Es ist das erste Mal, dass sich ein italienischer Radsportprofi bereit erklärt, mit der Justiz zusammenzuarbeiten. Bislang herrschte sozusagen eine Mauer des Schweigens über die Dopingpraktiken im Radsport. "Ich hoffe nur, verstanden zu werden", bekannte Basso am Montag. 
Ivan Basso

Der 30-jährige Vorjahressieger der Giro d’Italia gab nicht nur zu, gedopt zu haben. Basso legte darüber hinaus ein zehn Seiten umfassendes Geständnis ab, das Einblick in die Dopingpraktiken vieler Rennprofis geben könnte. Er wolle helfen, die unsauberen Mechanismen seines Sportes in der sogenannten "Operation Puerto" offen zu legen, beteuerte Basso reumütig gegenüber dem römischen Antidopingermittler Ettore Torri. 

Seine "Beichte" ist allerdings eher eine Flucht nach vorn: Zu erdrückend schließlich war für ihn die Beweislast: Beim spanischen Dopingarzt Fuentes hatte die Guardia Civil etliche Blutkonserven gefunden, die einem Fahrer mit dem ominösen Namen "Birillo" zugeordnet wurden. Dieser Deckname konnte inzwischen eindeutig Basso zugewiesen werden. Sein Hund heißt so. Außerdem fanden die spanischen Ermittler nicht nur Bassos Zahlungsbelege an Fuente in Höhe von etwa 40.000 Euro, sondern auch SMS-Mitteilungen, die Basso unmittelbar nach seinem Sieg beim Giro d’Italia an Fuente geschickt hatte.

Bassos überraschendes Geständnis erfolgte offenbar auf Anraten seines Anwalts Massimo Martelli: "Ivan konnte die psychische Belastung nicht ertragen und hat beschlossen, mit der Justiz zusammenzuarbeiten", sagte Martelli. Er rechnet nun damit, dass Basso bei der Bemessung der Strafe mildernde Umstände erhält. Im Gespräch ist, dass die für derlei Vergehen vorgesehene zweijährige Dopingsperre zumindest halbiert würde.

Eine Interpretation, die Pat McQuaid, Präsidenten des Radsport-Weltverbands UIC, bezweifelt: "Wir werden Ivan nicht alleine lassen", sagt McQuaid, "aber das heißt nicht, dass die Regeln missachtet werden." Nach dem Antidopingreglement ist schließlich keine Möglichkeit des Straferlasses beim nachgewiesenen Doping vorgesehen – auch nicht für reuige Sünder.

Der italienische Radsportverband stellte sich unterdessen demonstrativ hinter Basso. Dessen große Hoffnung ist, dass Basso schon beim nächstjährigen Giro d’Italia wieder an den Start gehen könne: Basso soll nicht so enden wie Marco Pantani, sagte der italienische Radsportpräsident Renato Di Rocco und richtete einen dringlichen Appell an die italienische Öffentlichkeit: „Ivan hat genau das getan, was alle von Marco Pantani verlangten“, sagte Di Rocco, "nämlich mit der Sportjustiz zusammenzuarbeiten. Deshalb fordere ich euch im Namen des Radsports auf, Ivan Basso nicht alleine zu lassen!"