Die Sache mit der Ethik Reich mit Öko-Strom
Lichtblick verkauft nachhaltig produzierte Energie zu marktkonformen Preisen - ohne Wind, Sonne oder Subventionen. Inzwischen zählt das Unternehmen zu den Top 25 unter den deutschen Stromversorgern
Der Monitor zeigt 251.154 an. Kurz darauf: 251.155. Mehr als eine Viertelmillion Menschen, soll das heißen. Genauer: Privatkunden. Der Bildschirm hängt im luftig sanierten Eingang eines 50er-Jahre-Gebäudes an der Max-Brauer-Allee in Hamburg. Dort, unweit des Bahnhofes, hat Lichtblick seinen Firmensitz.
Bald schon soll sieben Ziffern über diesen Bildschirm flimmern. Heiko von Tschischwitz ist Geschäftsführer und Mitinhaber des Stromversorgers. Der 39-Jährige rechnet damit, dass es in wenigen Jahren eine Million Lichtblick-Kunden sind, die ihren Strom nicht mehr von den vier Energieriesen E.on, RWE, Vattenfall und EnBW oder den hunderten kleinen bis mittelgroßen Anbietern, oft Stadtwerken beziehen. Sondern von ihm.
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Eine übertriebene Erwartung? Wahrscheinlich nicht: Im zehnten Jahr des Firmenbestehens hat sich Lichtblick unter die Top 25 der rund 800 deutschen Stromversorger geschoben. Neben den Privatkunden wächst auch die Anzahl der momentan rund 10.000 Sondervertragskunden, die Strom an rund 50.000 Abnahmestellen verbrauchen. Unter ihnen sind schon die DAK, Canon, die Universität Bremen und seit Anfang des Jahres auch das Bundesumweltministerium.
Den Grundstein für das Wachstum legte Heiko von Tschischwitz Mitte der 90er Jahre, als er beim Unternehmen Vasa Energy einstieg, das Michael Saalfeld gegründet hatte. Mit dem Hamburger Unternehmer hob von Tschischwitz anschließend Lichtblick aus der Taufe. Vasa Energy konzipiert, finanziert und betreibt Kraftwerke, die mit Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten und Städte und Gemeinden mit Strom- und Fernwärme versorgen. "Wir haben diese Kraftwerke gegen die Interessen der etablierten Versorger auf die Beine gestellt. Dadurch haben wir wahnsinnig viel über die Marktstrukturen und Geschäftspraktiken der deutschen Energiewirtschaft gelernt", beschreibt von Tschischwitz die ersten Jahre.
Als von Tschischwitz Lichtblick gründen wollte, war er kein "Öko". "Ich bin in die ökologische Orientierung reingewachsen" beschreibt der Manager den Vorgang, der ihn immerhin zum "Ökomanager des Jahres 2006" macht. "Mich hat vor allem die besitzstandswahrende etablierte Energiewirtschaft herausgefordert. Es hat mich verrückt gemacht, dass die Versorger immer wieder das Märchen erzählten, Ökostrom rechne sich nicht."
Diese Nische besetzten die beiden Firmengründer. "Uns war klar, dass Ökostrom ein wenig teurer ist als konventioneller Strom - gleichzeitig aber sind die Margen in der Energiewirtschaft so hoch, dass man die Mehrkosten kompensieren kann." Die Kunden sollten ein glaubwürdiges ökologisches Produkt bekommen, das die Energiewirtschaft nicht anbietet, zu einem Preis, der auf dem Massenmarkt bestehen kann. "Ein ökologisches Produkt setzt sich nur durch, wenn die Leute, die es vorantreiben, auch damit Geld verdienen können", sagt der Manager.
- Datum 25.05.2007 - 11:34 Uhr
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- Serie Nachhaltigkeit
- Quelle ZEIT ONLINE, 25.5.2007 - 09:34 Uhr
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Der ZEIT verdanke ich durch diesen Artikel, von dem Unternehmen erfahren zu haben und habe bereits mit Lichtblick telefoniert um nach der Möglichkeit der Stromlieferung zu fragen. Ansonsten hätte ich eine Insellösung (Kraft/Wärme-Kopplung) angestrebt um von den "Monopolstrukturen" der großen Energieversorger weg zu kommen.
Auf die Frage, warum das Unternehmen nicht schneller für seinen Bekanntheitsgrad sorgt, bekam ich zur Antwort, daß man keine aggresieve Werbefeldzüge fahre. Ich persönlich halte dies als "falsche Bescheidenheit" und kann der ZEIT nur für den Artikel danken.
Lichtblick soll als Ökostromanbieter nicht sauber sein
Die meisten Grünen beziehen ihren Strom von Lichtblick, dem billigsten Ökostromanbieter, der allerdings von einer Reihe von Umweltgruppen kritisch gesehen wird: Sie werfen ihm mangelnde Transparenz hinsichtlich seiner Stromlieferanten und der -Finanzierung vor.
Testsieger sind die Stromrebellen / Elektrizitätswerke Schönau (EWS)
http://www.energieverbrau...
@Dingele: Einem Unternehmen "falsche Bescheidenheit" zu unterstellen, das auf einem Monitor minütlich die Abschlüsse seiner 200 Kundenwerber sichtbar macht, ist wohl so richtig wie es verkehrt ist. Den Vorwurf der mangelnden Transparenz hingegen kann ich ganz gut nachvollziehen. Ich persölich bin nach der Lektüre des Artikels genau so schlau, wie ich vorher auch schon war. Wie genau das "Prinzip A&V" auf dem offenbar ziemlich lukrativen Strommarkt funktioniert, verstehe ich noch immer nicht.
Was ist eigentlich Öko-Strom? Gemäß meiner Definition von Öko-Strom zählt "Lichtblick" nicht dazu, da für gewöhnlich bei der Herstellung des von Lichtblick verkauften Stromes durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen ebenso CO2 wie bei konventionellen Kohlekraftwerken entsteht, nur mit dem Unterschied des wesentlich höheren Wirkungsgrades der KWK-Anlagen. Der Verbraucher wird hier wieder einmal an der so genannten Öko-Nase herumgeführt, weil er mit den verwendeten Fachbegriffen und der sich dahinter verbergenden Technologie hinter dem Öko-Label wenig anfangen kann. Meiner Meinung nach sollte Öko-Strom vollständig aus erneuerbaren Energien bestehen und nicht aus Pseudoökoprodukten. Hierzu gehört im Übrigen auch Öko-Strom aus dem sog. Zertifikatehandel. Hier wird herkömmlicher Strom einfach in scheinbar sauberen Öko-Strom umetikettiert. Warum beschwert sich hierüber keiner? Als es um umetikettiertes Gammelfleisch ging war der Aufschrei groß. Wer Wert auf echten Öko-Strom legt, kann sich einmal beim "Grünen Strom Label e.V." informieren.
Dennoch ist es aller Ehren wert, dass jemand die monopolistischen Strukturen aufzubrechen versucht und moderne Technologien vorantreibt. Dann aber
Bitte ehrlich bleiben.
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