Second Life Pixel und PapierSeite 2/2

Die Unterscheidung zwischen Kunst und Kunsthandwerk, die in der zeitgenössischen Kunstszene zwischen New York, London und Berlin nach wie vor hochgehalten wird, hält Minsky für überholt. Wenn der Künstler Nomasha Syaka eine virtuelle E-Gitarre baut, die aus 255 einzelnen Elementen besteht und auf der man echte Riffs spielen kann, dann ist das für Minsky ebenso Kunst wie die mathematischen Skulpturen von Dorn. „Das erfordert großes handwerkliches Können. Mein Wahlspruch ist: Wenn es gut ist, ist es Slart.“

Derzeit plant Minsky die erste gedruckte Ausgabe von Slart . Einen Coverentwurf gibt es schon: Das Bild zeigt Minskys Avatar Artworld Market, wie er zusammen mit Nomasha Syaka in einem riesigen Flugobjekt sitzt – eine der Skulpturen von Bathsheba Dorn. Im Heft geht es dann um Themen wie die voraussichtliche Wertentwicklung der virtuellen Kunst oder die Frage, was Realität sei. Verkaufen will Minsky das Heft vor allem an Bibliotheken mit Kunstbeständen, aber auch Privatpersonen sollen Slart über die Webseite bestellen und abonnieren können. Dass es hingegen am Kiosk zwischen Artforum und Spingerin stehen wird, ist eher unwahrscheinlich, denn Minsky finanziert das Projekt aus eigener Tasche, und ein Vertrieb im Zeitschriftenhandel ist teuer.

Nur: Wozu muss das Magazin überhaupt auf Papier gedruckt werden? Slart berichtet immerhin aus einer virtuellen Welt, in der alles aus Nullen und Einsen besteht. Für den Erfinder von Slart liegt aber genau hier der springende Punkt: „Second Life, wie wir es kennen, wird es nicht lange geben“, sagt Minsky. „Die Technologie verändert sich sehr schnell und die Kunst, die jetzt hier entsteht, wird man bald nicht mehr sehen können – so, wie man heute keine Betamax-Kassetten mehr abspielen kann. Wenn ich diese Form virtueller Kunst auf säurefreiem Papier festhalte, wird man sie aber auch in 200 Jahren noch lesen können.“

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Leser-Kommentare
    • ben_
    • 31.05.2007 um 12:09 Uhr

    "Kunst" ist Wucht. Kunst ist immer groß. (Es sei denn sie ist Kleinkunst - die aber ihrem zweiten Wortteil nie gerecht wird.) Die Idee "Kunst" eilt jeder Realität vorraus. Die Frage aber was Kunst ist und damit auch, was Kunst mit oder im Computer sein kann ist verflucht schwer zu beantworten. Ein merkwürdig aussehendes zweckfreies Ding in einer 3D-Umgebung zu machen und es "Kunst" zu nennen, ist ebenso naheliegend wie reaktionär.

    Slart und seine Perspektive auf Digitale Kunst erinnert mich ganz stark an die ersten Jahre des Kinos, als Film noch als Symbiose aus Photographie und Theater verstanden wurde und Filme abgefilmte Theateraufführungen waren. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis jemand auf die Idee kam, eine Kamera beim Filmen zu bewegen.

    Den Punkt hat Digitale Kunst leider noch nicht erreicht.

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