"Ich habe schon so viel an Desinformation im Zusammenhang mit der RAF erlebt, dass ich nur sagen kann: Vorsicht!" Der RAF-Experte Butz Peters ist skeptisch. Er rät im Umgang mit den neuen Informationen zum Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback zur Zurückhaltung.

Der Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock hatte in einem Interview mit den ARD-Tagesthemen am Montagabend erneut behauptet, das frühere RAF-Mitglied Stefan Wisnieswki und nicht - wie bisher angenommen - Knut Folkerts habe 1977 den damaligen Generalbundesanwalt Buback erschossen. Christian Klar, der wegen Mittäterschaft verurteilt worden war, sei bei dem Anschlag nicht beteiligt gewesen.

"Es ist nichts anderes als ein weitergegebenes Gerücht", sagt Peters dazu.  Boock führt in der Tat keine Belege für seine Behauptung an. Er sagt lediglich, "dass nach meinem Wissen zwei Leute zum Kommando gehörten, nämlich Günter Sonnenberg und Stefan Wisniewski". Der Rest sind Schlussfolgerungen Boocks, der von sich selbst sagt, dass er nicht dabei gewesen sei. Demnach soll der ortskundige Sonnenberg eher als Lenker des Motorrads in Betracht kommen, der waffenkundige Wisniewski dagegen als möglicher Schütze, während Klar damals noch gar nicht zur "Gruppe" gehört habe.

Sollte Boock eher seinem Gespür für Taktik als seiner Liebe zur Wahrheit nachgegeben haben, dann kommt seine Äußerung jedenfalls zum richtigen Zeitpunkt. Boocks Aussage, Christian Klar habe nicht die tödlichen Schüsse auf Buback abgegeben, fällt in die entscheidende Phase von Klars Begnadigungsverfahren.

Kann man den Aussagen Boocks glauben? Ihm wurde schon in der Vergangenheit ein "taktisches Verhältnis zur Wahrheit" vorgeworfen, weil er seine eigene Beteiligung an den RAF-Morden in der Vergangenheit zunächst geleugnet hatte. 1992 legte er eine «Lebensbeichte» ab: Als am 5. September 1977 in Köln Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer entführt und dessen Begleiter erschossen wurden, stand Boock danach am Straßenrand, ein Schnellfeuergewehr im Kinderwagen versteckt. Ein Gnadengesuch nahm Boock nach der "Beichte" zurück. 1998 wurde er entlassen.