Frankreich Die neue Generation

Bei den Wahlen zum neuen Präsidenten siegte im ersten Durchgang der Wille zu einem ruhigem Wandel. Ein Kommentar

Der strahlende Sieger Nicolas Sarkozy

Der strahlende Sieger Nicolas Sarkozy

Nicolas Sarkozy, der Kandidat der Rechten wird, wie es vorauszusehen war, Ségolène Royal, der Kandidatin der Linken, in der Stichwahl am sechsten Mai begegnen. Dies konnte niemanden überraschen. Die eigentliche Sensation der ersten Etappe der Präsidentschaftswahl: 85 Prozent der Stimmberechtigten nutzten die Chance, ihr kleines Wort bei der Entscheidung über die künftige Führung der Republik mitzureden. Alles Geschwätz über die Erschöpfung der Demokratie, über die Resignation der Bürger, über den Rückzug des Volkes in den stummen Protest und ein lähmendes Ressentiment sind damit widerlegt.

Es vollzog sich kein revolutionärer Aufbruch, sondern die selbstverständliche Ablösung der alten durch die mittlere Generation. Keiner der seriösen Kandidaten sprach nach der Wahl von der "Sechsten Republik", die schon so oft heraufbeschworen wurde, zuletzt von Ségolène Royal, die es rasch wieder vorzog, auf die suggestive Formel zu verzichten. Dennoch, es siegte der Wille zu einem ruhigen Wechsel des Systems.

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Das gilt bis zu einem gewissen Grade auch für Sarkozy, der dem kränkelnden Ancien Régime immerhin fünf Jahre als Innenminister gedient hat, ohne historische Erfolge. Er passierte, wie nicht anders zu erwarten, mit 30 Prozent der Stimmen das Ziel der Ausscheidungswahl als der - vorläufige - Sieger. Doch niemand betrachtet ihn als den Erben Jacques Chiracs, am wenigsten der scheidende Hausherr im Palais d’Elysée, der lieber einen seiner Vertrauten als Kronprinz präsentiert hätte. Sarkozy kann sich selber nicht ernsthaft als "Gaullisten", in Wahrheit nicht einmal als "Neo-Gaullisten" betrachten. Eher ließe er sich als ein "Neo-Konservativer" in französischer Version bezeichnen: wirtschaftsliberal mit der landesüblichen Neigung zur staatsdirigistischen Intervention, als der angeblich beinharte Garant einer massiven Sicherheitspolitik, der enthusiastische Anwalt eines feurigen Patriotismus, der mit einem fragwürdigen "Ministerium für Einwanderung und nationale Identität" deutlich genug an das Potenzial eines lauernden Rassismus appellierte.

Er kann für sich in Anspruch nehmen, dass er damit – zum ersten Mal seit Jahrzehnten – den Anhang Jean-Marie Le Pens zu reduzieren vermochte: Der sacht vergreisende Trommler der extremen Rechten konnte nur noch elf Prozent der Wähler hinter sich sammeln. Es steht dahin, ob er seine dezimierte Truppe dazu aufrufen wird, im zweiten Wahlgang den Lockungen Sarkozys zu folgen. Vermutlich wird ihm dies der lauernde Hass gegen das Regime verbieten.

Leser-Kommentare
    • ClausM
    • 24.04.2007 um 8:23 Uhr

    ist ein schönes Bild.

    • hamkon
    • 23.04.2007 um 9:41 Uhr

    weil, statt eine perspektivische Zukunft zu gestalten, verbraucht sich der deutsche Parlamentarismus in Entscheidungen, die dazu führen, dass wir im Jahre 2006 ganze 10% mehr Kinder als Sozialhilfeempfänger organisiert haben, als es im Jahre 2005 waren.

    Die Schaffung eines Volkes im Abgrund ist das Ergebnis der heutigen Politik. in Deutschland. Daraus folgt zwangsläufig die Schaffung eines Binnenterrorismus, denn niemand wird wohl glauben, dass sich eine solche Bevölkerungsschicht auf besitzbürgerliche Logik von Law and Order einlassen wird.

    Der Tod ist ein Meister aus Deutschland, hat einmal jemand geschrieben.

    Ich glaube, der gute hatte damit nicht Unrecht. Aber diejenigen, die dieses Schlangenei heute ausbrüten, das sind in Deutschland noch allemal die sogenannten Exzellenzeliten und die Apologeten der sogen. Liberalen Marktwirtschaft.

  1. Es wäre sicher besser für Deutschland, wenn der Mann mit den diabolischen Initialen N.S. seinen Traum, das höchste Amt im Staate zu bekleiden, begraben müsste.

    Aber ist Frankreich tatsächlich schon so klug? Sollte Sarkozy wirklich Stimmen aus dem Le Pen Lager abgezogen haben, dann wird er sicher auch die restlichen Prozente für sich vereinnahmen können.

    Andererseits könnte die hohe Wahlbeteiligung ein Indiz dafür sein, dass sich viele Franzosen auf gar keinen Fall von einem Rechtsaussen repräsentiert sehen wollen und sich insofern eine für fast unmöglich gehaltene Mobilisierung aller Sarkozy-Gegner erreichen lässt.

    Für Deutschland hätte dies zweifellos Vorteile, da die Stimmung hierzulande bereits einigen verantwortungslosen Meinungsmachern geeignet zu sein scheint, sich einmal auf die NS-Zeit zurückzubesinnen und die Bürger mit populistischen Forderungen gegeneinander aufzuwiegeln.

    Von den Experten, die sich für Deutschland neue Formen der Sklaverei und der Volksverdummung ausdenken, ist jedenfalls zuletzt nichts wirklich Brauchbares mehr zu hören gewesen.

  2. Sarkozy würde Krieg bedeuten: in Frankreich und u.U. auch in Europa. Aber, die Franzosen werden wohl politisch klug wählen. Auf jeden Fall werden sich die Bürger nich alles gefallen lassen und sich wehren.

    • ClausM
    • 24.04.2007 um 8:18 Uhr

    auf dem Weg Frankreich zum Mutterland aller Franzosen zu machen, sei Frau Royal viel Glück gewünscht.

    Der Gegner von Frau Royal möchte nach eigenem Bekunden die Nation spalten. Mit Nationen ist es wie mit Atomkernen, spalten ist leichter als zusammenzufügen.

    Zusammenzufügen hat jedoch das größere Potential, das Potential zu wahrer Größe.

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