SPD Fähnlein Fahnenflucht
Der SPD droht der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Verzweifelt sucht sie nach neuen Perspektiven und neuen Leuten. Doch da ist kaum etwas zu finden.
Es ist keine leichte Zeit für Sozialdemokraten. Nicht, dass es keine schlimmeren Momente für sie gegeben hätte. Aber kaum hoffnungslosere. Die alte Tante regiert irgendwie, reagiert irgendwie – doch regenerieren will sie einfach nicht. Seit fast einem Jahrzehnt ist sie Regierungspartei, aber von dem einstigen Aufbruch zur "Neuen Mitte", einer deutschen New-Labour-Variante, ist schon lang nicht mehr die Rede. Die neue Mitte, sie ist der SPD so verloren gegangen wie die alte Linke. Aber vor allem fehlt ihr der Führungsnachwuchs.
Schon lange ist die SPD keine Partei mehr, die schöpferisch aus sich heraus den Weg in die Zukunft findet. Schon das Godesberger Programm war nur der Nachvollzug des geschichtlichen Wandels weg von der alten Klassengesellschaft, so wie 1990 die verspätete Einsicht in die Unabwendbarkeit der Wiedervereinigung. Die Schrödersche Reformpolitik als Antwort auf die Herausforderung der Globalisierung hat die Partei sich bis heute nicht wirklich zu eigen gemacht. Lieber denken Sozialdemokraten an die guten alten Zeiten. Ihr ganzer Stolz ist die Vergangenheit, die möglichst ferne. Willy Brandt und Friedrich Ebert, damit kann man glänzen.
Personell hatte sie an der Spitze in den vergangenen 20 Jahren wenig Glück. Lafontaine, der linke Hoffnungsträger, entpuppte sich als populistischer Verantwortungsflüchtling; Schröder, der sie 1998 wieder an die Macht brachte, regierte an der Partei vorbei und gegen sie. Und jetzt, nach zwei kurzen Intermezzi, hat sie einen Vorsitzenden, der die SPD mit seiner biederen, landesväterlichen Klientelsozialdemokratie vollends in die Bedeutungslosigkeit führt. Mit Kurt Beck , so sehen es immer mehr in der Partei, ist kein Blumentopf zu gewinnen, geschweige denn eine Bundestagswahl.
Die Krise ist aber noch viel tiefer. Wer kann heute schon drei Programmpunkte nennen, für die die SPD noch steht? Innenpolitisch schwankt sie zwischen grün-liberalen und staatsschützerischen Positionen, zwischen Schilys Erbe und Schilys Scherben. Außenpolitisch schweigt der Parteivorsitzende, und redet er einmal doch, wie jüngst zu Afghanistan , wird er nicht ernst genommen. Wirtschaftspolitisch ist sie die Partei des »Mindestlohn, aber nicht immer und für alle«, der »Modernisierung, aber jetzt reicht's vielleicht auch mal – oder doch nicht?« und der Rente mit 67 á la Müntefering.
Man würde in dieser Situation erwarten, dass die zweite Reihe der Sozialdemokraten nun ans Rednerpult oder zumindest in die Talkshows tritt. Doch von ihr ist nichts zu entdecken: Die hauseigene Parteikaderschmiede, die Jungsozialisten, haben schon lange keinen nennenswerten Politiker mehr aus ihrem Sandkasten entlassen. Ganz SPD, wird dort so lange konsensualisiert, bis am Ende nur glattgeschliffene Kofferträger herauskommen. In der Landespolitik wiederum kann sich niemand etablieren; sozialdemokratisch geführte sind selten geworden. Und wo sie regieren, wie in Berlin, sind sie profilarm.
- Datum 03.05.2007 - 04:31 Uhr
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sind Sie wirklich der meinung,daß eine partei keiner diskussionen bedarf?
warum sollte der wähler einer zumindest formal demokratischen gesellschaft eine partei wählen, die jegliche demokratischen prinzipien ignoriert?
back to the roots?
die löhne stagnieren seit jahren, die gewinne explodieren, nicht zuletzt wegen des brutalen lohnsenkungsprojektes der schröder-spd, und alle sind sozial aufgestiegen - sieht man einmal von zeitarbeitern, arbeitslosen und rentnern ab.
der sozialstaat wird geschreddert,bildung und berufserfolg sind klassenspezifisch, das GG wird hin- und hergebeugt wie eine chinesische spitzenturnerin und schon am hindukusch wird unsere freiheit verteidigt.
schon klar, was bliebe da für eine sozialdemokratische partei noch zu tun.
mein lieber schwan.
aber in einem haben Sie recht: keine partei muß ewig existieren.
Eben dafür sollte Müntefering große Unterstützung von Seiten seiner Partei bekommen, dass er nämlich eine unpopuläre, gleichwohl notwendige Korrektur in Sachen Rentenalter vorgenommen hat. Während die Linke und die Gewerkschafter in der SPD populistisch den Leuten nach dem Munde reden und damit Begehrlichkeiten wecken, die nie und nimmer durchsetzbar sind, ohne das ganze Land an den Bettelstab zu bringen, tun die Bundesminister im Interesse des Landes und im konkreten Fall im Interesse der jüngeren Leute ihre Pflicht und bleiben vernünftig. Mir imponiert das mehr als all das ideologische Gequatsche der ökonomisch ungebildeten linken SPD-Kader, die besser in die Lafo-Partei wechseln sollten.
harmlose Blogger, am liebsten die mit SPD Parteibuch.
Der einzige Politiker, der für Weltoffenheit, eine feinsinnige Lebensart steht und von dem man sich versprechen kann, dass er mutig ist mit Tabus bricht, 'und das ist gut so'.
Eine echte Chance, SPD zu wählen, zumindest für mich.
Bei allen anderen diskutierten Personen mag ich nicht.
jeder weiss es doch.
Wähler und eigene Parteimitglieder permanent schamlos anzulügen fordert irgendwann seinen Preis, selbst bei einer Kaderpartei.
Lafontaine hatte mehr Macht als alle Minister nach ihm!
Übrigens hat Lafontaine mit seinem ersten 'Schröder Buch' ~1 Million Euro gemacht.
Die SPD hat ein Problem: je erfolgreicher sie soziale Politik gemacht hat, desto mehr Anhänger gehen ihr verloren.
Genau wie ein guter Arzt sich seine eigene wirtschaftliche Grundlage entzieht, wenn er zu viele Patienten heilt.
Wenn die SPD für immer eine starke Partei bleiben will, dürfte der soziale Aufstieg breiter Massen immer nur ein vager Hoffnungsschimmer am Horizont sein, aber niemals konkrete Realtität werden.
Die Schwäche der SPD heute ist ein Beweis ihrer vergangenen Stärke. Sie hat sich selber überflüssig gemacht, indem sie der traditionellen Arbeiterklasse zum sozialen Aufstieg verholfen hat.
Dumm gelaufen, aber keine Partei muß ewig existieren.
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