Am Ende blieben die Fronten so scharf wie vor der Hauptversammlung. Die Deutsche Telekom, soviel wird am Donnerstagabend in Köln klar, steuert direkt auf einen harten Arbeitskampf zu. An diesem Freitag will die Tarifkommission der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di entscheiden, ob sie eine Urabstimmung beantragen wird. Das würde Streik bedeuten, und nichts deutet darauf hin, dass der noch abzuwenden wäre.

Die Spannung, die die geplante Auslagerung von 50.000 Mitarbeitern in Servicegesellschaften, noch dazu mit schlechteren Konditionen und geringerem Gehalt, in den Konzern gebracht hatte, hatte ihren Schatten vorausgeworfen auf die Hauptversammlung der Telekom am Donnerstag. Dreihundert Aktionäre mehr als erwartet kamen nach Köln, und viele von Ihnen warteten lange an der Sicherheitsschleuse, wo streikende Gewerkschaftler ihnen Flugblätter in die Hand drückten.

Trotz Tausender Aktionäre, die um zehn Uhr am Morgen in der Kölnarena Platz genommen hatten, herrschte dort zunächst Stille. Das alleine war schon verdächtig. Verhandelte hier nicht ein Großkonzern sein Jahresergebnis, bei dem alle Zeichen auf einen heftigen Arbeitskampf hindeuteten?

Denn die Telekom hat einen neuen Chef, René Obermann, und der will alles: sparen, investieren, umstrukturieren und expandieren. Jetzt haben alle Angst: Die Aktionäre um ihr Geld und die Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz. Beide haben schon viel verloren in den vergangenen Jahren, aber nun scheint gar nichts mehr sicher.

Obermann nannte Zahlen, die längst bekannt sind. Er sagte, dass der Wettbewerb immer härter wird und dass die Regulierung der Telekom zu schaffen macht. Er ließ nur wenig Gutes an dem Konzern, den er seit November leitet.

Tatsächlich hat Obermann ein Problem, genau genommen zwei: Erstens kosten seine Produkte zu viel. Nur jeder fünfte, der sich heute einen DSL-Anschluss bestellt, entscheidet sich für die Telekom. Der Rest klopft bei der billigeren Konkurrenz an. Obermann will deshalb sparen.

Zweitens steht der Name "Telekom" zurzeit für schlechten Service, schlechte Organisation und hohe Fehlerquote. Obermann will auch das ändern. Nur wie? Das ließ der Chef auch in Köln offen. Keinen Hehl macht er dagegen aus seinen Plänen, Kosten beim Personal zu sparen . 50.000 Mitarbeiter sollen in eine Service-Gesellschaft verlagert werden, wo sie dann für weniger Geld länger arbeiten würden. Andererseits muss Obermann die Abwanderung seiner Festnetz-Kunden stoppen. Zehntausende verliert er - jeden Monat.