Es ist ein Unglück. Kein Angriff, keine Kampfhandlung. Während alle Augen auf den Einsatz der deutschen Tornados in Afghanistan gerichtet sind, stürzte am Donnerstag über der Schweiz ein solcher Kampfjet der Bundeswehr ab. Vermutlich war es ein Routineflug. Nicht am Hindukusch, nicht in unbekannten Gefilden oder gefährdet durch Schulterraketen von Taliban-Rebellen, sondern über sicherem Gebiet.

Die Ursache war am Abend noch unklar. Es ist der 40. Tornado der Luftwaffe, der abgestürzt ist. In den 39 vorangegangenen Fällen waren die Gründe für die Unglücke entweder technische Defekte oder menschliches Versagen. Die Bundeswehr weist auf die über eine Million Flugstunden hin, die mit dem Waffensystem Tornado bisher geleistet wurden, um die Zahl der nun 40 Katastrophen einzuordnen.

Lange ist es her, dass zuletzt ein Tornado abgestürzt war. Zwar habe die neue Schreckensnachricht keine Auswirkung auf den Einsatz in Afghanistan, hieß es aus der Luftwaffe. Dennoch dürfte dieses Unglück gerade jetzt und mit einem Tornado für die Bundeswehr eine noch größere Belastung sein, als wenn der heikle Einsatz in Afghanistan nicht unmittelbar bevorstünde.

So war eine der häufigsten Fragen an das Verteidigungsministerium am Donnerstagabend: Gehörte die Maschine zum Aufklärungsgeschader 51 «Immelmann» in Jagel in Schleswig-Holstein? Dieses Geschwader hatte am 2. April sechs Maschinen und 200 Soldaten ins nordafghanische Masar-i-Scharif verlegt. Dies war nicht der Fall.

An diesem Sonntag sollen die ersten Aufklärungstornados in den umkämpften Süden Afghanistans fliegen, um Taliban-Stellungen ausfindig zu machen und die Bilder an die internationale Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) weiter zu leiten. Mit gezielterer Bekämpfung der Rebellen will die ISAF Opfer unter der Zivilbevölkerung verhindern.