Eine Musikerin ist in diesen Tagen in allen Magazinen und Zeitungen zu finden: Leslie Feist . Thomas Groß würdigte das neue Album The Reminder unlängst in der ZEIT . Andere legten in der vergangenen Woche nach: Heiko Hoffmann in der taz , Jan Kedve in der Welt , Dirk Peitz in der Süddeutschen Zeitung , Elke Buhr in der Frankfurter Rundschau . Die Kanadierin schmückt zudem das Titelbild der aktuellen Ausgabe des Musikmagazins Spex . Und alle sind sie voll des Lobes.

Sie habe eine Stimme wie keine andere, schreibt zum Beispiel die taz . Distanziert und emotional zugleich klinge diese, "sanft und körnig". Mit ihrem neuen Album begebe Leslie Feist sich endgültig auf den Weg zum großen Erfolg. "Eine Entwicklung genau in die richtige Richtung", jubelt die Welt . Dabei hätte die Sängerin, ausgehend von ihrem letzten Album, "doch auch im Weichzeichner-Modus, also wie Norah Jones in der Lounge-Falle landen können". Tat sie aber nicht, denn sie "hat vielleicht die schönste Frauenstimme des wohltemperierten Gegenwartspop und macht die passendste überzeitliche Musik zur Zeit", wiederholt Dirk Peitz in der SZ . Angenehm und unaufdringlich sei das Ergebnis und voller "wahrer Empfindungen". "Sie passt mit ihrer frostfreien Frische in jede Jahreszeit. Und sie bedient das gerade unter nicht mehr ganz Jungen weitverbreitete Gefühl feiner, aber nicht richtig schmerzhafter Melancholie. Es tut eben nur ein bisschen weh, das moderne Leben, es verlangt regelmäßig nach leichten Kopfschmerztabletten. Man kann sich Leslie Feists Musik also auch als Aspirin in akustischer Form vorstellen. Hilft nicht gegen echte Migräne, und gibt der ermatteten Seele doch ein Gefühl von Geistesgegenwart."

Elke Buhr verortet die Musik der Leslie Feist woanders: Sie sei "für die blaue Stunde der Abenddämmerung und des ersten Drinks gemacht, wenn sie schmeichelt, sie ist für den Club gemacht, wenn sie aufdreht, und wenn sie sanft und traurig wird, hört man in ihr den frühen Morgen nach einer langen Nacht." Auch Buhr beschreibt ihre Stimme - sie erinnere sie an ein "kostbares Instrument aus leicht splitterndem Glas".

Mario Lasar verweist in seinem Text stolz darauf, dass das Spex- Interview mit Leslie statt "der normalen 30 Minuten eine ganze Stunde gedauert" habe. Grundsätzlich Neues schreibt er nicht: Feists Werdegang und die "Liebe in Zeiten der Gegenwart". Davon handelten die Songs der Leslie Feist. Thomas Groß bringt das Projekt der Künstlerin in der ZEIT prägnanter auf den Punkt: "Diese Musik ist wie ein Kassiber, sie schmuggelt längst Vergangenes in den Gegenwartspop. Sie funktioniert im Frühstücksradio ebenso gut wie abends im Club, sie ist anspruchsvoll ohne kompliziert zu sein, vor allem aber ist sie nicht denkbar ohne all die Kenntnisse und Kommunikationen, die in sie eingeflossen sind. Das ist es, was man auf The Reminder am allerdeutlichsten heraushört: die Intimität einer Wohnzimmerproduktion, bei der befreunde Musiker sich morgens im Schlafanzug um das Mikrofon herum versammelten, um Lieder nach ihrem Geschmack aufzunehmen." In den kommenden Wochen und Monaten würden ihre Songs den Frühling beschallen - in Berlin wie in Paris.

Während die Musik der Leslie Feist als ätherisch leicht umschrieben wird, ist der verzerrte Gitarrenrock der in die Jahre gekommenen Dinosaur Jr. das genaue Gegenteil. In den achtziger Jahren bereiten Sänger und Gitarrist J Mascis und Bassist Lou Balow mit ihrer Band den Boden für die Grunge- Bewegung. Drei Alben erschienen, dann war Schluss, zumindest in Originalbesetzung. Nach Jahren erbitterter Feindschaft haben sich die alten Freunde nun zusammengerauft: Beyond , das Album der "Urväter des Alternative Rock", klinge wie Dinoasaur Jr. in ihren besten Tagen, schreibt Thomas Winkler in der taz . "Denn im Gegensatz zu The Who oder The Stooges, Mission of Burma, Police oder einer der anderen vielen Wiederbelebungen der letzten Zeit gibt es keine Ausfälle zu beklagen auf Beyond , keine Peinlichkeiten zu ertragen, keine Entschuldigungen beim Hören mitzuformulieren. Beyond ist nicht in Ordnung für ein paar alte Herren, Beyond wäre auch eine großartige Platte gewesen, wäre sie 1990 nach Bug erschienen.“ Die frühen Dinosaur Jr.-Alben hätten nichts von ihrer Dynamik eingebüßt, nichts von ihrer Faszination. "Sicher gibt es mittlerweile Bands, die lauter sind und brutaler, filigraner und gefühliger. Aber niemals wieder hat eine Band so entspannt die Extreme miteinander verknüpft: Die besten Stücke von Dinosaur Jr., und davon gibt es viele, sind zugleich Angriff und Streicheleinheit. Sie nehmen einen in den Arm und schubsen einen raus auf die Straße. Man kann zu ihnen durch einen sonnigen Tag schlendern und doch auch im selben Rhythmus seinen Kopf wütend gegen eine Wand hämmern."

In der Spex unterhält sich der mittlerweile ergraute J. Mascis mit Alec Empire , Kopf der "linksradikalen Technopunkband Atari Teenage Riot ", die vor Jahren Dinosaur JR auf ihrer Europatournee begleiteten. Schon damals verband sie die gemeinsame Liebe zur Lautstärke. "Lautstärke bereitet mir Freude", erklärt Mascis. "Es macht einfach mehr Spaß, Gitarre zu spielen, wenn sie richtig laut gedreht ist. Laute Shows sind einfach besser als leise Konzerte. Sie schütteln die Leute durch. Als The Jesus and Mary Chain damals das erste Mal nach Amerika gekommen sind, war ich wahnsinnig enttäuscht, dass sie so leise waren. Ich schwor mir: Wir müssen lauter sein. Immer."