Noch rechter als ganz rechts zu stehen ist eine große Herausforderung. Artur Zawisza ist gerade 38 Jahre alt, ein aufstrebender Politiker mit Schnauzer und Anzug, und hat sie schon gemeistert. Der Abgeordnete, der bis vor kurzem Mitglied der Kaczyński-Partei „Recht und Gerechtigkeit“ war, schreibt Moral und Ordnung groß. Zu seinen Aufgaben als Abgeordneter hat er „die Verteidigung der traditionellen moralischen und gesellschaftlichen Ordnung“ erklärt. Ganz rechts: Der Chef der Liga der Polnischen Familien, Roman Giertych

Der haben sich auch die Kaczyński-Brüder verschrieben, die nach dem Wahlsieg im Herbst vor zwei Jahren eine moralische Wende in Polen verkündeten. Ihre Koalitionspartner, insbesondere die ultranationale Liga der Polnischen Familien, stehen den Kaczyński-Brüdern in nichts nach. Der Liga-Chef und Bildungsminister Roman Giertych hat einen Gesetzesentwurf gegen „homosexuelle Propaganda“ vorbereiten lassen: Lehrer, die im Unterricht erwähnen, dass homosexuelle Liebe möglich sei, sollten aus dem Schuldienst entlassen oder gar bestraft werden. Und ein Parteikollege von Artur Zawisza hatte zuvor vorgeschlagen, Pornografie gesetzlich zu verbieten.

Der Politiker hatte es also nicht leicht, im Kampf gegen den Sittenverfall seinen Teil beizutragen. Im vergangenen Sommer, die Hitze war unerträglich, kam ihm eine Idee: Vielerorts stehen Prostituierte am Straßenrand, aufreizend gekleidet. Müsste man nicht unschuldige Autofahrer davor schützen?

Zawisza, verheiratet, Vater dreier Kinder, fand, dass „die Verlockung potenzieller Klienten durch provokatives Stehen an öffentlichen Straßen“ ein Ende haben müsse. Die Lösung des Problems schien ihm einfach: Miniröcke, auffallendes Make-up und tiefe Ausschnitte gehören verboten. All das, was für Zawisza aus einer Frau eine Prostituierte macht. Dass auch Studentinnen oder Hausfrauen kurze Kleider tragen, davon ließ sich der Abgeordnete nicht beirren. Er vertraue darauf, dass Polizisten zwischen „anständigen Frauen und Frauen mit losen Sitten“ unterscheiden könnten.

Er fragte den Justizminister, ob dieser in der Sache nicht etwas zu tun gedenke. Doch der Justizminister dachte nicht daran, im Gegenteil. Eine solche Idee sei nicht realisierbar und würde Prostituierte noch mehr kriminalisieren, resümierte das Justizministerium und lehnte den Vorschlag ab. Zawisza gab nicht auf, schrieb nochmals - vergeblich. Es muss dem Abgeordneten irgendwann aufgefallen sein, dass ein Verbot von Miniröcken in Polen ähnlich gut ankommt wie die Abschaffung von Dirndln und Lederhosen in Bayern. Der Minirock symbolisiert für viele Polen noch immer Weiblichkeit und Attraktivität – keine gesellschaftliche Schicht verschmäht ihn: Professorinnen und Politikerinnen mittleren Alters tragen ihn als Alltagskleidung ebenso wie Hausfrauen und Kellnerinnen. Und als vor Jahren die damalige First Lady, Jolanta Kwasniewska, mit ihrem Gatten zum ersten Mal die Queen besuchte, trug sie einen Rock, der ihre Oberschenkel zur Hälfte bedeckte. Mit dem Vorschlag, den Minirock zu verbieten, konnte Zawisza nur verlieren.

Vor einigen Tagen erst wurde der Vorstoß des Abgeordneten in den polnischen Medien bekannt – zahlreiche Leser reagierten belustigt und fassungslos. Einer spekuliert, ob die Regierung intern einen Preis für den dümmsten Vorschlag ausgeschrieben habe. Den hätte Artur Zawisza auf jeden Fall verdient.