Die Staatsanwaltschaft in Bonn wirft den drei Tätern vor, ihren Mitgefangenen am 11. November 2006 auf grausame Weise, aus Mordlust, aus niedrigen Beweggründen und zur Verdeckung von Straftaten getötet zu haben. Zuvor hätten sie den 20-Jährigen in fünf Fällen misshandelt und in drei Fällen sexuell missbraucht und vergewaltigt, stellte die Staatsanwaltschaft fest. Zur Tatzeit waren die Beschuldigten zwischen 17 und 20 Jahre alt. Die Ermittlungsverfahren gegen Vollzugsbeamte in dem nordrhein-westfälischen Gefängnis wurden dagegen eingestellt.

Die Misshandlungen, so ergaben die polizeilichen Untersuchungen, begannen an einem Samstag nach dem Mittagessen: Einer der Täter wickelte ein Stück Seife in ein Handtuch und schlug damit auf den jungen Mann ein, der auf dem Bett lag. Die beiden anderen seien dem Beispiel gefolgt. Das Opfer musste dann eine Mischung aus Wasser, Salz und scharfem Pulver trinken und eine Tube Zahnpasta und anschließend sein Erbrochenes essen. Dann sollen die Täter ihn mit einem Handfegerstiel vergewaltigt haben.

Nachmittags diskutierten die drei Täter darüber, ob sie ihr Opfer umbringen sollten. Die Staatsanwälte berichten davon, die Täter hätten überlegt, dass sie zu viert mehr einkaufen könnten als zu dritt, aber auch, dass sie für Mord härter bestraft würden als für Körperverletzung. Letztlich hätten sie aber darauf gebaut, dass ein Toter "nicht mehr erzählen" könne.

Die drei beschlossen, den jungen Mann aufzuhängen. Sein Tod sollte wie ein Selbstmord aussehen. Die Männer spekulierten offenbar darauf, dass sie nach dem als Selbstmord getarnten Verbrechen psychische Probleme vortäuschen und so auf eine frühere Haftentlassung hoffen dürften. Einer der Beschuldigten sagte aber auch, man habe sehen wollen, wie ein Mensch stirbt. Um bei einer Untersuchung ihres Opfers Verletzungen erklären zu können, zwangen sie den 20-Jährigen, aus dem Fenster heraus andere Gefangenen zu beleidigen. Dafür bestraften sie ihn dann.

Fast zwei Stunden dauerten nach den Ermittlungen die ersten vier Versuche, den Mithäftling zu erhängen. Das Opfer musste sich auf einen Eimer stellen und diesen selbst wegtreten. Nach eineinhalb Minuten brachten die Täter den ohnmächtigen Mann durch Schläge wieder zu Bewusstsein, fragten ihn, wie er sich angesichts des nahen Todes fühle, und ließen ihn eine Zigarette rauchen. Dann erhängten sie ihn. Der 20-Jährige starb kurz nach 23 Uhr. Am nächsten Morgen riefen sie die Bediensteten herbei.

Zwei Mal waren an jenem Samstag Strafvollzugsbeamte in die Zelle gekommen. In beiden Fällen lag das Opfer nach Untersuchungen der Staatsanwaltschaft auf dem Bett. Der Mann habe sich nicht gemeldet. Strafrechtliche Vorwürfe gegen die Beamten seien nicht gegeben, hieß es. So seien zwar zwei der Täter als "potenziell gewalttätig" einzuschätzen gewesen. Hinweise auf eine "hohe konkrete Gefährlichkeit" der Männer habe es aber nicht gegeben. Zudem habe der später Ermordete noch am Tag vor dem Verbrechen einer Sozialarbeiterin gesagt, er sei mit der Situation in der Zellengemeinschaft "sehr zufrieden".

Neben der Strafverfolgungsbehörden untersucht auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtages den Fall. Der Ausschuss soll klären, welche möglichen Mängel und Missstände in Siegburg und anderen Justizvollzugsanstalten des Landes vorliegen könnten.

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