Afghanistan "Perfider Mord"

Der schwerste Anschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan seit vier Jahren hat drei deutsche Soldaten das Leben gekostet. Drei weitere wurden verletzt. Auch sechs Zivilisten kamen ums Leben

Der Selbstmordattentäter habe am Samstag zugeschlagen, als die Deutschen auf einem belebten Markt in Kundus aus ihrem Patrouillenfahrzeug gestiegen seien, erklärten afghanische Behörden. Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte erschüttert und verurteilte den "perfiden Mord". Die internationale Gemeinschaft werde sich nicht entmutigen lassen und den Aufbau des Landes weiter unterstützen, versicherte sie. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikal-islamischen Taliban.

Verteidigungsminister Franz-Josef Jung sprach von einem hinterhältigen Anschlag. "Meine Anteilnahme, mein Mitgefühl gilt den Familien." Er betonte, die Bundeswehr werde die Mission fortsetzen. "Wir werden weiterhin unseren Auftrag erfüllen, um zu Stabilität und Frieden in Afghanistan beizutragen." Das Attentat mache deutlich, dass Auslandseinsätze mit großen Risiken für Soldaten verbunden seien. Jung beendete wegen des Anschlags einen Aufenthalt in Dänemark vorzeitig. Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den "brutalen Terroranschlag", der zeige, dass es in Afghanistan keine vermeintlich sicheren Zonen gebe. Einer ihrer Kämpfer habe sich nahe den deutschen Soldaten in die Luft gesprengt, sagte Taliban-Kommandeur Mullah Haiatullah Chan. Nach Angaben der afghanischen Behörden wurden bei dem Attentat auch sechs Zivilisten getötet und zwölf weitere verletzt. "Plötzlich hörten wir ein lautes Geräusch. Wir hatten Angst", berichtete ein Ladenbesitzer. "Wir sahen dicken Rauch und flüchtende Menschen."

Anzeige

Die Taliban hatten ihre Angriffe in den vergangenen Wochen verstärkt. Sie haben nach eigenen Angaben hunderte Selbstmordattentäter ausgebildet. Beim bislang folgenschwersten Anschlag gegen die Bundeswehr in Afghanistan waren im Juni 2003 vier Soldaten getötet und 29 verletzt worden, als ihr Bus auf der Fahrt zum Flughafen in Kabul von einem Selbstmordkommando angegriffen wurde. Derzeit sind knapp 3200 deutsche Soldaten vor allem in Nordafghanistan stationiert.

Nach dem neuen Anschlag entbrannte eine Debatte über einen Abzug der deutschen Truppen. Die Linksfraktion forderte die sofortige Heimkehr. Der Stabschef im Isaf-Hauptquartier, der deutsche General Bruno Kasdorf, warnte davor, den Einsatz in Frage zu stellen. Der Ansatz sei richtig, den Kontakt zur Bevölkerung zu suchen, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, unterstrich er in der ARD. Daran ändere der Anschlag in Kundus nichts.

Alle Parteien im Bundestag sprachen den Familien der Opfer ihre Anteilnahme aus. Der Verteidigungsexperte der Union, Bernd Siebert, forderte im Berliner Tagesspiegel am Sonntag eine bessere Ausstattung der Bundeswehr zum Eigenschutz. Sein SPD-Kollege Rainer Arnold erklärte, der Kontakt der Soldaten zur Bevölkerung gehöre zum Auftrag. Daher sei kein absoluter Schutz möglich.

Bei Kämpfen in der Provinz Kapisa im Süden Afghanistans starben in der Nacht nach Angaben der US-geführten Truppen vermutlich mehrere Dutzend Taliban. Im Bezirk Schinwar bei Dschalalabad tötete eine ferngezündete Bombe nach Aussage der örtlichen Behörden einen Polizeichef und einen weiteren Polizisten. Die Angriffe folgen auf den Tod des Militärchefs der Taliban, Mullah Dadullah, in Kämpfen mit den US-geführten Truppen. Die Taliban hatten zuletzt betont, Deutsche nicht von Anschlägen zu verschonen.

 
Leser-Kommentare
    • ben_
    • 19.05.2007 um 19:13 Uhr

    Zwar läßt sich wohl ausgiebig darüber streiten, ob in Afghanistan Krieg herrscht und ob Selbstmord-Attentäter Soldaten sind. Aber eben weil es sich noch drüber streiten läßt, finde ich den Ausspruch der Bundeskanzlerin vom "Perfiden Mord" bemerkenswert. Standen die Konservativen hierzulande dem Zusammenhang von Krieg und Mord doch traditionell extrem kritisch gegenüber.

  1. 2. @ Ben

    Ich weiß nicht wie Leute wie sie den eigenen Soldaten, die für sie in den Eindatz gehen, so in den Rücken fallen können. Es sind heute drei deutsche Soldaten ermordet worden. Aber anstelle allgemeinen Anteilnahme auszudrücken und die deutschen Soldaten und deren Familien jetzt zu unterstützen, geht erneut ein Streit los, ob die Truppen abgezogen werden sollten oder nicht, was realpolitisch absurd ist. Und sie Ben, fangen an Phrasen zu dreschen, was ich für unmöglich halte. Es gibt kein Streit darüber, gab keinen und wird keinen geben, ob Selbstmordattentäter Soldaten oder Mörder sind. Denn nicht nur nach unserem Recht sondern auch im humanitären Völkerrecht sind Selbstmordattentäter keine Kombatanten, sondern nur eins, feige Mörder. Und aus diesem Grund ist die Aussage von der Bundeskanzlerin vom "perfiden Mord" nicht wie sie vermuten bemerkenswert, sondern entspricht schlicht der Wahrheit. Also ein letzter Tipp an sie. Bevor sie sich noch einmal soweit mit ihren Aussagen aus dem Fenster lehnen, informieren sie sich erstmal und bevor sie ihrer Unwissenheit nicht Abhilfe geschafft haben schweigen sie.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ben_
    • 19.05.2007 um 21:16 Uhr

    Ich bin weit davon entfernt, den deutschen Soldaten "in den Rücken zu fallen". Ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, dass Soldaten, die wir in den Krieg schicken, von denen wir Leistungen und Belastungen erwarten, die praktisch keine zivilgesellschaftlichen Äquivalente kennen, die von den Einsätzen häufig für Jahre und Jahrzehnte traumatisiert sind, die häufig genug nur mit einer wagen Ahnung dessen, was sie erwartet in ein Kriegs- oder Krisengebiet gehen, und das auch noch im Staatsauftrag, in unserem Auftrag - ich glaube, dass diese Menschen zuallererst eine professionelle Ausbildung, eine professionelle Ausrüstung und einen weit professionelleren Umgang der Gesellschaft mit ihren Aufgaben und Tätigkeiten verdienen.

    Und wir brauchen uns auch nicht darüber streiten, dass Selbstmordangriffe zumal auf einem bevölkerten Markt verabscheuungswürdig sind.

    Aber - und das war der eigentliche Punkt meines Kommentars - die Rede vom "Perfiden Mord" erweckt ein Bild, als herrsche in Afghanistan ansonsten beste Ordnung, als wären solche Angriffe das, was wir hierzulande als Terroranschläge verstehen - singuläre Ausnahmen einer ansonsten friedlichen, zivilien Gesellschaft. Defakto sind es dort aber die Mittel mit denen die Taliban kämpfen, sei es völkerrechtlich auch noch so verwerflich. Und dieser verachtenswerten Weise, gewaltsame Konflikte auszutragen, effektiv, professionell und nachhaltig entgegenzutreten, das ist die Herausforderung der Bundeswehr. Die Radikalität mit der der Konflikt in Afghanistan ausgetragen wird, wird hierzulande gerne heruntergespielt und wird so den Leistungen der Soldaten vor Ort nicht gerecht. Und Frau Merkel trägt mit ihrem Auspruch vom "Perfiden Mord" zur Verharmlosung bei.

    Und damit wir uns nicht falsch verstehen: natürlich wäre ich glücklicher, würde wir keine Kriege führen. Seit den 90ern scheint es normal geworden zu sein, dass deutsche Soldaten im Ausland eingesetzt werden und sterben. Ich kann und will mir kein Urteil erlauben, ob deutsche Soldaten dort sein sollten, oder wieder abgezogen werden sollten, ob es sich um gerechtfertigte oder sogar "gute" Einsätze handelt. Darüber urteilen andere und wahrscheinlich zu anderen Zeiten. Und ich weiß, dass selbst viele Soldaten darüber kein Urteil fällen. Es ist ihr Beruf Kriege zu kämpfen, die andere beschließen. Und gerade das wird von Politikern aller Fraktionen kontinuierlich ignoriert. Das öffentlich vermittelte Bild der Aufgabe deutscher Soldaten ist jenes der Menschen, die helfen "eine Krisenregion zu stabilisieren". Dass wir seit Mitte der 90er kontiuierlich deutsche Soldaten in extreme Kriegsgebiete schicken, und es hier als "Auslandseinsätze" in "sicheren Zonen" zu deklarieren, bei denen es zu "Terroranschlägen" und
    "perfiden Morden" kommt, wird den Soldaten nicht gerecht. Es reduziert sie und ihre Arbeit auf eine Art THW mit Waffen und Erlaubnis zum Selbstschutz. Und es steht so der nötigen Ausbildung, Ausrüstung, Anerkennung und sachlichen Beschäftigung und Beurteilung im Wege.

    Dass unsere Kanzlerin zum Wort "Mord" greift, das in Deutschland im Zusammenhang mit Krieg hochgradig emotionalisiert ist, beweist in meinen Augen, dass sie an einer sachlichen Beschäftigung nicht interessiert ist. DAS verurteile ich an und DESHALB mein Kommentar.

    Und abschließend: die Anteilnahme mit den Angehörigen ist selbstverständlich und verpflichtet ebenso selbstverständlich zur Auseinandersetzung mit dem Konflikt, dessen Opfer sie geworden sind.

    • ben_
    • 19.05.2007 um 21:16 Uhr

    Ich bin weit davon entfernt, den deutschen Soldaten "in den Rücken zu fallen". Ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, dass Soldaten, die wir in den Krieg schicken, von denen wir Leistungen und Belastungen erwarten, die praktisch keine zivilgesellschaftlichen Äquivalente kennen, die von den Einsätzen häufig für Jahre und Jahrzehnte traumatisiert sind, die häufig genug nur mit einer wagen Ahnung dessen, was sie erwartet in ein Kriegs- oder Krisengebiet gehen, und das auch noch im Staatsauftrag, in unserem Auftrag - ich glaube, dass diese Menschen zuallererst eine professionelle Ausbildung, eine professionelle Ausrüstung und einen weit professionelleren Umgang der Gesellschaft mit ihren Aufgaben und Tätigkeiten verdienen.

    Und wir brauchen uns auch nicht darüber streiten, dass Selbstmordangriffe zumal auf einem bevölkerten Markt verabscheuungswürdig sind.

    Aber - und das war der eigentliche Punkt meines Kommentars - die Rede vom "Perfiden Mord" erweckt ein Bild, als herrsche in Afghanistan ansonsten beste Ordnung, als wären solche Angriffe das, was wir hierzulande als Terroranschläge verstehen - singuläre Ausnahmen einer ansonsten friedlichen, zivilien Gesellschaft. Defakto sind es dort aber die Mittel mit denen die Taliban kämpfen, sei es völkerrechtlich auch noch so verwerflich. Und dieser verachtenswerten Weise, gewaltsame Konflikte auszutragen, effektiv, professionell und nachhaltig entgegenzutreten, das ist die Herausforderung der Bundeswehr. Die Radikalität mit der der Konflikt in Afghanistan ausgetragen wird, wird hierzulande gerne heruntergespielt und wird so den Leistungen der Soldaten vor Ort nicht gerecht. Und Frau Merkel trägt mit ihrem Auspruch vom "Perfiden Mord" zur Verharmlosung bei.

    Und damit wir uns nicht falsch verstehen: natürlich wäre ich glücklicher, würde wir keine Kriege führen. Seit den 90ern scheint es normal geworden zu sein, dass deutsche Soldaten im Ausland eingesetzt werden und sterben. Ich kann und will mir kein Urteil erlauben, ob deutsche Soldaten dort sein sollten, oder wieder abgezogen werden sollten, ob es sich um gerechtfertigte oder sogar "gute" Einsätze handelt. Darüber urteilen andere und wahrscheinlich zu anderen Zeiten. Und ich weiß, dass selbst viele Soldaten darüber kein Urteil fällen. Es ist ihr Beruf Kriege zu kämpfen, die andere beschließen. Und gerade das wird von Politikern aller Fraktionen kontinuierlich ignoriert. Das öffentlich vermittelte Bild der Aufgabe deutscher Soldaten ist jenes der Menschen, die helfen "eine Krisenregion zu stabilisieren". Dass wir seit Mitte der 90er kontiuierlich deutsche Soldaten in extreme Kriegsgebiete schicken, und es hier als "Auslandseinsätze" in "sicheren Zonen" zu deklarieren, bei denen es zu "Terroranschlägen" und
    "perfiden Morden" kommt, wird den Soldaten nicht gerecht. Es reduziert sie und ihre Arbeit auf eine Art THW mit Waffen und Erlaubnis zum Selbstschutz. Und es steht so der nötigen Ausbildung, Ausrüstung, Anerkennung und sachlichen Beschäftigung und Beurteilung im Wege.

    Dass unsere Kanzlerin zum Wort "Mord" greift, das in Deutschland im Zusammenhang mit Krieg hochgradig emotionalisiert ist, beweist in meinen Augen, dass sie an einer sachlichen Beschäftigung nicht interessiert ist. DAS verurteile ich an und DESHALB mein Kommentar.

    Und abschließend: die Anteilnahme mit den Angehörigen ist selbstverständlich und verpflichtet ebenso selbstverständlich zur Auseinandersetzung mit dem Konflikt, dessen Opfer sie geworden sind.

  2. In Afghanistan hat nie eine Staatlichkeit existiert. Die überwiegende Mehrheit dort lebt in tribalen Verhältnissen, abgeschottet von anderen Zivilisationen. Afghanistan ist eine Inkontinuität der Geschichte dieser Region. Dieses Land gehörte einst dem Großpersischen Reich. Infolge von Schwäche dieses Reiches haben sich ostafghanische Paschtunen, die eher dem indischen Kulturkreis angehören, im 18. Jhd. von den Persern getrennt und so ihr eigenes Afghanistan ausgerufen. Früher hiess Afghanistan Baktrien, Ariana oder Khorrasan und war eine persische Provinz. Kurzzeitig hatten sie sogar die Macht über Persien an sich gerissen, wurden aber von dort wieder vertrieben. Genauso verhält es sich auch mit den zentralasiatischen Staaten wie Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgisien. Das sind alles ehemalige Persergebiete. Diese Staaten sind auch nicht besser als Afghanistan, aber dort ist es friedlicher und man hört so wenig von ihnen. Sie haben aber auch 70 Jahre Sowjetsystem hinter sich, was ihre Eigenständigkeit gefördert hat.

    Da Afghanistan kein sich selbst verwaltendes Reich sein konnte, hätte es sich eigentlich wieder auflösen müssen. Diese Gebiete hätten sich Persien und Indien wieder einverleiben müssen. Dem steht und stand die Topographie Afghanistans gegenüber. Es ist ein gebirgiges Gebiet, das Ideal für Verteidiger zu halten ist, auch mit geringen Mitteln. Dazu kommt noch das kriegerische paschtunische Volk, dem sogar mal ein Raubzug in Indien geglückt ist. Weiterhin litten die Reiche Persien und Indien unter britischem Imperialismus und waren Handlungsunfähig. Die Briten haben auch unglücklich Afghanistans Ostgrenze mit der Durrandlinie gezogen. Diese Grenze geht mitten durch die Tribal Areas und ist durchlässig. Das kommt auch den Taliban sehr gelegen.

    Afghanistan ist ein ethnischer Flickenteppich. Es werden zwei Landessprachen gesprochen, nämlich Paschtu und Dari. Weiterhin werden sogar 200 ethnische und sprachliche Gruppen in Afghanistan vermutet. Ausserdem gibt es teilweise auch noch wie im Irak die Sunniten-Schiiten-Problematik dazu. Daher auch immer wieder diese Bürgerkriege. Jeder Volksstamm hat seine Schutzmächte im AUsland und vertraut denen mehr als einer anderen afghanischen Ethnie. Die darisprechenden Afghanen wenden sich dem Iran und den zentralasiatischen Staaten oder sogar Russland zu, während die Paschtunen auf Pakistan schwören.

    Nur weltfremde Neocons und ihre europäischen Vasallen haben die Idee, in Afghanistan Nation-Building zu betreiben. Afghanistan hat aber nicht mal die Voraussetzung für eine Retorten-Staat.

    Andererseits sind Soldaten sehr selten in der Menschheitsgeschichte für einen tieferen Sinn gestorben.

  3. Den Familien der Opfer dieses Anschlages gilt mein Beileid. Anschlag? Oder bewaffnete Kampfhandlung?
    Die Verteidung der Freiheit am Hindukusch?
    Ein feiger Mord? Vielleicht, Soldaten selbst -wie wir ja wissen- sind aber keine Moerder. Aber sie koennen im Einsatz ermordet werden? Offensichtlich.
    Die Gretchenfrage: Was machen wir da unten?
    Sind wir Besatzer? Nehmen wir an einem (schwelenden) Konflikt teil?
    Es wird Zeit, die Rosa-Pusteblume-Brille abzunehmen.
    Die Halbwertszeit der Euphismen unseres politischen Establishments bezueglich unserer "neuen" Rolle in der Welt hat sich verbraucht. Klare Worte brauchen wir jetzt.
    Mir schwant, das Ende der Unschuld ist gekommen.
    Und das ist gut so.

    • MeIkor
    • 19.05.2007 um 20:53 Uhr

    Warum fällt eine ganze Gesellschaft inklusive der Medien auf dieses leere Rethorikgewäsch der Politiker herein?

    Was heißt denn "perfider Mord"? "Heimtückischer" Mord? Was wäre denn dann ein nicht heimtückischer Mord? Vielleicht ein Besserer?
    Was macht einen Anschlag zu einem "hinterhältigen Anschlag"?
    Die Zuhörer und Leser wissen bereits, daß Deutsche getötet wurden. Die Sprecher malen mit Ihrer Wortwahl ein schwarz-weißes Bild. Hier die Guten, dort die Hinterhältigen und Perfiden. Nachdem man dann seine Erschütterung kundgetan hat, kann man zusammen mit dem Zuhörer seine Hände in Unschuld waschen.

    Die Rethorik lenkt vom eigentlichen Problem ab. Wir haben unsere Soldaten in einen Krieg geschickt und haben keine Lust den Krieg zu beenden. Das würde viele Soldaten und nochmehr Geld kosten. Das will der durchschnittliche Deutsche und damit auch die Politik nicht.
    Es ist doch viel einfacher Entrüstung zu zeigen, wenn sich eine Kriegspartei erdreistet Krieg zu führen.

    Übrigens, wenn man Attentäter grundsätzlich als perfide Mörder darstellt, wie steht man dann zu den Helden des deutschen Widerstandes? Claus Graf Schenk von Stauffenberg war mit Sicherheit kein feiger Mörder.
    Ist es aber ein Zeichen des Mutes, mit Bombern alles zu jagen, das irgenwie wie Taliban aussieht, zum Beispiel eine Hochzeitsgesellschaft?

    30 getötete afganische Männer, Frauen und Kinder sind Kollateralschäden, 3 tote deutsche Soldaten das Werk feiger Mörder.

    Würde man die Tragödie doch nur nutzen, endlich eine Strategie zu entwerfen und durchzuhalten, die ein Ende der Gewalt verspricht.

    • ben_
    • 19.05.2007 um 21:16 Uhr

    Ich bin weit davon entfernt, den deutschen Soldaten "in den Rücken zu fallen". Ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, dass Soldaten, die wir in den Krieg schicken, von denen wir Leistungen und Belastungen erwarten, die praktisch keine zivilgesellschaftlichen Äquivalente kennen, die von den Einsätzen häufig für Jahre und Jahrzehnte traumatisiert sind, die häufig genug nur mit einer wagen Ahnung dessen, was sie erwartet in ein Kriegs- oder Krisengebiet gehen, und das auch noch im Staatsauftrag, in unserem Auftrag - ich glaube, dass diese Menschen zuallererst eine professionelle Ausbildung, eine professionelle Ausrüstung und einen weit professionelleren Umgang der Gesellschaft mit ihren Aufgaben und Tätigkeiten verdienen.

    Und wir brauchen uns auch nicht darüber streiten, dass Selbstmordangriffe zumal auf einem bevölkerten Markt verabscheuungswürdig sind.

    Aber - und das war der eigentliche Punkt meines Kommentars - die Rede vom "Perfiden Mord" erweckt ein Bild, als herrsche in Afghanistan ansonsten beste Ordnung, als wären solche Angriffe das, was wir hierzulande als Terroranschläge verstehen - singuläre Ausnahmen einer ansonsten friedlichen, zivilien Gesellschaft. Defakto sind es dort aber die Mittel mit denen die Taliban kämpfen, sei es völkerrechtlich auch noch so verwerflich. Und dieser verachtenswerten Weise, gewaltsame Konflikte auszutragen, effektiv, professionell und nachhaltig entgegenzutreten, das ist die Herausforderung der Bundeswehr. Die Radikalität mit der der Konflikt in Afghanistan ausgetragen wird, wird hierzulande gerne heruntergespielt und wird so den Leistungen der Soldaten vor Ort nicht gerecht. Und Frau Merkel trägt mit ihrem Auspruch vom "Perfiden Mord" zur Verharmlosung bei.

    Und damit wir uns nicht falsch verstehen: natürlich wäre ich glücklicher, würde wir keine Kriege führen. Seit den 90ern scheint es normal geworden zu sein, dass deutsche Soldaten im Ausland eingesetzt werden und sterben. Ich kann und will mir kein Urteil erlauben, ob deutsche Soldaten dort sein sollten, oder wieder abgezogen werden sollten, ob es sich um gerechtfertigte oder sogar "gute" Einsätze handelt. Darüber urteilen andere und wahrscheinlich zu anderen Zeiten. Und ich weiß, dass selbst viele Soldaten darüber kein Urteil fällen. Es ist ihr Beruf Kriege zu kämpfen, die andere beschließen. Und gerade das wird von Politikern aller Fraktionen kontinuierlich ignoriert. Das öffentlich vermittelte Bild der Aufgabe deutscher Soldaten ist jenes der Menschen, die helfen "eine Krisenregion zu stabilisieren". Dass wir seit Mitte der 90er kontiuierlich deutsche Soldaten in extreme Kriegsgebiete schicken, und es hier als "Auslandseinsätze" in "sicheren Zonen" zu deklarieren, bei denen es zu "Terroranschlägen" und
    "perfiden Morden" kommt, wird den Soldaten nicht gerecht. Es reduziert sie und ihre Arbeit auf eine Art THW mit Waffen und Erlaubnis zum Selbstschutz. Und es steht so der nötigen Ausbildung, Ausrüstung, Anerkennung und sachlichen Beschäftigung und Beurteilung im Wege.

    Dass unsere Kanzlerin zum Wort "Mord" greift, das in Deutschland im Zusammenhang mit Krieg hochgradig emotionalisiert ist, beweist in meinen Augen, dass sie an einer sachlichen Beschäftigung nicht interessiert ist. DAS verurteile ich an und DESHALB mein Kommentar.

    Und abschließend: die Anteilnahme mit den Angehörigen ist selbstverständlich und verpflichtet ebenso selbstverständlich zur Auseinandersetzung mit dem Konflikt, dessen Opfer sie geworden sind.

    Antwort auf "@ Ben"
  4. denn sie wurden in einen schmutzigen aussichtslosen Krieg geschickt, in den sie guten Glaubens und mit jugendlichem Patriotismus ausgezogen, von den politischen Bütteln der Kapital-Monopole die unter Missbrauch von Demokratie gegen die Völker, und auch gegen die eigene Gesellschaft schändliche Verbrechen verüben. Afghanistan war ein blühendes Land, bevor der Westen daraus eine Stolperfalle gegen die Sowjetunion gemacht hat. Diese Rechnung ist immer noch offen wie es scheint. gezahlt wird sie unter anderem auch von diesen Kindersoldaten die dahin geschickt werden.

  5. hat nichts von der Eleganz einer aus einem Flugzeug abgeworfenen fünf Tonnen Bombe. Wir töten schön, es sieht einfach gut aus, die Kamera auf der Bombe, Stunden später die Bilder im Fernsehen. Das ist nicht einfach nur Krieg, das ist Kunst. Das macht Spass. Wir müssen im Negativen doch auch mal das Positive sehen.

    Aber die Islamisten haben einfach kein Gefühl für Eleganz, für Kunst. Das sind Barbaren. Was die machen, das ist immer so blutig: abgetrennte Köpfe, zerfetzte Leichen...einfach hässlich und nicht schön anzuschauen. Und der Künstler geht an der Kunst zugrunde. Das ist echt altmodisch.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service