Die Sache scheint klar: Baut ein Unternehmen Arbeitsplätze ab, freut sich die Börse, der Aktienkurs steigt. Das war so, als die Deutsche Bank im Jahr 2005 ankündigte, Tausende Arbeitnehmer entlassen zu müssen, um ihre ehrgeizigen Renditeziele zu erreichen. Es scheint heute wieder so zu sein, wenn das Management der Telekom plant, Zehntausende Stellen auszulagern, um Arbeitskosten zu senken, auf Druck der Großaktionäre.

Doch stimmt der Zusammenhang wirklich immer? Was, wenn ein Unternehmen keine Stellen streicht, sondern welche schafft, um neue, viel versprechende Geschäftsfelder zu beackern? Ist das nicht zukunftsweisender, als bloß Kosten zu sparen? Müsste es die Aktionäre nicht viel mehr begeistern und die Kurse weit stärker in die Höhe treiben?

Zwei Banker wollten genau wissen, wie Arbeitsplätze und Börsenkurse zusammenhängen. In ihrer Studie "Belohnt die Börse die Schaffung von Arbeitsplätzen?" untersuchten Christoph Butz und Olivier Pictet von der Schweizer Privatbank Pictet diese Frage – allerdings ganz grundsätzlich, ohne die jeweiligen Strategien der einzelnen Unternehmen zu berücksichtigen. Eine ihrer zentralen Fragen: Was passiert mit dem Portfolio eines Anlegers, der sein Geld konsequent in Anteilsscheine von Unternehmen steckt, die mehr Stellen schaffen als die Konkurrenz?

Um eine Antwort darauf zu finden, nahmen Butz und Pictet quer durch alle Branchen 1677 Aktiengesellschaften unter die Lupe, die im globalen Aktienindex MSCI World enthalten sind, und setzten die Arbeitsplatzentwicklung in diesen Unternehmen in Beziehung zu ihrem Börsenkurs seit 1997.

Das klingt einfach, birgt aber einige knifflige Fragen. Um ihre Relation berechnen zu können, mussten die beiden die Kenngröße "Arbeitsplätze" auf eine möglichst sinnvolle Maßzahl reduzieren. Ob ein Unternehmen aus gutem Grund Stellen auf- oder abbaut, konnte für sie deshalb keine Rolle spielen. Auch um die Qualität der Arbeitsplätze, etwa Arbeitsbedingungen und Bezahlung oder die Frage, wie transparent die Arbeitsbeziehungen im Betrieb geregelt sind, kümmerten sie sich nicht.