Die guten Unternehmer Reich werden in der besseren Welt

Ökologisch korrekt, von den Mitarbeitern geliebt und deshalb erfolgreich: Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen können sich durchsetzen. Eine Reihe auf ZEIT online

Es gibt keine Heiligen, schon gar nicht im Wirtschaftsleben. Der Beweis ist seit langem  erbracht; wer es immer noch nicht glauben mag, begebe sich in die Literaturgeschichte. "Wie soll ich gut sein, wo alles so teuer ist?" So fragt Shen Te, Brechts Guter Mensch von Sezuan . Und beutet, verkleidet als Shui Ta, die Schwachen aus.

Zu alt, das Beispiel? Dann fragen Sie Susanne Klatten, die gerade durch den Verkauf der Pharma-Sparte von Altana 2,366 Milliarden Euro Dividende einstrich, warum sie der Belegschaft, die jetzt um ihre Jobs fürchtet, von diesem Geld nichts abgibt. Sie wolle damit unternehmerisch tätig bleiben, rechtfertigt sich Klatten . Vielleicht, könnte man hoffen, schafft die Milliardärin also bald schon viele neue Jobs. Vermutlich aber nicht für jene, die nun arbeitslos werden.

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Die Fragen bleiben. Was haben Unternehmen mit dem Elend der Welt zu schaffen? Welche Verantwortung tragen sie und wie bringt man sie dazu, sie wahrzunehmen?

Um dieses Thema hat sich eine komplexe Denkwelt gebildet, erfüllt mit Worten wie Corporate Social Responsibility (CSR) , angereichtert mit Adjektiven wie "ethisch korrekt" und "nachhaltig", das Präfix "öko" wird auch gerne genommen. Alleine in Deutschland gibt es 180 Fonds, die von sich behaupten, das Geld ihrer Anleger nach solchen Gesichtspunkten anzulegen ; jeder von ihnen hat jedoch seine eigenen Schwerpunkte. So komplex ist das Feld und so weich sind die Formulierungen, dass niemand mehr wirklich definieren kann, was ein gutes Unternehmen nun eigentlich ausmacht. Nur besser als die anderen soll es sein.

Wen die Theorie im Stich lässt, der tut gut daran, sich erst einmal der Praxis zuzuwenden. Abseits der CSR-Abteilungen großer Konzerne, von denen man nie weiß, ob sie Motor oder bloß Lackierung sind, haben nämlich einige Pioniere längst erkannt, dass ethische, soziale, auch ökologische Ideen durchaus gewinnträchtig sein können, wenn man sie mit den richtigen Geschäftsmodellen zusammenbringt. Es sind Weltverbesserer, doch keine Systemveränderer, durchaus von Eigennutz getrieben; sie sind angespornt von der Idee, besser zu machen, was sie bei anderen unzufrieden zurücklässt - zum Nutzen der Kunden und des eigenen Portemonnaies.

ZEIT online wird in den kommenden Wochen einige dieser Pioniere vorstellen. Es sind Mittelständler, die letztlich dem klassischen wirtschaftlichen Prinzip folgen: neue Produkte herzustellen, die gewünscht sind und bezahlt werden können. Diese Unternehmer loten aus, wie gut man sein kann, und sie verschieben stetig die Grenze des Möglichen.

Leser-Kommentare
  1. Ich kann verstehen, dass die Unternehmen ein paar Sicherheiten brauchen um wieder zu lernen auf lange Sicht zu arbeiten und nicht nur Quartalsmäßig auf die Gewinnsteigerungen zu achten. In dem Fall ist eine AG nur einer der sichersten Wege eine Firma durch 'Mitarbeiterumstrukturierungen' zu ruinieren.Was den Punkt betrifft, dass die Politik Vorgaben machen muss nach denen sich Firmen zu richten haben, scheinen wir jedoch als Gesellschaft die Verlierer zu sein. Es hat oft den Anschein, dass sich Politiker von der falschen Seite 'bezahlen' lassen oder einfach keine Ahnung von der Materie haben, denn so wirklich Vorschriften werden oft erst festgelegt nachdem ein ernsthafter Skandal passiert ist. Dabei ließen sich gerade in diesem Fall die Regeln des Kapitalismus für die Gesellschaft einsetzen. Wirtschaft ist ein künstliches System, daher kann sie sich allem anpassen. Es müssten Regeln festgelegt werden deren Hauptaugenmerk auf dem Schutz von Gesellschaft und ihrer Lebensumwelt sind. Wem diese Regeln zu streng erscheinen, der muss ja nicht am Markt mitmachen. Für eine gewisse Zeit würde das wahrscheinlich zu Rückgängen in der Angebotsvielfalt und einer Steigerung der Arbeitslosigkeit führen, so wie in der Natur wenn sich die Umweltbedingungen ändern. Aber langfristig würden sich Firmen finden die die Regeln erfüllen und somit wieder ein größeres Angebot und Jobs schaffen. Schließlich bleibt ein Absatzmarkt das was er ist, eine Möglichkeit Umsatz zu erzielen.Natürlich würde ein derart drastisches Anwenden der Marktregeln gegen diejenigen die sie im Normalfall gegen die arbeitende Bevölkerung einsetzen zu Gejammer auf Seiten der Unternehmer führen. Andererseits, wann jammern die nicht? Die Gesellschaft sollte Unternehmern dieselben Chancen bieten zu Wohlstand zu kommen, wie dem Otto-Normal-Verbraucher. Denn nur wer Geld hat, kann auch welches investieren.Gewalt ist der letzte Ausweg der geistig Schwachen.

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