Sucht Gefahr Alltagsdroge

Zwar sterben immer weniger Deutsche an Heroin und anderen harten Drogen. Doch immer noch zu viele sind abhängig von Medikamenten, Tabak und Alkohol.

Berlin. Zuerst die gute Nachricht: Immer weniger Deutsche nehmen harte Drogen, immer weniger sterben durch sie. 1296 Tote vermeldete am Donnerstag die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, bei der Vorstellung des jährlichen Drogenberichts, 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit 1989. Heroin, Kokain, Crack, Ecstasy – die Zahl der Konsumenten sinkt.

Nur eine illegale Droge findet immer mehr Anhänger, Cannabis. Inzwischen ist es die am weitesten verbreitete, mehr als ein Viertel der deutschen Jugendlichen habe Haschisch oder Marihuana schon mindestens einmal probiert, 400.000 oder etwa fünf Prozent der Jugendlichen kiffen. „Der Cannabiskonsum wird unterschätzt“, so Bätzing.

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Dennoch scheint die eigentliche Drogenszene ihren Schrecken zu verlieren. Damit jedoch, und das ist die schlechte Nachricht, gibt sie den Blick auf eine Bedrohung frei, die erst langsam als solche wahrgenommen wird: die durch Tabak, Alkohol und Medikamente, durch erlaubte Drogen also. Der Drogenbericht gebe keinen Anlass, sich zurückzulehnen, sagte Bätzing, seien die Zahlen bei Alltagsdrogen doch alarmierend: 140.000 Menschen starben im vergangenen Jahr an den Folgen des Rauchens, 40.000 durch Alkohol - schätzungsweise. Genaue Statistiken dazu gibt es nicht, die Todesfälle durchs Trinken und Rauchen werden nur indirekt erfasst, genauso wie die Zahl der Konsumenten. 27 Millionen Raucher soll es in Deutschland immer noch geben, 1,6 Millionen Alkoholiker und 1,4 bis 1,9 Millionen Medikamentenabhängige. Angesichts dieser Statistiken forderte Bätzing: „Schluss mit der Verharmlosung von Alltagsdrogen.“

Zwar ist laut Drogenbericht auch der Alkoholkonsum bei Jugendlichen zurückgegangen. „Wir haben jedoch das Problem, dass ein Teil immer früher und immer exzessiver trinkt“, so die Drogenbeauftragte. Das Einstiegsalter werde immer geringer.

Beim Umgang mit dem Problem würden „erschrockene kurze Diskussionen“ nicht weiterhelfen und auch keine „reflexhaften Forderungen nach neuen Gesetzen“, sagte Bätzing und meinte die Debatte um das so genannte Flatrat-Trinken und ein generelles Alkoholverbot für Jugendliche. Entsprechende Vorschläge, wie sie Familienministerin Ursula von der Leyen gemacht hatte, lehnt Bätzing ab. Vor allem wegen der zu erwartenden Widerstände: „Ein Verbot an dieser Stelle durchzusetzen, ist sehr schwierig.“ Auch ein Werbeverbot, wie es beim Tabak gilt, sei nicht geplant. Man setze auf die Selbstverpflichtung der Industrie, Jugendliche nicht gezielt anzusprechen.

Im Kampf gegen das sogenannte Flatrate-Trinken müsse es vor allem darum gehen, das Jugendschutz- und das Gaststättengesetz einzuhalten und deren Einhaltung zu kontrollieren. Auch ohne neue Verbote sei es möglich, exzessives Trinken zu reduzieren, glaubt Bätzing.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 03.05.2007 um 19:20 Uhr

    Nachdem klaeff ja schon die Besten erwähnt hat , kann ich dieses Thema dem Leser überlassen ...
    Zum Artikel ist einerseits zu sagen , dass diese Bedrohung nicht langsam als solche wahrgenommen wird : Gesundheitspolitikern , Drogenexperten und dem aufmerksamen Verfolger der deutschen Drogenpolitik ist diese Gefahr schon längst aufgefallen . Aber es lohnt sich einfach nicht , darüber zu schreiben . Schließlich hat man ja Cannabis , den Sündenbock Nr° 1 . Einfach von Zeit zu Zeit einige Lügen ( ich erinnere an die Mär vom Gen-Gras ) gestreut , hier den ' Cannabisexperten' Thomasius bei ner 'seriösen' Sendung wie den zdf.reportern auftauchen gelassen und schon hat man wieder den perfekten Dummen .

  1. Es gibt halt keine. Und gab bisher auch noch keinen einzigen. Das weiss auch der 'Drogenbeauftragte'. Offenbar geht es auch gar nicht darum medizinische oder soziale Gefährdungen einzelner Drogen zu berücksichtigen, sondern um primitivste Propaganda (und das auch noch im Schlepptau des WAR ON DRUGS der USA). Zum Kotzen. Jahr für Jahr.

    • klaeff
    • 03.05.2007 um 18:13 Uhr
    3. \N

    Die Linken haben Haschisch in den Taschen, die Emanzen Qualmen wie die Schlote und die Konservativen Saufen wie die Löcher. Von wem soll da der Nachwuchs besseres lernen?

    • Anonym
    • 04.05.2007 um 11:29 Uhr

    Wieder einmal soll der Bundesbürger von hirnrissigen Politikern vergewaltigt werden (Rauchverbot). Wenn ich den Statistiken (Bundesamt) glauben darf hat D. 82.000.000 Einwohner. Die Sterberate liegt bei 10.5 pro Jahr auf 1000 Menschen, also 861.000 Tote pro Jahr. Der Anteil der Raucher an der Bevölkerung beträgt 27%. Macht also 232.470 tote Raucher, gestorben sind aber nur 140.000. Dass unsere Gesundheitsministerin nicht rechnen kann liegt vielleicht an ihrer Intelligenz oder Ausbildung aber zur Bedienung eines simplen Taschenrechners sollte sie doch ausreichen.
    Ich selbst habe vor 12 Jahren aufgehört, 80 Gitanes am Tag waren mir zuviel.

  2. Meiner Meinung nach verschreiben die Aerzte einfach zu schnell irgendwelche Mittel ohne drauf zu achten dass viele davon abhaengig werden.

  3. ... Verarmung in den potentiellen Konsumentenkreisen geprägt. Die Preise für härtere Drogen können nicht mehr bezahlt werden. Eine Flasche Schnaps / ein paar Flaschen Bier sind sehr günstig im Vergleich zu harten Drogen und man wird nicht kriminell. Außerdem wird der Rausch sozial und nicht als Einzelgänger ausgelebt.
    Eine Alternative bietet der eigene Garten. Nicht nur Obst und Gemüse können hier billig angebaut werden. Ganz harte Typen beschäftigen sich mit Pilzkunde. Der Geruch von Klebstoff und Benzin soll auch wieder in sein.

    Was ich damit sagen will: Es gibt immer Mittel und Wege um sich zuzudröhnen. Stellen wir vielmehr die Frage warum so viele Jugendliche diesen Staat nur noch im Suff ertragen können.

  4. Tabak, Alkohol und Cannabis sind uralte Drogen die der Menschheit schon lange bekannt sind. Drogen sind ein Angebot der Natur. Auch Tiere nehmen hin und wieder mal Drogen zu sich, einfach weil es Spaß macht und einen kurzen Urlaub aus dem Alltag ermöglicht. Es gibt einen Tierfilm der zeigt wie sich Vögel und Säugetiere an überreifen Frücjten laben und anschließend betrunken durch die Gegend torkeln. Das eine Exemplare der Gattung Mensch diesen Drogen in Form von Sucht zum Opfer fallen liegt nicht an den Drogen sondern an unserer Gesellschaft. Vorgesehen von der Natur ist es jedenfalls nicht.
    Besonders Augefällig an der Drogenpolitik ist die Verfolgung von Minderheiten (z.B. Kiffer) die sogar mit Freiheitsentzug bestraft werden, während die Tabaklobby und vor allem aber die Getränkeindustrie unangetastet bleiben. Ein Werbeverbot für Hasch würde jeder Kiffer akzeptieren wenn er dafür aus der illegalität herausgeholt würde. Aber ein Werbeverbot für Alkohol ist nicht möglich. Da setzt man auf 'den guten Willen' der entsprechenden Industrie. Damit wird beim Suff der Bock zum Gärtner gemacht. Die Zahlen der Toten sprechen ebenfalls für sich. Wenn von den Drogentoten gesprochen wird sind alle Drogen zusammen gemeint die nicht Alkohol, Tabak oder Tabletten sind. Die Zahl liegt weit unter 2000. Die Zahl der Alkoholtoten etwa 10 mal so hoch und die der Krebstoten durch Tabak etwa 50 mal so hoch. Aber niemand bekommt den Führerschein entzogen wegen 'unzuverlässigkeit' der einen Kasten Bier transportiert, oder ein Päckchen Zigaretten zieht. Wohl aber jemand der beim Kiffen erwischt wird oder nur etwas Hasch bei sich trägt, wobei Cannabis eigentlich ein homöopatisches weil rein pflanzliches Mittel ist. Ein Blick über den Tellerrand z.B. nach den Niederlanden könnte unseren Politikern die Augen öffnen, aber diese ruhen stehts mit festen Blick auf den Vorurteilen und dem nächsten Wahlerfolg. Die Beratungsresistenz unserer bisherigen Regierungen in Punkto weiche Drogen spricht Bände. Und die Presse die ja zur Aufklärung beitragen könnte, tut dies nicht da sie meinungsgleichgeschaltet die immer gleichen Phrasen der Politiker bis zum Erbrechen wiederholt. Verbreitung von Fehlinformation und dies mit ständiger Wiederholung: das nennt man Propaganda
    Nebenbei sei erinnert das seit 10 Jahren bereits Cannabis-Konsumenten jedes Jahr für die Entkriminalisierung friedlich demonstrieren, jedoch ohne Erfolg. Sie werden jedesmal sogar anschließend von einigen unseren Politiker wie z.B. Beckstein aufs übelste beschimpft. Wer sich wirklich seriös informieren und nicht die verlogenen Phrasen der Drogenbeauftragten dreschen will sollte man nach 'Cannabis' im Internet suchen. Man ist erstaunt welch vielen seriösen Artikeln man dort begegnet, anders als das seichte Gewäsch der Presse die selbst nix richtig weis. Aber ich will nicht nur meckern, wie es mir immer wieder vorgeworfen wird:
    Was ist zu tun?
    1. völlige Überarbeitung des BTMG (Betäubungsmittelgesetz)
    2. Freigabe aller weicher Drogen an über 18 jährige, allerdings Verbot des Konsums in der Öffentlichkeit.
    3. Besteuerung der weichen Drogen, so wie bei Tabak und Alkohol um Aufklärung, Forschung und Therapien finanzieren zu können.
    4. Freilassung aller wegen BTM -Vergehen inhaftierten Menschen, dadurch nochmals Spareffekt der für die Maßnahmen unter Pkt. 3 genutzt werden könnte.
    5. Einführung von Qualitätskontrolle so wie bei Tabak und Alkohol

    • Anonym
    • 03.05.2007 um 19:23 Uhr

    Andererseits muss ich kb26919 zustimmen : Ärzte sind schnell , wenn es um das Verschreiben von Benzos oder Morphinderivaten geht . Ist der Patient dann noch privat versichert : Gute Nacht .

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