Einen Monat vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm hat die Polizei bei einer groß angelegten Razzia in Norddeutschland 40 Zentren der linken Szene durchsucht. Militante Globalisierungsgegner sollen von dort aus Brandanschläge verübt und gewalttätige Aktionen gegen den G-8-Gipfel geplant haben, wie die Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe mitteilte. Sie ermittle deshalb gegen mehr als 18 mutmaßliche Linksextremisten wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Die G-8-Gegner selbst hingegen sprachen von einem unverhältnismäßigen Vorgehen und Einschüchterungsversuchen. Das Innenministerium kündigte an, im Umfeld des Gipfels vorbeugend die Grenzkontrollen wieder einzuführen. Dadurch solle die Anreise potenzieller Straf- und Gewalttäter verhindert werden. Das ehemalige Theater «Rote Flora» sollte für das Musical «Phantom der Oper» aufwendig umgebaut werden und wurde daraufhin 1989 von Autonomen besetzt© Rote Flora, Montage: ZEIT online

Fast 900 Polizisten durchsuchten nach Angaben der Bundesanwaltschaft Treffpunkte der linken Szene in Berlin-Kreuzberg, das linke Kulturzentrum "Rote Flora" im Hamburger Schanzenviertel sowie weitere Räumlichkeiten in Bremen, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Ziel sei es, Beweismaterial über die personelle und organisatorische Struktur der Gruppierungen zu sichern und Informationen über verübte oder geplante Brandanschläge zu finden. Allein in Hamburg wurden nach Angaben der Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Petra Kneuer, 14 Büros und Wohnungen durchsucht.

Der linksextremistischen Gruppierung würden seit Juli 2005 neun Brandanschläge auf Firmen sowie den Besitz hochrangiger Firmenvertreter und Politiker in Hamburg, Berlin und Niedersachsen zur Last gelegt, erklärten die Ermittler. Linke Globalisierungsgegner planen große Protestaktionen gegen das Treffen der Regierungschefs der acht führenden Industrienationen vom 6. bis 8. Juni an der Ostsee.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wollte sich mit Hinweis auf die Zuständigkeit der Generalbundesanwältin nicht zu der Razzia äußern, betonte aber, die Sicherheitsbehörden beobachteten die Szene sorgfältig. Die Ermöglichung von Grenzkontrollen im Umfeld des G-8-Gipfels nannte der CDU-Politiker eine vorbeugende Maßnahme. Ob es tatsächlich zu Kontrollen kommen werde, werde lageabhängig entschieden. Er sei zuversichtlich, dass es wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft gelingen werde, "die Lage gut zu bewältigen".