die gezielten Anschläge auf die algerischen Behörden und Sicherheitskräfte. Zivile Opfer hat sie in der Regel vermieden. Aber sie war auch für die Entführung der 32 europäischen Touristen in der Sahara 2003 verantwortlich. Generell kann man sagen, dass sich die GSPC stets zwischen Kriminalität und politischer Legalität bewegt hat.
Seit 2003 ungefähr gab es von der GSPC immer weitere Versuche, sich mit den Widerstandsgruppen im Irak zu solidarisieren sowohl mit al-Qaida nahen Gruppen, als auch mit al-Qaida selbst. Das ging einher mit einem Führungswechsel: Heute besteht die Führung aus Kämpfern, die hauptsächlich in Afghanistan ausgebildet worden sind. Die Umbenennung in al-Qaida des Islamischen Maghrebs im Januar diesen Jahres gab der Tendenz dann auch nach außen einen internationalen Anstrich. Und man kann schon seit einigen Jahren von einer pan-Maghrebisierung der GSPC sprechen. Ein deutliches Zeichen dafür ist, dass immer mehr Tunesier und Marokkaner in den vergangenen Jahren rekrutiert wurden. Ayman Al-Sawahiri, die Nummer 2 von al-Qaida, will seit langem neue Fronten im Maghreb öffnen.
ZEIT Online: Was sind die Ziele der GSPC?
Werenfels: Unmittelbar ging es bei den Anschlägen vom Mittwoch wohl darum, vor den Parlamentswahlen im Mai Signale zu setzen, mit dem Ziel, den Versöhnungsprozess von Präsident Bouteflika zu schwächen und das Land zu destabilisieren. Es geht auch um internationale mediale Aufmerksamkeit. Dadurch soll die Rekrutierung neuer Mitglieder vorangetrieben werden. Und je repressiver ein Regime ist, und das algerische ist zweifellos kein demokratisches, umso einfacher ist es, Jugendliche für die Ziele solcher Gruppierungen zu gewinnen.
ZEIT Online: Diese Attentate setzen auch Signale gegen die wirtschaftlichen und außenpolitischen Orientierungen der algerischen Regierung.
Werenfels: In der Tat hat sich Algerien nach Ende des Bürgerkrieges in den 1990er Jahren stabilisiert und ist zu einem angesehenen internationalen Partner in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen geworden. Nicht zuletzt hängt das mit den Erdgasvorkommen zusammen, aber auch mit der Außenpolitik von Bouteflika generell, die relativ pro-westlich ist. Es gibt eine enge Kooperation mit den Amerikanern im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Das sind natürlich Dinge, die diesen Gruppierungen ein Dorn im Auge sind. Konkret möchte man die Ausländer in Algerien bekämpfen, das ist in Erklärungen immer wieder herausgekommen. Seit Dezember wurden zwei Anschläge verübt, die internationale Firmen zum Ziel hatten. Das eine war zum Beispiel ein Joint-Venture von Halliburton mit einem algerischen Konzern. Aber letztlich unterscheidet es sich inhaltlich nicht mehr allzu stark von dem, was derartige Gruppierungen auch in den anderen Staaten wollen: Sie wollen die westlichen Mächte bekämpfen und sie wollen die arabischen Regierungen stürzen, die mit der westlichen Welt kooperieren.
- Datum 12.04.2007 - 09:47 Uhr
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ist die Welt. Algerien wollte doch tatsächlich ein Gaskartell gemeinsam mit Putin gründen. Und dann ein Schuss vor dem Bug.
Botschaft: Algerien muss in die Front des 'War On Terror' und ein proamerikanischer Staat werden, dann hört es auf ein Al-Qaida-Land zu sein, dass derbst von Terror bedroht ist. Die ganze Medienmeute macht proklamiert schon die ganze Zeit einstimmig, dass die Al-Qaida in Maghreb fuss gefasst hat. Woher sie das so genau wissen? Kennen sie etwa die Expansionspläne und Strukturen von Al-Qaida? Wissen sogar wo sie ihre Sitze hat? Wieso sollte es kein singulärer Anschlag sein? Wieso wird es dieser Anschlag von den Medien als Eröffnungsparty der maghrebischen Al-Qaida behandelt? Fragen über Fragen!
Wieso macht eigentlich Al-Qaida einen willkürlichen Anschlag in Algier? Wo hat es vorher gewarnt? In welcher Al-Qaida-Agenda steht das?´
Algerien sollte das Gas sofort rausrücken und nicht mit solchen Schmuddelkindern wie Putin spielen.
... aber jetzt ist es vollbracht: Auch der letzte muslimische Bombenbastler wurde in der virtuellen Al-Kaida aufgenommen. Mich würde interessieren ob es Al-Kaida überhaupt jemals gegeben hat. Es erscheint mir wie eine hohle Phrase aus 1984.
Natürlich hat es Bombenanschläge gegeben. Aber um eine Bombe zu zünden braucht man keinen zentralen Dachverband. Nur die Deutschen müssen erst einen Verein gründen um eine Bombe hochgehen zu lassen, siehe RAF.
Ahmadinadscheds Ziel ist 'ein islamisches Reich bis nach Spanien'. Die Al-Kaida hingegen zielt auf 'ein islamisches Reich bis nach Andalusien'. Das ist etwas völlig anderes. Das sollte doch jedem einleuchten, oder?
es gibt da ein tolles feature von bettina rühl (nein, nicht die terroristentochter), 'im treibsand', mit ein bißchen glück beim deutschlanfunk abteilung dossier als pod herunterladbar.
sie erzäählt darin die verwirrende geschichte einer entführung von deutschen und schweizern.
stimmt eins:euns mit dem überein, wie du das siehst ...
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