Papst Erste Überseereise

Papst Benedikt XVI. reist an diesem Mittwoch zu seinem ersten sechstägigen Besuch nach Brasilien, dem größten katholische Land der Welt. Hauptthemen sind Armut und Gewalt - und der wachsende Einfluss der evangelischen Kirche. Mehrere Demonstrationen gegen den Papst sind geplant.

Eine Frau in Sao Paulo mit dem Bild von Benedikt am 8. Mai

Eine Frau in Sao Paulo mit dem Bild von Benedikt am 8. Mai

Zwei Jahre nach seiner Wahl beginnt Papst Benedikt XVI. an diesem Mittwoch seine erste Überseereise. Auf seiner sechstägigen Reise (9.-14. Mai) nach Brasilien besucht er die Wirtschaftsmetropole São Paulo und den Wallfahrtsort Aparecida, wo er die Sitzung der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz eröffnet. Ein Höhepunkt des Besuchs ist eine Messe unter freiem Himmel am Freitag in São Paulo, zu der über eine Million Gläubige erwartet werden.

Es ist die sechste Auslandsreise des deutschen Kirchenoberhaupts. Um für Sicherheit zu sorgen, sind rund 7000 Polizisten und Soldaten während der Papstvisite im Einsatz. Es sind mehrere Demonstrationen gegen den Papst geplant, unter anderem kündigten die brasilianischen Homosexuellen-Verbände Protest an.

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Mit Spannung wird erwartet, wie sich Benedikt zu den Themen Armut, Korruption und Gewalt in Lateinamerika äußern wird. Die katholische Kirche verfolge mit Besorgnis die Probleme in Lateinamerika, meinte die «Nummer zwei» im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, im Vorfeld der Reise. Benedikt werde klare Worte auch an die politisch Verantwortlichen richten. «Wir hoffen, dass diese starken Botschaften gehört werden, und zwar nicht nur von den katholischen Gemeinschaften, sondern auch von den Politikern.»

Ein weiteres Topthema ist die Abwanderung von Katholiken zu protestantischen Freikirchen und Sekten. Zwar gilt Lateinamerika nach wie vor als der «katholischste» Kontinent der Erde, in dem die Hälfte aller Katholiken der Welt leben, aber die Menschen laufen den Priestern in Scharen davon. Neuesten Umfragen zufolge sind in Brasilien nur noch 64 Prozent der Bevölkerung katholisch - im Jahr 1980 waren es noch fast 90 Prozent. Experten erklären dies unter anderem damit, dass sich die «Neukirchen» sehr stark in den Slums engagieren.

Benedikt selbst äußerte sich vor der Reise optimistisch. Südamerika sei der «Kontinent der Hoffnung», meinte er. Erste Station der Reise ist São Paulo, wo der Papst am Donnerstag mit dem brasilianischen Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva zusammentrifft. Am Abend steht ein Treffen mit der Jugend auf dem Programm. Am Samstag besucht der Papst das Rehabilitationszentrum für drogenabhängige Jugendliche Fazenda der Hoffnung in Guaratingueta in der Nähe von Aparecida, das vom Deutschen Hans Stapel gegründet wurde. Abschluss des Besuchs ist eine Messe mit den lateinamerikanischen Bischöfen am Sonntag in Aparecida.

 
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