Hier sieht man Himmel. Weit und blau wölbt er sich über Äcker und Weiden, Kühe und Pferde. In der Ferne knattert ein Trecker. Wir sitzen im Auto und fahren durch Wacken in Schleswig-Holstein.

Supermarkt, Reisebüro, Friseur, Waschanlage, Gasthof, Klärwerk. Ein Plakat resümiert: "Freu Dich, Du bist in Wacken". Backstein säumt die schmale Straße. An der größten Kreuzung hängen drei Wegweiser, nach Itzehoe, nach Schenefeld und zu Silke's Picknick. Silke steht hinter der Imbisstheke und weiß sofort Bescheid: "Ihr seid wegen des Films hier, oder?"


Ja. Überall hängt das Plakat: Full Metal Village , ein Film über Wacken, seine Bürger, seine Besucher und sein Heavy Metal. Es ist nämlich so: Einmal im Jahr, am ersten Augustwochenende, verwandelt sich das 1800-Seelen-Dorf in ein Tollhaus. Dann ist drei Tage lang das Wacken-Open-Air und 40.000 Rocker rücken an. Dann brennt die Luft in Wacken.

Und nun der Film: Die Regisseurin Sung-Hyung Cho aus Korea hat ihn gedreht. Vor 17 Jahren kam sie nach Deutschland. Sie war nie in Wacken gewesen, hatte nie Heavy Metal gehört – dann sah sie in der Zeitung ein Bild: durstige Rocker im Dorfsupermarkt. Hier stießen zwei Kulturen zusammen. Das interessierte sie. Sung-Hyung Cho machte sich auf nach Wacken.
Über drei Jahre hinweg filmte sie das Festival und das Dorf. Wacken und Heavy Metal – wie passt das zusammen? Heute soll die Antwort auf die Frage zu sehen sein: Der Film kommt ins Dorf.

Das nächste Kino wäre in Itzehoe, das ist 20 Kilometer weit weg, es fährt nur ein Bus die Stunde. Also wird der Film in Wackens Schule gezeigt. Auf den Parkplatz passt kein Auto mehr, die Ortsfeuerwehr lotst uns auf eine Wiese. Der Dampf einer kleinen Popcornmaschine vor der Turnhalle überzuckert den abendlichen Landgeruch. Da drängt sich ein Pulk um eine schwarze Limousine. Peter Harry Carstensen steigt aus, der Ministerpräsident Schleswig-Holsteins. Riesenhallo, Fernsehteams, ja, er freue sich riesig, das lasse er sich nicht entgehen, aber gehen wir doch erstmal rein. Eine Assistentin rauscht an: "Herr Carstensen, Ihre Haare!"

Drinnen riecht es nach Bohnerwachs und Sportunterricht. Vor den Klettersprossen spannt sich die Leinwand. Wo sonst die Dorfjugend schwitzt, gehen jetzt Kellner mit Tabletts umher. Es gibt Bier und Schmalzbrot. Und wie viele Leute da sind! Vielleicht ein Viertel Wackens?

Munter bläst der Musikzug los, um die 20 Dorfmusikanten sind es. Jedes Jahr eröffnen sie das Open-Air; Metal-Fans schütteln das Haar dazu. Das hat Tradition.

Sung-Hyung Cho wuselt in der Turnhalle hin und her, umarmt hier ein älteres Ehepaar, herzt dort den Schankwirt. Auf ihrem T-Shirt steht "Full Metal Village". Lachend gibt sie Interviews. Wir dürfen auch kurz.