Bundestag Sprung ins Plenum
Demonstranten sind während einer Debatte ins Sitzungsrund des Bundestages eingedrungen. Zwei weitere seilten sich vom Dach des Parlaments ab.
So etwas sah der Bundestag selten, seit er in Berlin tagt: Das Reichstagsgebäude selbst wurde am Freitag zum Ort politischer Demonstration, trotz Bannmeile und Sicherheitsdienst.
Kapitalismuskritiker trugen am Freitag ihren Protest bis in den Plenarsaal des Bundestags und sorgten während der laufenden Debatte für einen Eklat. Sie warfen Flugblätter von der Besuchertribüne und kletterten von dort in den Plenarsaal. Dort ließen sie sich von Saaldienern widerstandslos abführen. Zeitgleich seilten sich Protestierer von der Dachterrasse des Gebäudes an der Fassade ab, um unter der Inschrift "Dem deutschen Volke" ein Plakat "Der deutschen Wirtschaft" anzubringen. Die Plenarsitzung über den Ausbau der Kinderbetreuung wurde beendet, nach Angaben einer Parlamentssprecherin aber nicht wegen des Protests, sondern mangels Beschlussfähigkeit des Bundestages.
Auf der Besuchertribüne entrollten die Protestierer ein Plakat mit der Aufschrift "Die Wünsche der Wirtschaft sind unantastbar", eine Anspielung auf Artikel 1 des Grundgesetzes, mit dem Satz beginnt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Nach Angaben der Bundestagsverwaltung warfen insgesamt vier Protestierer Papiergeldscheine in das Plenum, das etwa drei Meter unterhalb der Tribüne liegt. Nachdem sie ins Plenum gesprungen waren, wurden sie von den Saaldienern aus dem Saal geführt und der Polizei des Bundestags übergeben.
Die Proteste ereigneten sich nach Angaben einer Sprecherin des Bundestags während einer Abstimmung zur Kinderbetreuung. Dabei ging es darum, Familienministerin Ursula von der Leyen ins Parlament zu zitieren. FDP und Grüne bestanden auf ihrer Anwesenheit. Letztlich stellte sich aber heraus, dass für eine Abstimmung zu wenig Abgeordnete anwesend waren.
Parallel zum Protest im Plenum demonstrierten nach Angaben des Bundestags vier Kapitalismuskritiker durch die Abseilaktion. Zwei Demonstranten hätten sich vor der Westfassade abgeseilt, zwei weitere hätten sie auf der Terrasse gesichert. Die Feuerwehr habe die Protestierer wieder hochgezogen und dann ebenfalls der Polizei übergeben.
Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte zu den Protesten: "Der Vorfall zeigt die Gratwanderung zwischen der berechtigten Erwartung unserer drei Millionen Besucher, hier nicht in einen Hochsicherheitstrakt geführt zu werden, und den Problemen, die, wie sich heute bitter zeigt, immer mal auftreten können." Während der Proteste hatte Vizepräsident Wolfgang Thierse als amtierender Sitzungsleiter die Demonstranten zum Verlassen des Saales aufgefordert.
Die Union forderte eine Aufklärung, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. "Die Sicherheit im Bundestag muss gewährleistet sein", sagte ihr parlamentarischer Geschäftsführer Bernhard Kaster. "Die Unionsfraktion erwartet, dass der Vorfall und seine Hintergründe genauestens aufgeklärt werden."
- Datum 27.04.2007 - 07:28 Uhr
- Quelle ZEIT online, reuters
- Kommentare 19
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dürfte jeder wissen, wem die gebündelte aufmerksamkeit der herren schily und schäuble dient.
Das Gefängnis ist der einzige Ort wo man wirklich eine halbwegs gesicherte Zukunft hat.
beim betrachten der bilder fallen besonders die vielen leeren sessel auf
Also, irgendwie haben die schon Recht, oder? Aber kann man das als mündiger Bürger noch beurteilen? Die leeren Sitzen erklären sich aber logischerweise dadurch, dass die Abgeordneten mit den Lobbisten im Büro reden und nicht im Plenum. Dies würde den Protestlern wiederum Recht geben.
Übrigens: Ein Lob an diese mutigen Demokraten. Ich frage mich, wie unser Rechtstaat derartige Aktionen seiner Bürger 'belohnt'....
Wer stets von Plebisziten faselt und dadurch die parlamentarische Demokratie unverständlicherweise aufweichen will, wie dies Parlamentarier aus allen Fraktionen fordern, darf sich nicht wundern, wenn sie beim Wort genommen werden.
Eine sehr erfrischende Aktion, mit der das Volk einmal die Parlamentarier besuchen wollte. Bezeichnend war nur, dass diese Aktion an einem Freitag morgen stattfand und die auf Steuerzahlers Kosten gar üppig bezahlten Damen und Herren Volksvertreter offenbar zum großen Teil schon nach Hause gereist waren und die Diskussion im Bundestag vor fast leeren Rängen stattfand.
Einfach köstlich!
Besser hätte man den deutschen Parlamentarismus und die Herrschaften, die ihn vorzuleben vorgeben (wenn auch nicht freitags - und ich fürchte fast auch nicht montags, sondern allenfalls dienstags bis donnerstags) nicht vorführen können!
Man ist gespannt auf mehr!
als unsere so ganz schlecht vertretenen Bundestagsabgeorneten!
Zwar stand eine Abstimmung an,
wen interessieren aber heute noch Abstimmungen?
Wenn ich mich in der Sonne erholen kann!
Wozu hat man das Kreuz auf sich genommen, ein Bundestagsabgeordneter zu werden!
Hier muss ein Modellfall geschaffen werden:
kreuzigt mindestens einen dieser Protestierer, damit alle Welt sieht:
bringt nichts, lasst es sein:
wir herrschen, gewaehlte Parlarmentarieer, die nur eines erstreben:
das Beste fuer das ganze Volk!
Das Wohlergehen der deutschen Wirtschaft ist kaum mehr an das Wohlergehen der Bevölkerung gekoppelt. Immer mehr Menschen arbeiten im Niedriglohnsektor, oftmals Vollzeit. Der Stundenlohn reicht nicht aus, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Im vollen Bewusstsein dessen nutzen Wirtschaftsunternehmen ihre Marktmacht immer weiter aus, um z.B. auch das Honorar freier Mitarbeiter schamlos zu drücken. Das ist, bei Lichte betrachtet, nichts anderes als Sklavenarbeit. Immer mehr Menschen sind davon betroffen. Die Würde eines solchen 'Arbeiters' bleibt auf der Strecke. Menschen sind nurmehr Kostenfaktoren. Die Regierung redet der Wirtschaft und weiterer Liberalisierung dennoch das Wort, ebenso wie die ihr nahen Arbeitgeber-Verbände und Wirtschaftsinstitute.
'Der Deutschen Wirtschaft', 'Die Wünsche der Wirtschaft sind unantastbar' - prägnante Worte.
Revolutionen hat es immer gegeben, nicht ganz gerecht in ihrem Ablauf, schon klar, aber sehr gerecht in ihrer Ursache:
Maechtige und Reiche sollten und muessen irgendwann mal als Faustregel beherrschen:
sobald die oberen 10 Prozent mehr als das zehnfache haben als die unteren zehn Prozent wird es kritisch, beginnt es sich aufzuheizen:
dieser Punkt ist ja schon lange durchschritten!
Jetzt kann man waehlen:
Dampf ablassen oder Dampf aufbauen!
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