Fernsehen Mörderische Helden

Früher starb der Böse und das Gute siegte. Heute sind auch TV-Helden oft brutale Gewalttäter. Ihr Vorbild färbt auf die Gesellschaft ab, zumal in den USA. Wer zuschaut, muss neu denken lernen.

Gewalt in Serie
          - Fernseh-Serien spiegeln die Wirklichkeit, auch in der Art, wie sie Gewalt darstellen. Und sie beeinflussen die Realität - nicht immer zum Guten.
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Gewalt in Serie - Fernseh-Serien spiegeln die Wirklichkeit, auch in der Art, wie sie Gewalt darstellen. Und sie beeinflussen die Realität - nicht immer zum Guten. Eine Bildergalerie »

Bewaffnet mit einem Gewehr steigt ein Mann auf den Aussichtsturm einer Kleinstadt-Universität und schießt von dort wahllos auf Studenten und Lehrer. Der Mann heißt Edward Funsch. Er ist eine Kunstfigur, Protagonist einer Folge der amerikanischen Erfolgs-Fernsehserie Akte X . Aber es gibt auch einen echten Funsch. Der heißt in Wirklichkeit Charles Whitman. Dieser Whitman hatte am 1. August 1966 seine Frau und seine Mutter getötet und erschoss am nächsten Tag vom Aussichtsturm der Universität von Texas in Austin aus 15 Menschen; weitere 31 Personen wuren verletzt.

Der Fall Whitman gehört in jene Reihe spektakulärer Amokläufe , die in den jüngsten Ereignissen an der Virginia Tech University in Blacksburg ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten. Seither wird diskutiert, inwiefern sich eine "Kultur der Gewalt" in den USA und der ganzen westlichen Hemisphäre herangebildet hat, die solche mörderischen Taten befördert.

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Wer nach einer Antwort sucht, sollte dort beginnen, wo Massenkultur verbreitet wird. Kaum ein Medium prägt so sehr die Wahrnehmung der Vereinigten Staaten - sowohl im Land selbst als auch hierzulande - wie das Fernsehen und seine beliebten, über Jahre immer weitererzählten Geschichten: die TV-Serien. Die Rollenvorbilder, die sie dem Zuschauer präsentieren, haben sich in den vergangenen Jahren auffällig verändert, ebenso wie die Art und Weise, wie Wertvorstellungen transportiert werden. Sie zeigen einen stärkeren Hang zur Gewalt und eine Abkehr von alten, allgemeingültigen Rechtsvorstellungen.

Anders als Edward Funsch im Fernsehen wurde Charles Whitman von der Polizei getötet. Eine seltsame Umkehrung, wenn man die zahllosen Darstellungen von Amokläufen und Massenmorden in Film und Fernsehen der achtziger Jahre betrachtet. Immer wieder laufen sie zielstrebig auf den Tod des Gewalttäters hinaus, während in der Realität stets versucht wird, den Täter lebend zu fassen.

Doch diese Darstellung hat durchaus ihren Sinn. Denn der Tod des filmischen Widerlings erspart uns die schwierige Frage, wie mit dem Täter eigentlich umzugehen wäre, wo in der Gesellschaft er seinen Platz finden könnte. Gleichzeitig nehmen wir Rache für die Anmaßung des Bösewichts, der es wagt, sich gegen die Gesellschaft zu stellen. Im Leben können wir uns bemühen, Gewalttaten zu erklären, können versuchen, Sinn zu erschaffen aus dem, was wir wahrnehmen. Im Film hingegen interessiert uns die Erklärung nicht, wenn die Tat nur gleichwertig vergolten wird. Deshalb wird der Täter am Ende immer erschossen - und immer in Notwehr, sodass kein neuer Täter in Erscheinung tritt. Vielmehr wird die Bestrafung für sich zu einer sekundären Heldentat.

Jedenfalls war das einmal so, und die Fernseh-Welt war in Ordnung.

Leser-Kommentare
  1. war das nicht der, der den urchristen nach deren gründlichster verfolgung eine 'geschäftsidee' klaute, sie mit allen populären religionen jener zeit resampled hat und am ende besser wusste, was jesus meint, als jener selbst - obwohl er ihn gar nicht kannte. der 'falsche prophet'?

    nun ja, der war tatsächlich ein ausgesprochener experte in sachen neue medien.

    • ErichH
    • 27.04.2007 um 7:24 Uhr

    oder in dem die Aussage gilt: 'Der Gute stribt, der Böse lebt.'

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    Die amerikanische Fersehserie "Dexter": Ein Psychopath, der ironischerweise bei der Polizei in der Spurensicherug arbeitet, ermordet in seiner Freizeit Schwerverbrecher. Die "Gerechtigkeit" ist dabei nur ein netter Nebeneffekt; es geht beim Töten nur um die Blutlust. Die Serie arbeitet mit einem schwarzen Humor, der trotz des moralischen Grauwassers eine gewisse Sympathie für den Helden entstehen lässt.
    Vielleicht ist in dieser Serie die Botschaft: "Alles stirbt, mach das Beste daraus."

    Die amerikanische Fersehserie "Dexter": Ein Psychopath, der ironischerweise bei der Polizei in der Spurensicherug arbeitet, ermordet in seiner Freizeit Schwerverbrecher. Die "Gerechtigkeit" ist dabei nur ein netter Nebeneffekt; es geht beim Töten nur um die Blutlust. Die Serie arbeitet mit einem schwarzen Humor, der trotz des moralischen Grauwassers eine gewisse Sympathie für den Helden entstehen lässt.
    Vielleicht ist in dieser Serie die Botschaft: "Alles stirbt, mach das Beste daraus."

    • ClausM
    • 27.04.2007 um 7:40 Uhr

    Aber die Lindenstraße liegt nicht in Amerika. Wenn Sie wirklich über etwas wichtiges Berichten wollen, schreiben Sie über die Darstellung der Ermordung lästiger Mitbürger in deutschen Produktionen.

    'The wages of the sin is death' jedenfalls im amerikanischen Film.

    P.S. Al Pacino in 'Der Pate' gilt nicht. Viel Spaß beim Nachdenken.

  2. Sie wollen einen amerikanischen Film mit einem Serienmörder als Helden? Wie wär's mit 'Das Schweigen der Lämmer' mit allen Fortsetzungen, oder - eine Schublade tiefer- 'Pitch Black'.

    Übrigens, nur der Vollständigkeit halber: Ich bin ein großer Fan des Italo-Westerns und wollte mich mit meinem ersten Kommentar nur dagegen verwehren, dass der 'Anti-Held' eine originär amerikanische Erfindung sei.

  3. ist keine Erfindung des amerikanischen Fernsehens, sondern des italienischen Kinos: Nirgendwo sonst wurden die klassischen Vorbilder so radikal demontiert wie im 'Spaghetti-Western', ob die Gestalten nun 'Django', 'Tuco', 'Colonel Douglas Mortimer' oder einfach 'Der Mann ohne Namen' heißen. Und nirgendwo wurde die Gewalt so episch in Szene gesetzt.

  4. Zitat hinterwald:
    '...
    da gehen schnell schon mal werte den bach 'runter, deren verlust nachher jeder beklagt - ohne sich zu fragen, wer am ausverkauf profitiert hat. die antwort liegt auf der hand: rtl, pro7 und wie diese händler von unsäglichem halt so heissen.
    ...
    nö, freunde, wir sind's ... weil wir unsere kinder vor der glotze deponieren, sie vom privatfernsehen mit müll zukippen lassen und uns dann nachher darüber beklagen, daß die kids keine werte mehr haben, geschweige denn eine politische meinung.
    ...'

    Zitat Ankündigung der zum Artikel gehörenden Bildergalerie:
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    Wenn dumme Eltern sich der Spaßgesellschaft hingeben und die Erziehung ihrer Kinder nicht die erste Stelle einnehmen ist der Abwärtstrend eingeläutet. Als Ersatz nehmen die Medien den ersten Platz ein und abwärts geht es. Die Medien, allen voran das TV, spez. die Privatensender und das Internet, verherrlichen die Gewalt, legalisieren primitiven Sex in allen Varianten und verblöden die Kinder mit unrealistischen Kitschserien. Kinder können sich dagegen nicht wehren - dumme Eltern auch nicht. Bei den Kindern, später dann Jugendlichen, ist die natürliche Schamgrenze und die Schwelle zur Gewalt völlig verlorengegangen und die (traurigen) Ergebnissetreten zu tage.
    Da die großen und mächtigen Medienkonzerne das Staatssäckel mit ihren Steuergeldern kräftig füttern, wird der Staat mit seinen Organen, die für die Erhaltung der Kultur verantwortlich sind, lieber schweigen oder allenfalls im Extremfall ein paar leere Kommentare abgeben. Wenn sich dann Parteien noch als christlich bezeichnen, ist das wohl der Gipfel der Heuchelei. 

    Wenn dumme Eltern sich der Spaßgesellschaft hingeben und die Erziehung ihrer Kinder nicht die erste Stelle einnehmen ist der Abwärtstrend eingeläutet. Als Ersatz nehmen die Medien den ersten Platz ein und abwärts geht es. Die Medien, allen voran das TV, spez. die Privatensender und das Internet, verherrlichen die Gewalt, legalisieren primitiven Sex in allen Varianten und verblöden die Kinder mit unrealistischen Kitschserien. Kinder können sich dagegen nicht wehren - dumme Eltern auch nicht. Bei den Kindern, später dann Jugendlichen, ist die natürliche Schamgrenze und die Schwelle zur Gewalt völlig verlorengegangen und die (traurigen) Ergebnissetreten zu tage.
    Da die großen und mächtigen Medienkonzerne das Staatssäckel mit ihren Steuergeldern kräftig füttern, wird der Staat mit seinen Organen, die für die Erhaltung der Kultur verantwortlich sind, lieber schweigen oder allenfalls im Extremfall ein paar leere Kommentare abgeben. Wenn sich dann Parteien noch als christlich bezeichnen, ist das wohl der Gipfel der Heuchelei. 

    • Anonym
    • 26.04.2007 um 17:27 Uhr

    Was mir beim Lesen des Artikels eingefallen ist, ist der deutsche Film 'Das Parfum'. Er stellt für mich die endgültigen Verblödung des Menschen dar. Ein Massenmörder steht am Ende unschuldig da und der Autor scheint zu suggerieren: Nicht wahr, das ist es doch, was wir uns alle wünschen, dass im innersten Unschuld ist, was die menschen Sünde nennen. Na dann gute Nacht... ich wünsche dem Autor dieses Films, dass er seinem eigenen Mörder begegnen und das Gericht diesen Mörder zum unschuldigen Helden erklärten wird.

  5. zwischen der aussage des artikels und meiner reaktion?

    ich mache am ende nicht irgendwelche 'helden'-rollenmodelle im tv dafür verantwortlich, wie meine kids denken. das liegt am ende bei mir und wie bzw. ob ich _mit_ ihnen zusammen tv gucke und position beziehe.

    und, daß ich am ende denke, daß es nicht die serien sind, sondern die 'zwischenräume', also die talkshows zb. bzw das, was man die 'metaebene' nennen könnte: der eindruck den 'das gesamte', das unsere kids zurücklässt als konsumenten ohne fähigkeit zur distanz.

    im wesentlichen habe ich dafür plädiert, daß wir dabei nicht über umstände urteilen, auf die wir uns nicht wirklich einlassen. deshalb mein 'buffy' beispiel: es ist einfach über etwas die nase zu rümpfen, das wir nicht wirklich kennen.

    ich hätte auch sagen können: leute, bringt euren kindern bei, sich ne fernsehzeitung (am besten eine mit radioprogramm! ich nenne mal nicht den titel ;-)) zu kaufen und sich die sachen anzustreichen, die sie gucken wollen - und den rest abzuschalten.

    ich hoffe, das hilft beim veständnis.

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